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„Hill Top“-Garten : Miss Potter und der Zauber der Gartenwelt

  • -Aktualisiert am

Die „Hill Top“ Farm in Near Sawrey. Bild: INTERFOTO

Peter Rabbit, das vorwitzige Kaninchen mit der blauen Jacke, kennt in England jedes Kind. Die Inspiration für ihre Tiergeschichten und Kinderbücher fand Beatrix Potter auf ihrer Farm „Hill Top“.

          Hat sich nicht gerade verdächtig das hellgrüne Blatt des Frauenmantels bewegt? Irgendetwas raschelt doch an der Steinmauer zwischen Goldfelberich und Storchschnabel. Und dann flitzt im nächsten Moment etwas aus den Rabatten rüber zum Apfelgarten - der weiße Fellpuschel war deutlich zu sehen. Wer das "Hill Top"-Anwesen in Near Sawrey durch das Gartentor betritt, der denkt an Bernhard Schnauzbart, Hans Hausmaus oder Jemina Pratschel-Watschel. Begegnungen mit Mäusen, Enten, Hasen oder Igeln sind hier keine Seltenheit. Wer Glück hat, trifft die braune Entendame, die mit ihrem Nachwuchs über die Wege watschelt, oder eben eines der Kaninchen, die über die saftigen Wiesen hoppeln. In "Hill Top" sind sie keine lästigen Eindringlinge, sondern willkommene Gäste.

          Schließlich ist das hier das Reich von Beatrix Potter, der Kinderbuchautorin, die Hasen in blauen Jacken Abenteuer erleben ließ, Katzen Schürzen umband und Igel Tiggy-Winkle taufte. Tierische Statisten gehören dazu, sie sind Teil der Inszenierung des wildromantischen Cottage-Gartens, in dem alles noch so aussieht wie zu ihren Lebzeiten und in ihren Büchern.

          „Hill Top“ als Zufluchtsort

          Wer als Vierbeiner im Garten erwischt wird, landet nicht im Topf der Gärtnergattin Mrs MacGreggor, so wie in Beatrix Potters erstem Bestseller "Peter Rabbit". Ein wenig, so berichtet der Chefgärtner, hält er die Kaninchen aber dennoch im Auge - "um den Schaden an den Pflanzen so gering wie möglich zu halten". Die vielen Fans der Schriftstellerin und Illustratorin, die jedes Jahr aus der ganzen Welt nach "Hill Top" strömen, sind da vermutlich die größere Herausforderung. In Japan etwa lernen Schulkinder mit Potters Erzählungen Englisch. Ein Grund, warum viele von ihnen später als Touristen in den nordenglischen Lake Distrikt kommen. Die Londoner Kinderbuchautorin hatte sich einst in diese Region verliebt und sich 1905 schließlich das 13,5 Hektar große Anwesen im Dörfchen Sawrey gekauft - vom Erlös ihrer ersten Bücher.

          Das Buch „Peter Rabbit“ war Beatrix Potter erster Bestseller.

          Sanft steigt der mit Schieferplatten gepflasterte Weg zum Haus empor. "Hill Top", Berggipfel, heißt Beatrix Potters Anwesen, und der von Stauden gesäumte lange Gartenweg ist sicherlich die malerischste Seite des eher schlichten Farmhauses aus dem 17. Jahrhundert. Die Natur übertrumpft die Architektur. Wie schwefelgelbe Wolken schweben die Blüten des Frauenmantels über dem Beet, hier und da leuchten die zyklamfarbenen Kelche des Storchschnabels und des Fingerhuts neben Goldfelberich-Rispen und blassblauen Phlox-Kronen. Der Lavendel blüht und die späte Akelei, Rosen und Stockrosen gedeihen zwischen Stachelbeeren, Mohn und Funkien. An einem Wigwam aus krummen Ästen ranken Wicken empor.

          Hier ist nichts gestylt oder farblich durchkomponiert, sondern ein unprätentiöses Durcheinander altmodischer Stauden: Die ungezähmte Gartenwelt einer bis dahin streng viktorianisch erzogenen Tochter aus gutem Hause. "Hill Top" ist Beatrix Potters Zufluchtsort gewesen nach dem frühen Tod ihres Verlobten, ihre Abkehr vom verhassten London und Protest gegen die strengen Eltern. "Ihr Symbol der Freiheit", wie die Biographin Margaret Lane schreibt. Hier hatte ihr neues, selbstbestimmtes Leben begonnen, das sie sich durch den Erfolg ihrer Kinderbücher leisten konnte.

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