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Alte Schönheiten : Tränendes Herz und Brennende Liebe verzaubern uns wieder

  • -Aktualisiert am

Astrantia major: Die Sterndolde ist wieder in Mode. Bild: Marion Nickig

Nicht nur die Namen dieser Pflanzen sind verheißungsvoll. Einige waren schon nahezu verschwunden. Jetzt feiern sie ein fulminantes Comeback.

          Wie vieles andere unterliegen auch Blumen der Mode. Ein neuer Star im Beet ist beispielsweise das Argentinische Eisenkraut (Verbena bonariensis), dessen winzige violette Blüten auf hohen Stengeln durch unzählige Gärten und sogar öffentliche Anlagen schweben. Hübsch, durchaus. Aber was ist mit den vielen Blumen, welche die Gärten unserer Groß- und Urgroßeltern zierten, oder jenen, die im Mittelalter die Menschen entzückten? Obwohl es sie noch gibt, sieht man etliche kaum noch, weil sie als altmodisch gelten. Dabei kann altmodisch doch so wundervoll charmant sein.

          Haben Sie etwa Madonnen-Lilien (Lilium candidum) im Garten? Wenn ja, Chapeau! Immerhin ist die Sorte die Königin aller Lilien. In Bauerngärten strahlt sie uns noch entgegen, doch sonst ist die Madonnen-Lilie kaum noch zu sehen. Dabei besitzt sie ein strahlendes Weiß (candidum heißt strahlend), ist von anmutig-imposanter Gestalt und bis zu 1,50 Meter hoch, besitzt eine extravagante kelchförmige Blütenform und dazu einen narkotisierend süßlichen Duft.

          Bitte mehr davon ins Beet! Sie war eine schon bei den Griechen mit Mystik umrankte Blume, Symbol für Erhabenheit, später steht sie im Christentum für „unbefleckte Empfängnis“. Als Sinnbild der Reinheit eroberte sie die Klostergärten, gleichzeitig galt sie lange als Totenblume. Jenseits aller Symbolträchtigkeit ist sie schlicht wunderschön, bringt edlen Glanz in den Garten und ist bei aller divenhaften Optik recht pflegeleicht.

          Fast völlig verschwunden ist die Levkoje (Matthiola incana). Selbst als Schnittblume auf dem Wochenmarkt wird sie immer seltener. Dabei war sie einst der Klassiker im Bauerngarten. Denn sie besitzt zauberhafte Blüten, zierliche Trauben dicht an dicht an langen Stengeln, in morbidem Violett, Cremegelb, verblichenem Rosé, kräftigem Purpur, am edelsten ganz in Weiß. Ihr charakteristischer Duft, schwer, würzig, eine Mixtur aus Nelken, Zimt, Muskat, ist umwerfend.

          Die Madonnen-Lilie ist eine der symbolträchtigsten Blumen. Bilderstrecke

          Dieses Aroma wurde schon im Altertum geschätzt, später kam die Pflanze aus Südeuropa und Kleinasien nach Nordwesteuropa. Den Burgfrauen des Mittelalters gefiel sie, galt sie doch als Zeichen dauernder Schönheit. In der Dichtung wurde sie als Symbol heiteren, befriedeten Daseins gefeiert. Ihre goldene Zeit erlebte sie im 18. Jahrhundert, kein Revers, kein Bukett, kein Ball ohne ihre intensiv duftenden Blüten. Obwohl die Einjährige nicht kapriziös ist und es neue gefüllte Sorten gibt – in kaum einem Garten blüht dieses Geschöpf noch. Ein Jammer, zumal ihr Duft abends besonders intensiv ist.

          Die Sterndolde feiert ein fulminantes Comeback

          Endlich wieder modern – ein dämliches Etikett – ist die Akelei (Aquilegia vulgaris). Diese grazile Pflanze von „elfengleicher Eleganz“, wie es in dem sehr empfehlenswerten Buch „Alte Pflanzenschätze“ von Dieter Gaißmayer und Frank M. von Berger heißt, bereichert jeden Frühlingsgarten. Einst als Heilpflanze im mittelalterlichen Klostergarten geschätzt, von Mystikern wegen ihres Pentagramm-Grundrisses in der Blüte verehrt, wurde sie im 16. Jahrhundert als Zeichen der Erlösung auf zahlreichen Gemälden abgebildet. Später schaffte sie dank ihrer fragilen Blüte mit den markanten Spornen den Sprung in die Bauerngärten. Von Mitte des 19. Jahrhunderts an war die Akelei, ob in kraftvollen oder pastelligen Tönen, unverzichtbar. Zu den elegantesten Sorten zählt bis heute die reinweiße ’Munstead Wood‘, benannt nach dem Wohnsitz samt legendärem Garten von Gertrud Jekyll, Englands berühmter Gartengestalterin. Inzwischen wird die Akelei, die schöne Schlampe versamt sich mit rasanter Geschwindigkeit selbst, in vielen Sorten gezüchtet, gefüllt, zweifarbig, in dunkelstem Purpurrot.

          Seit die Sterndolde (Astrantia major) vor rund 20 Jahren auf der Londoner Chelsea Flower Show gleich von mehreren Designern als eleganter Akzent in die Showgärten gesetzt wurde, feiert sie ein fulminantes Comeback. Kein Wunder, sie bezaubert mit Dolden, die aus halbkugelförmigen Körbchen mit winzigen Blüten bestehen.

          So hauchfein wie die Blüten sind die subtilen Farben, zartes Grün-weiß oder verwaschenes Rosa. Wohl schon seit dem 16. Jahrhundert ist die einstige Wildstaude in Europas Gärten präsent, wurde im berühmten „Hortus Eystettensis“ 1613 abgebildet. Mittlerweile gibt es auch Zuchtsorten in kräftigeren Farben, aber die edelste ist die erwähnte Urform.

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