https://www.faz.net/-gqe-88usg

Garagen mal ganz anders : Schuppen mit Lochmuster

Auch eine Variante: als Empfangsraum in ländlicher Kulisse. Bild: Christian Burmester

Abstellräume und Garagen sind selten schön. Im besten Fall stören sie das Bild nicht weiter. Ein kleiner Pavillon nahe Bremen zeigt, dass sich eine liebevolle Gestaltung durchaus lohnen kann.

          2 Min.

          In deutschen Ohren klingen französische Begriffe stets fein. Die banalsten Dinge umweht im Französischen sofort ein Hauch von Noblesse. Schuppen zum Beispiel oder Abstellraum. Mal ehrlich. Das klingt schon ganz schön gerümpelig. Und so sehen solche Gebäude ja meist auch aus. Ein Blickfang? Von wegen! Eher zum Weggucken. Wie anders tönt dagegen Remise. Schmuck und durchaus herrschaftlich. Dabei bezeichnet der Begriff ganz schnöde auch nur ein Wirtschaftsgebäude, das in der Regel an der rückwärtigen Grundstücksgrenze für Fahrzeuge oder Geräte errichtet wurde, wie Wikipedia den Unkundigen belehrt.

          Birgit Ochs
          (bir.), Wirtschaft, Wohnen

          Genau so ein Gebäude haben Wirth Architekten entworfen. Rund 50 Kilometer südlich von Bremen ergänzt der Bau seit kurzem ein gut 100 Jahre altes Bauernhofensemble, wie es für diese Region und die damalige Zeit typisch ist: Hallenhäuser und langgestreckte ehemalige Schweineställe aus rotem Ziegel formieren sich zum Hofgut. Bewirtschaftet wird es nicht mehr, sondern als Landsitz genutzt. Den Bewohnern fehlten ein Abstellraum und eine Garage. Anderswo auf dem Grundstück wäre ein Neubau im Weg gewesen, hätte die Blickachsen zum Garten hin gestört. Auf der Ecke zur Straße hin aber war Platz für eine etwas mehr als 40 Quadratmeter große Remise.

          Die macht ihrem Namen alle Ehre. Nicht nur, weil sie das Hofensemble vortrefflich ergänzt. Sowohl was den Maßstab als auch die Materialwahl angeht, knüpft der Entwurf der Architekten, ein Brüderpaar aus Bremen, an die bestehenden Bauten an. Für das Bauwerk verwendeten sie Ziegel, die von einer nahe gelegenen Brandruine stammen. Das Holz der Tore lieferte eine Eiche, die 15 Jahre zuvor vom Blitz getroffen wurde und seitdem tot auf der nahen Wiese stand. Als sie bei einem Sturm umstürzte, wurde sie im nahe gelegenen Sägewerk zu breiten Bohlen verarbeitet, erzählt Benjamin Wirth.

          Der Neubau ist das Erste, was der über die Landstraße Anreisende von dem Hofgut sieht. Aus der Ferne ist nur ein geschlossener Kubus erkennbar. Doch je näher man kommt, desto mehr fällt das Lochmuster auf, das die Fassade ziert. Das hat fast etwas von einem Sakralbau - und die raumhohen Holztore verstärken diese Assoziation noch.

          Auf die Idee mit dem Lochmuster kamen die Wirths, weil sie nach einer Lösung suchten, Licht in den Raum zu bringen, große Fenster aber vermeiden wollten. „Fenster wären zu aufwendig gewesen“, sagt Benjamin Wirth - erstens was die Kosten angeht, zweitens weil sie Pflege bedürfen. Da der Pavillon nicht zu Wohnzwecken genutzt wird, braucht er keine Isolierung. Im Winter dient er zum Lagern und Bearbeiten von Brennholz, beherbergt den Traktor und Autos. Da ihn die Besitzer im Sommer aber als Gartenloggia für Empfänge und Gartenfeste nutzen, muss er gut aussehen. Tatsächlich ist das mit ziemlich einfachen Mitteln gelungen. Für zusätzliches Licht sorgen Leuchten, die in den golden angemalten Aussparungen der Betondecke sitzen. Kosten des Baus: 60.000 Euro.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Die Zukunft der Globalisierung

          Gedenken an Herbert Giersch : Die Zukunft der Globalisierung

          Die Corona-Pandemie beendet die Globalisierung nicht. Doch sie wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Eindrücke vom Symposium anlässlich des 100. Geburtstags von Herbert Giersch.

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.