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Fusion der Wohnungskonzerne : Müssen Mieter jetzt bangen?

Ein Objekt der Deutsche Wohnen AG im Osten Frankfurts Bild: dpa

Eine Fusion soll den größten Vermietungskonzern der Republik schaffen. Was bedeutet das für die Mieter? Vielleicht ändert sich gar nicht so viel.

          1 Min.

          Der schon jetzt klar führende deutsche Wohnungskonzern greift jetzt nach dem Branchenzweiten Deutsche Wohnen. Falls das gelingt, entsteht ein neuer Gigant mit 490.000 Wohnungen. Müssen sich die Miete Sorgen machen, dass ein immer mächtiger werdender Vermieter ihre Wohnungen unbezahlbar macht?

          Michael Psotta
          (pso.), Wirtschaft

          Rolf Buch, der Vorstandsvorsitzende von Vonovia, beschwichtigt: Aktionäre und Mieter würden gleichermaßen von dem Zusammenschluss profitieren, äußerte er in einer Mitteilung. „Bei Vonovia steht der Mieter und seine Zufriedenheit mit attraktivem, kostengünstigem Wohnraum im Zentrum unseres Handelns.“

          Das klingt erst einmal nach Eigentümer-Prosa  zur Beschwichtigung von Mietern und Mieterverbänden. Tatsächlich hat Vonovia in seiner Unternehmensgeschichte auch Kapitel stehen, die nicht von bester Behandlung künden. Das liegt daran, dass der Konzern für einige Jahre unter der Regie angelsächsischer Finanzinvestoren weniger an seine Mieter und mehr an die kurzfristigen Gewinnchancen dachte – mit der Folge, dass der Sanierungsstand der Wohnungen nicht im Vordergrund stand.

          Das hat sich zumindest tendenziell geändert: Inzwischen sind eher längerfristig orientierte Aktionäre – etwa Versicherungen oder Pensionskassen – am Ruder, die an gleichmäßigen Mittelzuflüssen auf Dauer interessiert sind. Und damit an zufriedenen Mietern.

          Von Einkaufsmacht könnten auch die Mieter profitieren

          Zu bedenken ist auch, dass selbst ein fusionierter Konzern nur begrenzte Marktmacht hätte: Von den gut 20 Millionen Mietwohnungen in Deutschland würde er nur gut 2 Prozent besitzen. Gleichwohl wird er an regionalen Schwerpunkten neue Marktmacht entwickeln können. Die muss aber nicht unbedingt zulasten der Mieter gehen: Vonovia wäre zum Beispiel in einer besseren Verhandlungsposition mit Anbietern von Fenstern, Heizungen und anderen Bauteilen, die sich sogar in günstigeren Mieten auswirken kann. Außerdem lassen sich bessere Konditionen mit Dienstleistern wie zum Beispiel Hausmeistern vereinbaren. Ähnliches gilt für den Bezug von Energie.

          Die Beispiele zeigen, dass Größenvorteile durchaus zu erreichen sind, wenn es zu Übernahmen auf dem Wohnungsmarkt kommt. Fraglich ist, wer davon profitiert – der Konzern mit seinen Aktionären oder die Mieter. Vonovia hat zumindest angekündigt, dass beide Seiten davon etwas haben sollen. Daran muss sich der Konzern also künftig messen lassen.

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