https://www.faz.net/-gqe-8br03

Immobilienkauf : Die große Jagd auf Forsthäuser

  • -Aktualisiert am

Waidmanns Traum: die passende Immobilie für Freunde der Jagd Bild: ddp Images

Immer mehr Großstädter entdecken den Jäger in sich - und suchen die passende Immobilie im Grünen. Doch auch ohne Umzug lässt sich zu Hause zum Halali blasen.

          Ohne einen kapitalen Zwölfender an der Wand kommt heute kaum noch ein Wohnzimmer aus. Zumindest ein Hirsch auf dem Sofakissen darf es schon sein und dazu noch ein Tierfell für den Sessel oder als Fußschmeichler vor der Couch. Schnell noch ein paar Holzscheite drapiert und ein paar Fotos mit Bäumen oder Wildgetier aufgehängt - und schon glaubt jeder Besucher, er stehe im Wald und sei zu Gast beim Oberförster persönlich. Die große Forsthausromantik hat offenbar viele von uns befallen. Und nicht nur Inneneinrichter, sondern auch Immobilienmakler merken: Zum Walde drängt’s grad viele.

          New Country Style nennen Einrichter den Look, bei dem die Jagdtrophäe ihre Rückkehr in die gute Stube feiert. Auf Interneteinrichtungsportalen wie Roomido führt das Hirschgeweih unangefochten die Liste der Deko-Trends an, ob nun aus Horn oder Plastik, als Wandbehang über Bett oder Couch oder als Kronleuchter oder Wandlampe. Und selbst bei der diesjährigen internationalen Möbelmesse in Köln galten Tapeten mit Rehkitzmuster und zusammensteckbare Fake-Geweihe als Trend der Saison. Auch die Einrichtungsläden in Großstädten strotzen - zumal im Winter - nur so vor Utensilien wie Hirschkissen oder Tischdecken mit Jagdszenen. In Wohnzeitschriften lernt man, wie man das alles am besten kombiniert.

          Ohne Hirschgeweih geht es offenbar nicht

          Viele von uns holen sich so die längst vergessene Natur ins Haus. Damit nicht genug: Seit ein paar Jahren machen immer mehr Städter den Jagdschein und hocken sich am Wochenende auf den Hochsitz, um dem Förster unter die Arme zu greifen und selbst ein paar Rehe zu erlegen. Inzwischen haben 370 000 Jäger die Lizenz zum Wildtöten, so viele wie noch nie und rund 50 000 mehr als noch 1990. Vor allem Manager in den Ballungsräumen wie dem Rheinischen, um Frankfurt, München und Berlin haben das Jagen als sportliches neues Hobby entdeckt, sagen Szenekenner. Früher spielte man Golf, heute trifft man sich auf dem Hochsitz, denn: „Das entspannt so ungemein vom Alltagsstress.“ Und dieses Gefühl wollen viele auch gleich mit nach Hause nehmen und hängen deshalb stolz wieder das Geweih der eigenen Beute an die Wand.

          Wen das Jagdfieber so richtig ergriffen hat, der begnügt sich aber nicht bloß mit ein paar Deko-Geweihen, sondern sucht eine ganz andere Trophäe: ein Jagdhaus mit Revier. Ein solcher Wunsch führt zu Maklern wie Christoph Freiherr Schenck zu Schweinsberg, der beim Immobilienanbieter Engel & Völkers die Sparte „Schlösser und Herrenhäuser“ leitet: „Das Thema Jagd beflügelt den Immobilienmarkt gerade ungemein“, sagt er: „Wir haben historische Höchstpreise erreicht, und die Nachfrage nach Jagd- und Forsthäusern ist enorm.“ Besonders gefragt seien Häuser in gutem Zustand, mit großem Grund und möglichst mit Eigenjagd, Wasserrecht und Wald. Wenn er ein Grundstück mit Jagdrecht in die Vermarktung bekomme, dann dauere es oft nur zwei, maximal vier Wochen, bis es verkauft sei. Wenn auf dem Stück Wald noch ein Jagdhaus steht, geht es fast noch schneller.

          Weitere Themen

          „Epochale Zerstörung“

          Waldsterben : „Epochale Zerstörung“

          Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt setzt sich weltweit für den Naturschutz ein. Die Waldbrände in Südamerika sorgen für Entsetzen. Aber auch in Deutschland ist die Lage ernst.

          Topmeldungen

           Ein Flugzeug von Thomas Cook steht auf dem Rollfeld des Flughafens von Manchester.

          Sanierung gescheitert : Thomas Cook ist pleite

          In der Nacht wurde das Aus besiegelt: Der älteste Reisekonzern der Welt steht vor der Zwangsliquidation. Das betrifft auch Zehntausende deutsche Urlauber. Condor-Maschinen sollen zunächst weiter fliegen.

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.