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Förderpolitik : Der Bund entdeckt die Gewerbeimmobilie

  • -Aktualisiert am

Büro- und Gewerbeimmobilien rücken in den Fokus der Bundesregierung Bild: AP

Aus der Wohnungspolitik hat sich der Bund verabschiedet. Jetzt will er das Defizit an Daten und amtlicher Statistik über Gewerbeimmobilien beseitigen. Außerdem will er einen regelmäßigen Dialog mit den führenden Vertretern der Branche.

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          Das Schicksal der Wohnungsmärkte hat über Generationen hinweg eine sehr viel höhere Aufmerksamkeit auf sich gezogen als das der Gewerbeimmobilien wie Büros, Ladenflächen und Versorgungseinrichtungen wie Krankenhäuser, Hotels oder Logistikeinrichtungen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum war als Teil der Sozialpolitik in hohem Maße im Fokus der Politik.

          Das haben die Schlagzeilen über große Portfoliotransaktionen mit Wohnimmobilien und Wohnungsgesellschaften der vergangenen Jahre abermals deutlich gemacht. Wenn es ums Wohnen geht, werden schnell Emotionen frei. Jetzt aber wollen der Bund und seine Institutionen den Blick zum ersten Mal verstärkt auf Gewerbeimmobilien werfen. Im Gegensatz zu den Wohnungsmärkten bestehen hier gravierende Defizite an öffentlich zugänglichen Daten und amtlicher Statistik.

          Berlin will einen ständigen Dialog mit der Branche

          Aus diesem Grund hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das Bundesamt für Bau und Raumordnung (BBR) beauftragt, Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Dialog mit maßgeblichen Vertretern der Branche zu schaffen. So wird jetzt ein erster Bericht über die gewerblichen Immobilienmärkte vorgelegt, der in Zusammenarbeit mit der Forschungsgesellschaft Empirica entstanden ist. Außerdem soll ein kontinuierliches Monitoring mit mehreren Bausteinen entstehen.

          Als erster Schritt ist eine Expertenbefragung im Halbjahresrhythmus vorgesehen, die insbesondere konjunkturelle und regionale Aspekte in den unterschiedlichen Segmenten des gewerblichen Immobilienmarktes anspricht. Die Befragung für einen solchen Geschäftsklimaindex ist als Onlinepanel angelegt und soll am 7. Dezember gestartet werden. Der Mangel an Beobachtungsinstrumenten soll schrittweise abgebaut werden.

          Gewerbeimmobilien werden interessante Märkte

          Interessant werden diese Märkte für die Politik, weil in kurzer Zeit hohe Milliardenbeträge über Grenzen hinweg investiert werden und sich eine in der Immobilienwelt bisher unbekannte Internationalisierung und Liberalisierung abzeichnet, mit einer hohen Wettbewerbsintensität für Immobilieninvestments und Immobilienbewirtschaftungssysteme.

          Außerdem zeichnet sich eine zunehmende Kapitalmarktorientierung der Immobilienportfolien ab, mit Chancen-Risiken-Profilen und der Beachtung zeitversetzter Zyklen der einzelnen Märkte. Zusätzlich heizen Wechselkurseffekte, Möglichkeiten der Steueroptimierung und zum Teil auch spezifische Schwächen des Zielmarktes die Internationalisierung an.

          Hohe Eigentumsquote in Deutschland

          Hinzu kommt die hohe Eigentumsquote für gewerbliche Immobilien in Deutschland. Fast drei Viertel der Nutzer besitzen ihre eigene Immobilie, während die Eigentumsquote der Unternehmen in Euro bei 30 Prozent und in den Vereinigten Staaten bei allenfalls 25 Prozent liegt. Für den freien Kapitalverkehr aber haben Marktdaten zunehmend Infrastrukturcharakter, heißt es in der BBR-Studie. Schlechte Verfügbarkeit sei ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Zwar gibt es mittlerweile eine Fülle von Daten über die Gewerbeimmobilienmärkte. Doch erweise sich deren Belastbarkeit aufgrund der lückenhaft Erhebungsmethoden als schwierig.

          Aber auch bei den öffentlichen kommunalen Berichterstattungen gebe es trotz vielfältiger Bemühungen um einheitliche Standards keine vergleichbare Informationsgrundlage. Immerhin sind im vergangenen Jahr annähernd 50 Milliarden Euro auf deutsche Gewerbeimmobilienmärkte geflossen, 140 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

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