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Floristik : Sie sprengen alle Regeln der Bindekunst

  • -Aktualisiert am

Ein Bouquet von Marsano Bild: Quynh Tran

Blumenbouquets sind im Interior Design momentan ein Muss. Unsere Autorin hat fünf Berliner Läden und Studios besucht, die mit ihren Arrangements für den Trend zum Unkonventionellen stehen.

          5 Min.

          Maggie Coker in ihrem Laden „Flowertalk“

          Flowertalk

          Eigentlich hat Maggie Coker Politik- und Umweltwissenschaften studiert, aber anschließend in London an Theaterprojekten mitgewirkt. Als sie vor mehr als zehn Jahren nach Berlin zog, eröffnete sie einen Vintage Store mit Café und kam damit wieder zum Thema Nachhaltigkeit. Konsequenterweise wurde ihr Laden statt mit frischen Pflanzen mit Trockenblumen geschmückt, die sie von 2014 an – lange bevor der Trend anfing – auch als Arrangements anbot. „Blumen sind ein Luxusgut, das verdammt viele Ressourcen verbraucht. Das ganze Wasser, der Dünger und die Pestizide für den Anbau, der Transport, die Lagerung und nicht zuletzt die harte Arbeit der Menschen dahinter, meist in Niedriglohnländern – das alles für eine Woche Spaß“, erklärt sie ihren Ansatz. Deswegen müsse man die Nachhaltigkeitsdebatte auch in der Blumen- und Pflanzenindustrie stärker forcieren. Frische Blumen gönnt sie sich trotzdem manchmal, aber nur solche, die sich trocknen lassen und dann umso länger Freude bereiten. Besonders gut geht das, am besten kopfüber gehängt, mit Hortensien, Rosen, Pfingstrosen und Rittersporn, aber auch mit Getreidegräsern, Flachs, Mondviolen und Spargelzweigen. Coker experimentiert zudem mit Blumen wie Lilien und Tulpen, die zwar nicht formtreu trocknen, aber sich in ganz ungewöhnliche Gebilde wandeln und auch im Trockenstrauß etwas hermachen. Der altbekannte Trick, die Blumen mit Haarspray zu konservieren, soll tatsächlich funktionieren. Und wenn sie die Farbe verlieren, kann mit ganz natürlichen Farbstoffen wie ausgekochter Avocadoschale für Rosa nachgeholfen werden. Coker, die mittlerweile ergotherapeutisch mit Blumen- und Aroma-Workshops arbeitet, sagt, dass es eine heilende Wirkung habe, mit Blumen zu arbeiten, sie zu riechen und zu berühren. Umso mehr Grund, selbst Hand anzulegen.

          Rebecca Ilse (links) und Alina Schmid mit Blumen-Arrangements ihres Kreativstudios Forget Me Not

          Forget Me Not

          Vergissmeinnicht ist bei Rebecca Ilse und Alina Schmid wortwörtlich zu verstehen, denn es gibt immer einen Teil in ihren Bouquets, der als konserviertes Element bleibt. Bouquet wiederum muss man nicht ganz wörtlich nehmen, denn das Duo denkt über den eigentlichen Strauß hinaus. Schmid war zuvor bei „I Love You Magazine“ und der Agentur The Garbs für die Artdirektion zuständig, Ilse ist als Modedesignerin zuletzt in das Set-Design für Veranstaltungen gegangen und hat immer häufiger aufwendige Blumeninstallationen für ihre Kunden gemacht. Als durch den Lockdown im Frühjahr ihre Aufträge von einem Tag auf den anderen ausfielen, entschloss sie sich gemeinsam mit ihrer Partnerin, das zu tun, was ihr am meisten Spaß macht: Blumen zu stecken, und zwar mit ihrem eigenen floralen Kreativstudio. Als Autodidakten nehmen die beiden die Erfahrungen aus ihren früheren Karrieren mit: Erst wird ein konzeptioneller Rahmen geschaffen, und innerhalb dieses Rahmens werden die Blumen definiert, wie zuletzt für eine Geschenkbox eines französischen Modehauses. Die Experimente mit Materialien und kontrastierenden Farben, die Ilse aus ihrer Design-Tätigkeit kennt, führt sie auch hier fort. Mal werden die Blumen getrocknet, mal in Silikonmasse eingegossen, mal lackiert, mal mit Farbe besprüht. Steckt man die Blumen an Gegenstände statt in die Vase, halten sie sich mehrere Tage, wenn man sie regelmäßig mit Wasser besprüht. In ihrem Sommerarrangement, das den Rahmen des klassischen Gestecks sprengt, kombinieren die beiden Designerinnen üppig neongelbe Statice, die ihre Farbe über die Zeit ändert, mit schwarzen Calla-Blüten, einem metalliclila gefärbten, getrockneten Palmwedel und einer Artischocke. Diese neu erblühte Opulenz vergisst man nicht so schnell.

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