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Älteste Fertighausausstellung : Häuser zum Ausprobieren

  • -Aktualisiert am

Eindrücke sammeln: Deutschlands älteste Fertighausausstellung in Fellbach Bild: Eigenheim & Garten Betriebsgesellschaft mbH

Wer noch keine genaueren Vorstellungen von seinem Eigenheim hat, kann sich in einer Fertighausausstellung orientieren. Deren Besucher werden immer jünger.

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          Ein junges Paar schiebt langsam den Kinderwagen mit seinem Sprössling. Es geht nicht spazieren, sondern ist in der Ausstellung Eigenheim und Garten in Fellbach bei Stuttgart unterwegs - in Deutschlands ältester Fertighausausstellung. Entlang sauber angelegter Vorgärten und Wege und vorbei an den akkurat geputzten Fenstern haben die jungen Leute die Qual der Wahl. Sie wollen bauen und überlegen, ob sie dabei auf ein Fertighaus setzen. In einem der Musterhäuser ist gerade ein Daimler-Mitarbeiter mit seiner Frau im Gespräch mit einem Verkaufsberater.

          „Wir sammeln erst einmal Eindrücke“, sagt der Mann, der mit seiner Partnerin noch ganz am Anfang der Planungen steht. Das Paar ist gerade auf der Suche nach einem Bauplatz im Großraum Stuttgart. Beide haben noch keine genaueren Vorstellungen, wie viel Quadratmeter Wohnfläche sie einmal bewohnen wollen und welchen Haustyp sie bevorzugen. Die 1971 eröffnete Ausstellung liegt etwas abseits und versteckt in einen Industriegebiet am Rande der Kommune. Auf 40.000 Quadratmetern bieten 53 Hersteller ihre Häuser an, wie eine Sprecherin der Ausstellung berichtet.

          Pro Jahr schauen mehr als 70.000 Besucher vorbei. „Rund 42 Prozent wollen davon in den nächsten zwei Jahren bauen“, sagt die Sprecherin. Alle sechs bis acht Jahre würden die Hersteller ein Gebäude ersetzen. Sie haben die Fläche vom Betreiber gepachtet. Für die Unternehmen eine nicht ganz billige Angelegenheit. Zwar werden die Modellhäuser zum Selbstkostenpreis aufgestellt. Sie sind aber komplett mit Bad, Küche und Wohnmöbeln ausgestattet. Und gelegentlich ist innen oder außen ein neuer Anstrich notwendig.

          Das Angebot in Fellbach reicht vom Fertighaus für 200.000 Euro bis hin zum vernetzten Eigenheim - das Smart Home für 650.000 Euro mit der entsprechenden Haustechnik, damit Heizung oder die Rolladensteuerung bequem per Tablet-PC oder Mobiltelefon geregelt oder an- und ausgeschaltet werden können.

          In Deutschland gibt es insgesamt 17 Musterhausausstellungen, wie Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau berichtet. Der Verband selbst betreibt vier eigene Ausstellungen - in Hannover, Wuppertal, bei Erlangen und bei Köln. Dort sind jeweils maximal 24 Häuser der verschiedenen Hersteller ausgestellt. Aus Kundenbefragungen geht hervor, dass 80 Prozent der Besucher eine Anfahrt von bis zu einer Stunde auf sich nehmen. Der Leiter der Ausstellungen hat einen Trend in den vergangenen Jahren ausgemacht: Die Besucher der Anlagen werden jünger. Sie seien heute schon oftmals Anfang oder Mitte 20 Jahre alt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Heute befassen sich die Leute viel früher mit der Idee, ein Haus zu bauen. Und aktuell spiele gleichfalls das seit Jahren niedrige Zinsniveau eine weitere Rolle. Bauen ist dadurch billiger geworden, und die Leute haben heute in vielen Fällen auch schneller das notwendige Eigenkapital zusammen als in der Vergangenheit. Vor allem in Ballungsgebieten beklagen viele potentielle Bauherren immer wieder Schwierigkeiten, an das entsprechende Grundstück für ihre Immobilie zu kommen. Mancher Hersteller sei auch dabei behilflich, sagt Windscheif - sicherlich ein Wettbewerbsvorteil. Es dauert rund ein Jahr von der Entscheidung für ein Fertighaus bis zur Unterschrift unter dem Kaufvertrag. Und in dieser Phase sind die Ausstellungen ein wichtiger Orientierungspunkt. Bis der Käufer seine Traumimmobilie ausgewählt hat, ist er nach Angaben der Fachleute drei- bis viermal in einer Ausstellung gewesen. Heute wird bei der Auswahl eines entsprechenden Ausstellunggeländes vor allem darauf geachtet, dass es verkehrsgünstig liegt.

          Anderer Blickwinkel

          Im Laufe des Entscheidungsprozesses für ein Fertighaus schauen sich manche Kunden nach dem Besuch einer Ausstellung gleichfalls noch ein bewohntes Referenzhaus eines der Hersteller an. „Da bekommt man dann noch einmal einen anderen Blickwinkel“, sagt Windscheif. Manche schauten gleichfalls beim Aufbau zu. Der Branchenverband zählt aktuell 46 Mitglieder mit knapp 10.000 Beschäftigten. Die Unternehmen seien fast für ein Jahr ausgelastet. Zumeist sind es familiengeführte mittelständische Unternehmen, die die Häuser bauen. Viele haben als kleiner Schreinerbetrieb angefangen und dann nach und nach immer mehr Gewerke übernommen. 1,8 Milliarden Euro setzte die Branche im vergangenen Jahr um. Bundesweit hat der Marktanteil der Hersteller im ersten Halbjahr bei den Ein- und Zweifamilienhäuser bei 16,5 Prozent gelegen. Den traditionell höchsten Anteil an Fertighäusern gibt es im Süden der Republik. In Baden-Württemberg beträgt er aktuell nach Verbandsangaben 28,6 Prozent, gefolgt von Hessen und Rheinland-Pfalz. Das liegt unter anderem daran, dass in diesen Ländern Holz als Baustoff aufgrund des vorhandenen Waldes seit jeher beliebt ist.

          Die Macher der Ausstellung in Fellbach haben auch einen Ableger in der Schweiz: In Suhr im Kanton Aargau steht die einzige Hausausstellung der Eidgenossen mit 16 Häusern. Dort sei der Markt viel kleiner als in Deutschland, sagt die Sprecherin. Ein Grund dafür: Dort sei das Bauland noch rarer als in Deutschland.

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