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Immobilien auf Mallorca : Ferienhäuser sind nur für Liebhaber

  • -Aktualisiert am

Mit Hang zum Luxus: Die Gegend von Port d´Andratx zählt zu den teuersten Lagen Mallorcas. Bild: Peter Woeckel

Mallorca gilt als Trauminsel der Deutschen - und manch einer träumt von der eigenen Immobilie. Der Zeitpunkt ist nicht schlecht, doch Käufer sollten genau hinsehen.

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          Ja, es gibt sie die Erfolgsgeschichten auf dem Immobilienmarkt Mallorcas. Wie die eines Schweizer Bauunternehmers. In den achtziger Jahren ließ er sich auf dem Rückweg zum Flughafen ein Hanggrundstück über dem Hafen von Andratx andrehen. Umgerechnet 10 000 Euro hat er damals dafür gezahlt, wollte und brauchte es nie. Jetzt hat er sich davon getrennt. Mit so hohem Gewinn, dass er die Details lieber verschweigt.

          Oder die, die Hans Lenz erzählt, Managing Director Mallorca Southwest bei Engel & Völkers, einer der großen deutschen Immobilienmakler auf der Baleareninsel. Allein für das erste Quartal 2014, vermeldet sein Unternehmen ein Umsatzplus von 63 Prozent. Und 2013 war ein Rekordjahr, 70 Prozent betrug das Plus im Vergleich zu 2012. Neben deutschen Käufern, sagt Lenz, interessieren sich zunehmend auch skandinavische, britische und russische Kunden.

          Der Makler steht auf der Terrasse einer Luxusvilla in Montport, ebenfalls hoch über dem beliebten Ferienort Port Andratx gelegen. Fast 700 Quadratmeter Wohnfläche hat das Anwesen, das er heute an den Mann bringen möchte. 1850 Quadratmeter Grund, Schwimmbad, privater Weinkeller und eine Badewanne mit Blick direkt auf den Hafen. Kaufpreis 9,6 Millionen.

          Das Angebot ist verknappt

          Schlange stehen die Käufer nicht, aber Lenz zweifelt nicht, dass der Neubau noch im Sommer bezogen wird. In den letzten Jahren stark verschärfte Bauvorschriften und die Tatsache, dass mittlerweile 40 Prozent der Insel unter Naturschutz stehen haben das Angebot an Top-Immobilien in Top-Lagen verknappt.

          Es gibt aber auch die anderen Geschichten - wie die eines bayerischen Rentners. Im Billigflieger von Palma de Mallorca nach München klagt er seinem Sitznachbarn sein Leid. Vor gut zehn Jahren hat er sich für fast 250 000 Euro eine kleine Eigentumswohnung in einer neugebauten Wohnanlage gekauft. Jetzt versucht er seit Monaten sie wieder loszuwerden. 150 000 Euro, so das letzte Gebot - und auch das sei noch mit vielen „Wenn und Abers“ behaftet. „Zum Heulen“, findet er. Sein Rat, „kaufen Sie bloß nichts auf Mallorca, der Markt ist hin.“

          Welche Geschichte stimmt nun? Welche bildet die Realität von heute am besten ab. Peter Schöllhorn von der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien e.V. stutzt einen Moment. „Irgendwie beide“, sagt er dann. Um etwa 25 bis 30 Prozent sind die Preise spanischer Immobilien seit Beginn der Immobilienkrise 2007/2008 gefallen. Und das, so der Experte, gelte auch für Mallorca - und tendenziell auch für Ferienimmobilien.

          Nicht Häuser - Emotionen und Lebensgefühl

          Dennoch, so seine Einschätzung, gäbe es, vor allem im hochpreisigen Segment, Gegenden und Objekte, bei denen Mangel die Preise treibt. In diesem Markt werden nicht Häuser verkauft, sondern Emotionen und Lebensgefühl. Wer in dieser Preisklasse zuschlägt, kauft keine Ferienwohnung, sondern eine komplett eingerichtete und durchgestylte Villa, bleibt ein paar Jahre und zieht weiter in andere angesagte Gegenden. Lenz kennt Kunden, die kommen nur mit einem Koffer und ziehen ein paar Jahre später mit einem Koffer wieder aus.

          Aber auch auf Mallorca, betont Schöllhorn, gibt es noch den normalen Immobilienmarkt, der dem auf dem Festland weitgehend ähnelt - und der, davon ist er überzeugt, hat die Krise noch nicht vollkommen überwunden. Das heißt jedoch nicht, dass Schöllhorn vom Kauf abrät. „Keineswegs!“ Ferienimmobilien, sagt er, sollte ohnehin nur kaufen, wer sie sich leisten will. „Als Objekte zur Renditesteigerung sind sie fast immer ungeeignet.“

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