https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wohnen/energieeinsparungsgesetz-effizienz-kostet-bauherren-milliarden-11918642.html

Energieeinsparungsgesetz : Effizienz kostet Bauherren Milliarden

  • -Aktualisiert am
Wo Wärme weicht: Eine Thermoaufnahme zeigt die Schwachstellen eines Hauses – künftig sollen sie noch teurer werden
          2 Min.

          Weil die Bundesregierung den Energieverbrauch für Neubauten drastisch senken will, müssen sich Bauherren auf zusätzliche Kosten einstellen. Nach der seit Montag in der Bundesregierung beratenen Novelle des Energieeinsparungsgesetzes und der dazugehörigen Verordnung belaufen sich die ab 2014 anfallenden zusätzlichen Kosten auf rund 1,2 Milliarden Euro im Jahr. Als Folge einer weiteren Verschärfung der Vorgaben im Jahre 2016 würde sich der Betrag verdoppeln und auf dann knapp 2,5 Milliarden Euro steigen. Allerdings wird in dem der F.A.Z. vorliegenden Entwurf darauf hingewiesen, dass den Zusatzkosten hohe Einsparungen bei den Kosten für Strom, Gas und Heizung gegenüberstünden. Bestandsgebäude sind von den Plänen nicht betroffen. Das Kabinett soll der Novelle Anfang 2013 zustimmen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Gesetz und Verordnung, die vom Wirtschafts- und Bauministerium vorgelegt wurden, sollen eine Richtlinie der EU umsetzen. Ziele sind auch eine geringere Importabhängigkeit von Gas und Öl sowie eine größere Versorgungssicherheit. Im Kern geht es um schärfere Effizienzstandards für Neubauten. Hier sollen die zuletzt 2009 um 30 Prozent verschärften Mindestanforderungen an den Energieverbrauch in zwei Schritten - 2014 und 2016 - um je 12,5 Prozent erhöht werden.

          Die Nutzung erneuerbarer Energien keine Pflicht

          Jeder Schritt löst Kostensteigerungen aus. Die werden in der Vorlage für private Bauherren auf 1,7 Prozent je Verschärfungsrunde oder bundesweit auf 234 Millionen Euro geschätzt. Mit jährlich knapp 900 Millionen Euro Mehrkosten würden die Wohnungswirtschaft (536 Millionen Euro) sowie Gewerbe (bis zu 360 Millionen Euro) den Löwenanteil tragen. Bund und Länder müssten sich auf Zusatzkosten bis zu 70 Millionen Euro einstellen.

          Die Verschärfungen werden als „Schritte auf dem Weg zum Niedrigstenergiegebäude“ bezeichnet, das von 2021 an für Neubauten Standard werden soll. Bei staatlichen Gebäuden tritt die Pflicht schon zwei Jahre vorher ein. Allerdings bleibt Eigentümern überlassen, wie sie die Standards erreichen. Die Nutzung erneuerbarer Energien wird für Niedrigstenergiehäuser keine Pflicht. Auch sollen Ausnahmen vom Standard für Niedrigstenergiehäuser erlaubt werden, „wenn die Kosten-Nutzen-Analyse über die wirtschaftliche Lebensdauer des betreffenden Gebäudes negativ ausfällt“.

          Eigentümer bestehender Gebäude sind von der weiteren Verschärfung der Energiesparvorgaben ausgenommen. „Im Gebäudebestand wird wegen zu geringer Effekte bei der Primärenergieeinsparung von einer Verschärfung der energetischen Anforderungen an die Einzelbauteile abgesehen“, heißt es in dem Papier.

          „Energiepolizei“ zu den Akten gelegt

          Die 165 Seiten starke Verordnung sieht ferner neue Pflichten vor. So sollen in Immobilienanzeigen, vor allem bei Verkauf und Vermietung, künftig verlässliche Angaben über den Energieverbrauch gemacht werden. Verkäufer und Vermieter müssen die energetische Lage in einem Energieausweis dokumentieren.

          Im Wirtschaftsministerium äußert man sich zufrieden darüber, dass die Verschärfungen moderat ausgefallen seien und unter dem Primat der Wahrung des Gebotes der Wirtschaftlichkeit stünden. Auch bleibe die Technologieoffenheit und Wahlfreiheit der Eigentümer gewahrt. Eigentümern und Mietern würden auch keine Mehrkosten durch schärfere energetische Anforderungen aufgebürdet. Verzichtet worden sei auch auf neue Nachrüstungspflichten zu bestimmten Stichtagen. Eigentümer könnten selbst entscheiden, wann sie welche Sanierung vornähmen. Zudem werde neue Bürokratie möglichst vermieden. Die Heizungsanlage kontrolliere auch künftig der Schornsteinfeger.

          Das neue Recht will auch Ungereimtheiten bei der Ahndung von Verstößen gegen die Vorgaben bereinigen. So soll die Höchstgrenze für Verstöße bei der Überprüfung von Klimaanlagen von 50.000 auf 15.000 Euro reduziert werden, das Höchstmaß für Fehlverhalten beim Umgang mit Energieausweisen. Zu den Akten gelegt wurden auch Überlegungen für eine „Energiepolizei“. Energieausweiskontrolleure sollten nicht das Recht bekommen, eine Wohnung zu betreten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

          Ukrainekrieg : Selenskyj fordert Sanktionen gegen russische Atomindustrie

          Die Strafmaßnahmen müssten die Nuklearindustrie des russischen Aggressors treffen, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache. Jeder russische Soldat, der das AKW Saporischschja beschieße oder sich dort verschanze, werde zum Ziel ukrainischer Geheimagenten und der Armee.
          Anshu Jain war eine so leidenschaftliche wie umstrittene Führungsfigur.

          Zum Tode Anshu Jains : Ein Treiber und Getriebener

          Als Co-Vorstandsvorsitzender verkörperte Anshu Jain über viele Jahre das Investmentbanking einer Deutschen Bank, die mit den amerikanischen Riesen der Branche wetteifern wollte. Nun ist er mit 59 Jahren gestorben.
          Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping im November 2021.

          China und Amerika : Ist ein Krieg noch zu vermeiden?

          Ob und wie sich der Wettkampf der Systeme kontrollieren lässt, wird öffentlich bislang kaum debattiert. Der Weckruf des ehemaligen australischen Premierministers Kevin Rudd ist angesichts der Taiwankrise aktuell wie nie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.