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Einrichten : Hemmungslos romantisch

Floral: Wenn es um romantische Dekors geht, dürfen Blumenmuster nicht fehlen. Bild: Mauritius Images

Romantisch wohnen, das scheidet die Geister. Dennoch ist dieser opulente Wohnstil gefragt. Schließlich ermöglicht er auch Städtern eine kleine Landflucht.

          3 Min.

          Wer Romantik liebt, der blickt auf die Insel und ihre malerischen Cottages. Wohnen in England, das sind dunkle Steinfliesen, lauschige Sprossenfenster, üppige Kissenlandschaften auf ausladenden Sofas und ein lodernder Kamin, bei dessen Anblick es einem ganz warm ums Herz wird. Diese Welt ist geblümt. Schon der Weg dorthin führt durch einen Rosenbogen, innen blüht es prächtig weiter, auf Stoffen, dem Teeservice und ganz real in bauchigen Keramikkrügen. Das halten viele für den Inbegriff gehobener Gemütlichkeit.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Unser Bild vom britischen Wohnstil ist geprägt von den Verfilmungen der Liebesromanautorin Rosamunde Pilcher. Deren Schmonzetten, bei denen der sympathische Single-Anwalt-Erbe in den vorletzten Szenen seine puppig-hübsche Traumfrau entert, sind ebenso vorherseh- wie austauschbar. Ein Hingucker der Quotenbringer sind die Landschaftsaufnahmen, Cornwalls Klippen und vor allem die gezeigten Landsitze, Herrenhäuser und Cottages, in denen die Herz-Schmerz-Geschichten spielen. Nicht wenige, durchaus dem intellektuellen Leben zugewandte Frauen geben nach dem dritten Prosecco zu, die Pilcher-Verfilmungen wegen dieser Kulissen anzuschauen.

          Dass diese Interieurs so viel mit dem britischen Durchschnittswohnstil zu tun haben, wie eine Hochhauswohnung in Bradford mit dem Traum vom schöner Wohnen, berührt die Zuschauerinnen herzlich wenig. Sie lassen sich inspirieren und kupfern die eine oder andere Idee ab. Was lässt sich vom putzigen Cottageflair retten in eine Drei-Zimmer-Durchschnittswohnung im Frankfurter Nordend oder in Erlangen-Nord?

          Zauberwort: Shabby Chic

          Zunächst einmal die Möbel. Alt müssen sie sein, eine Geschichte haben. Der barocke Sekretär und die Kirschholzkommode gehen richtig ins Geld. Also ausgewichen auf Weichholzmöbel. Die sind deutlich günstiger, stehen in einfachen Antiquitätenläden und auf Flohmärkten. Zwei, drei wirklich alte Möbelstücke sollten es schon sein, um sich gemütlich einzurichten.

          Dann kann die Möbelhauskette ins Spiel kommen. Diese Häuser setzen auf all das, was sich unter dem diffusen Stichwort Landhausstil verkaufen lässt. Sind die Landhausmöbel nicht Buche natur, sondern weiß gestrichen, dann langen die Romantikerinnen zu: Ein Kleiderschrank mit Omas ovalem Spiegel dazu eine verspielte Vitrine sprengen kein Budget. Wem das zu viel nach Fabrikfließbandproduktion und zu wenig nach Nostalgie aussieht, der hilft nach.

          Das Zauberwort lautet Shabby Chic und meint einen lässigen Stil, bei dem die Farbe abblättert. Ein Erklärungsmuster, weshalb Menschen ein fabrikneues Möbelstück mit Schmirgelpapier und Beize auf alt trimmen und für den schweißtreibenden Used Look manches Kopfschütteln ernten, scheint der Wunsch nach Individualität in einer sich rasant drehenden Welt: In den privaten vier Wänden soll es etwas Eigenes, etwas Einzigartiges sein. Die Kinder heute heißen ja auch nicht Michael und Julia, sondern Daniel-Pablo und Leandra-Sophie.

          Leidenschaftlich toben sich die Einrichterinnen bei Textilien aus

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