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Kolumne Hütten und Paläste : Hilfe, die Hausverwaltung geht!

Solche Altbauten gehören oft einer Wohnungseigentümergemeinschaft, auf die kommen nun zahlreiche neue Spielregeln zu. Bild: Picture Alliance

Kaum ist das neue Wohnungseigentumsgesetz da, schon streicht die erfahrene Verwalterin die Segel. Was nun?

          2 Min.

          Die Hausverwalterin geht. Das ist ein Schlag für die Wohnungseigentümergemeinschaften, kurz WEGs, in einem Frankfurter Altbauviertel. Ist man bisher nicht gut miteinander gefahren? Wieso, weshalb und warum der Abgang, ausgerechnet jetzt, da von der anstehenden Eigentümerversammlung an vieles anders werden wird? Denn mit dem neuen WEG-Gesetz ändern sich die Spielregeln. Mit denen müssen sich die meisten erst noch vertraut machen, der Lehrer genauso wie das Ärzteehepaar, der Kioskbetreiber und die städtische Angestellte. Spätestens auf der alljährlichen Pflichtversammlung wird sich manch einer noch wundern. Zum Beispiel, weil künftig schon eine einfache Mehrheit reicht, um ein Anliegen zu entscheiden. „Da kommt was auf uns zu“, orakelt der engagierte Rentner, und gesteht, noch längst nicht durchzublicken.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da kommt eine Infobroschüre wie die des Vereins Wohnen im Eigentums gerade recht. Doch, huch! Die Publikation heißt: „Das neue Wohnungseigentumsgesetz: XY aufgelöst“. Von einem „Verbraucherratgeber mit Fallbeispielen aus der Krimiwelt“ ist die Rede. Ja, geht es denn im neuen WEG-Recht um Lug und Trug? Vielleicht sogar Mord?

          Gut, Hausverwalter haben nicht den besten Ruf, weil es Fälle gibt, in denen der Dienstleister abtaucht oder gar mit der Kasse durchbrennt. Die Tagesordnung ist das nicht. Das sieht auch der Gesetzgeber so und hat den Spielraum der Verwalter etwas vergrößert.

          Der Ignorant, die Bedenkenträgerin, die Nervensäge

          Die Verwalterin, die nach mehr als zwanzig Jahren gesundheitsbedingt ihr Geschäft aufgibt, kümmert das nicht mehr. Sie hat in all der Zeit ohnehin souverän, manchmal unorthodox, aber meist flott und zur Zufriedenheit ihrer Klienten entschieden, was bei einem Wasserschaden im Keller oder in der Dachwohnung zu tun ist, von ihren Vorgängern verbummelte Sanierungen vorangetrieben und für ein eher moderates Honorar auch mal eine in Not geratene Eigentümergemeinschaft wieder handlungsfähig gemacht. Im kriminellen Milieu hat sie sich dabei nicht gewähnt, manch schweren Fall hatte sie dennoch zu lösen. Denn wer eine WEG betreut, trifft auf die immer gleichen Typen: die Informierte, den Ignoranten, die Bedenkenträgerin, den Verantwortungsvollen, den Querulanten und die Nervensäge. Wie verhalten sich diese Charaktere untereinander, wie der Hausverwaltung gegenüber, und was ist ihnen eigentlich eine gute Betreuung ihrer Immobilie wert? Die Verwalterin könnte darüber ein Buch schreiben. Ein Krimi wäre es nicht, aber auch nichts für schwache Nerven.

          Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt bereitet sie ein letztes Mal die Eigentümerversammlungen vor. Wie das mit einer neuen Verwaltung und dem neuen Gesetz wohl werden wird, fragen ihre Klienten. Die Verwalterin weiß nur eins sicher: Die Rolle der Miss Marple, die für ihre Kundschaft jeden noch so vertrackten Fall löst, muss ab jetzt ein anderer übernehmen.

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