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Die richtige Gestaltung des Schlafzimmers : Wie man sich bettet …

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Ein bequemes Bett und angenehmes Bettzeug sind der erste Schritt, doch auch auf das Drumherum kommt es an Bild: Caro

Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Das liegt auch daran, dass sie ihr Schlafzimmer nicht richtig gestalten, die falsche Lage oder Raumtemperatur wählen. Worauf es ankommt.

          Jahrelang litt Claudia, die auch jeden anderen Namen tragen könnte, unter Schlafstörungen. Abends fand sie nur schwer in den Schlaf, morgens wachte sie gerädert auf. „Ich habe immer gedacht, es liegt nur daran, dass ich im Job so viel Stress habe“, erzählt die Berlinerin. Aber dann riet ihr eine Freundin zu ganz einfachen räumlichen Veränderungen. „Und sofort ging es mir besser.“

          „Dabei“, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley, „haben Menschen wie Claudia, die zunächst Stress als Ursache vermuten, mit ihrer Grundeinschätzung nicht so unrecht.“ Schlafstörungen, so zeigen zahlreiche Studien, haben häufig psychologische Ursachen oder zumindest psychologische Komponenten. Öfter sogar als die Betroffenen selbst wahrhaben wollen. Statt sich mit dem eigenen Verhalten oder der Umgebung auseinanderzusetzen, das zeigt seine Erfahrung, wird beispielsweise nach organischen Ursachen gesucht.

          Tatsächlich jedoch liegen die Lösungen meist woanders. Es geht darum, eigene Erwartungshaltungen und Rituale zu hinterfragen und anzupassen. Es geht aber auch darum, genau hinzusehen: Wie wir schlafen, hat auch damit zu tun, wo wir schlafen - und womit wir uns umgeben.

          Überfrachtete Bücherregale können den Schlaf stören

          Dabei der erste Schritt: den Schlafraum überhaupt wieder in den Fokus zu rücken. Wer ein Haus baut oder eine Wohnung einrichtet, konzentriert sich in erster Linie auf den Wohnbereich. „Dabei“, erläutert Wohnpsychologin Barbara Perfahl, „hat auch das Schlafzimmer eine ganz wichtige Funktion als Rückzugs- und Regenerationsbereich.“ Damit es diese Aufgabe jedoch erfüllen kann, spielt die Gestaltung eine sehr wesentliche Rolle.

          Würden Sie hier gut schlafen?

          Erster Grundsatz: die Welt draußen lassen, wie Perfahl es formuliert. Was nichts anderes bedeutet als eine Abkehr vom Multifunktionszimmer. Auch wenn gerade dies in jüngerer Vergangenheit in Wohnzeitungen immer wieder propagiert wurde. Denn wer das Schlafzimmer gleichzeitig auch als Hobbyraum oder gar als Arbeitszimmer nutzt, hat es schwer, am Ende des Tages den Blick abzuwenden und abzuschalten. Wer die unvollendete Arbeit nicht übersehen kann, nimmt sie mit in den Schlaf.

          Stattdessen, so die Empfehlung, sollte das Schlafzimmer so reizarm wie möglich gestaltet sein. Nicht nur Handy, Computer oder Laptop müssen draußen bleiben - auch der Fernseher. Sogar offene und überfrachtete Bücherregale oder viele Bilder können den Schlaf stören. Stattdessen: Bett, geschlossene Schränke und nur Dinge, die der Schlafsuchende als angenehm empfindet.

          Dunkelheit und Ruhe sind relativ

          Selbst die Aufteilung des Raumes, erläutert Innenarchitektin Sophie Green, kann den Schlaf beeinflussen. Was allerdings aus ihrer Sicht nicht bedeutet, dass sich Einrichter an starre Regeln halten müssen, wie sie beispielsweise Fengshui vorschreibt. Diese können hilfreich sein, wenn jemand daran glaubt. Green rät jedoch, intuitiv an die Sache heranzugehen. Laut Fengshui soll das Bett nicht zwischen Tür und Fenster stehen. „Das leuchtet ein, schon weil es dann Zugluft geben könnte.“ Ob aber der Spiegel gegenüber dem Bett stört, ist dagegen wohl eher Geschmackssache. „Entscheidend ist einfach, dass sich der Schlafende wohl fühlt“.

          Die Größe eines Schlafraums spielt bei Schlafstörungen kaum eine Rolle. Zehn, zwölf Quadratmeter, darin sind sich alle Experten einig, reichen aus. Wesentlich wichtiger ist es, die äußeren Einflüsse zu regulieren. Licht, Lärm und auch zu wenig Luft beeinflussen unser Schlafverhalten - entsprechend kann man hier einiges falsch machen.

          Wer einmal eine Nacht auf der Hütte verbracht hat, veranschaulicht Expertin Green das Problem, weiß, worauf es ankommt: klare Luft, Dunkelheit und Ruhe. Wobei die letzten beiden Punkte keineswegs absolut zu sehen sind. Rauschen von der Straße im Hintergrund, so zeigen Studien, stört den Schlaf nicht. Die quietschende Straßenbahn alle 20 Minuten dagegen schon. Ebenso wie gedimmtes Licht bei manchen Menschen den Schlaf sogar fördern kann. Abrupt aufleuchtende Scheinwerfer dagegen oder das Flimmern des Fernsehers stören.

          Warum das Schlafzimmer im Osten oder Norden liegen sollte

          Wichtig ist die Temperatur im Schlafraum, wobei gerade hier bis heute die meisten Fehler gemacht werden. Zu Omas Zeiten war es üblich, das Schlafzimmer nicht zu heizen - und nicht wenige Menschen halten das auch heute noch für gesund und schlafen sogar im tiefsten Winter mit offenem Fenster. Damals aber war die Kälte schlicht fehlendem Geld oder der fehlenden Heizmöglichkeit geschuldet. Heute weiß man: Je kälter ein Zimmer ist, umso schneller erreicht die Luftfeuchtigkeit ihren Sättigungsgrad. Es wird feucht - und nicht nur die Bettdecke ist dann klamm, auch der Inhalt des Kleiderschranks. Beste Bedingungen, um den Schimmel blühen zu lassen.

          Schlimmer noch: Niedrige Temperaturen stören den Schlaf auch direkt, wie Schlafforscher Zulley erläutert. Denn der Körper arbeitet während der Ruhephase eigentlich auf Sparflamme und die Körpertemperatur sinkt. Um jetzt wirklich wohlig schlafen zu können, ist ein gewisser Grad an Wärme nötig. 16 bis 18 Grad galten als optimal.

          Noch wärmere Temperaturen sind wiederum kontraproduktiv, weswegen Architekten auch immer eine Ost- oder Nordlage des Schlafzimmers empfehlen. Insbesondere Zimmer, die nach Westen liegen, heizen sich im Sommer sonst zu sehr auf.

          Bei jener Claudia war die Lösung ganz einfach. Der Fernseher steht wieder im Wohnzimmer, Schreibtisch und Laptop ebenfalls, und das Schlafzimmer hat eine Jalousie. „Schade nur“, lautet ihr Resümee, „dass der Stress im Job geblieben ist.“ Doch lässt sie ihn mittlerweile dort, wo er hingehört: im Büro!

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