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Was für ein Ding! : Liegen wie Madame

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Reykjavík Daybed“ Bild: Skagerak

Die Récamière ist zu Unrecht unterschätzt. Zeit für eine Wiederentdeckung!

          1 Min.

          Die Récamière ist eines der unterschätztesten Möbel unserer Zeit. Gut, gerade im Homeoffice, wo man für ein Nickerchen unter Umständen nicht mal den Raum verlassen muss, ist das Möbel, das weder Bett noch Sofa ist, vielleicht nicht unbedingt vonnöten. Im Büro aber sollte ein Anrecht auf eine Récamière gesetzlich verankert werden (wir schließen Chaiselongues und Daybeds hier ausdrücklich ein). Ein schönes Modell hat das dänische Kreativduo Included Middle für den Hersteller Skagerak entworfen: Das minimalistische „Reykjavík Daybed“ erinnert in seiner Farbgebung an die charakteristische Architektur der isländischen Hauptstadt, genauer an die Wellblech- und Holzfassaden, die das Bild in Reykjavíks Innenstadt prägen. Mit seinem zurückhaltenden Design und der gedeckten Farbgebung (der wendbare Wollbezug des Textilherstellers Kvadrat besteht aus „Re Wool“, einem Möbelstoff mit 45 Prozent recycelter Wolle) gibt das dänische Daybed jeder noch so schnöden Büroumgebung einen dezenten Rettungsanker. Das Gestell wird übrigens aus Douglasie gefertigt. Wenn Sie jetzt sagen: Moment mal, da fehlt doch die geschwungene Lehne, das ist doch gar keine echte Récamière, das ist doch mehr Mies van der Rohe als Rokoko! Dann haben Sie recht. Aber dann könnten wir Ihnen hier nicht die Geschichte von Julie Récamier erzählen, die – Sie ahnen es – der Récamière ihren Namen gab. Die wohlhabende Französin, die von 1777 bis 1849 lebte und von außerordentlicher Schönheit, geistreich und liebenswürdig war, soll ihre Tage nämlich vorzugsweise liegend in ihrem Pariser Salon verbracht haben, der während des französischen Konsulats ein wichtiger Treffpunkt der vornehmen Gesellschaft war. Sie hat das gepflegte Kontemplieren also überhaupt erst (pardon) salonfähig gemacht. Angesichts der aus dieser Haltung entsprungen Möbel, sagen wir jetzt einfach mal: danke.

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