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Immobilien : Die Probleme mit dem Traum vom Eigenheim

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Jeder will ein Haus, doch nur die wenigsten bauen eins. Bild: dpa

Viele träumen in Deutschland von ihrer eigenen Immobilie. Trotzdem gibt es kaum neue Häuser, weil der Bau ein großes Wagnis ist und es an Bauplatz mangelt.

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          Im Land grassiert das Immobilienfieber. Erst war es die Angst vor einer alles Ersparte vernichtenden Inflation, die die Deutschen nach Jahren der Zurückhaltung ihr Geld wieder in Häuser und Wohnungen stecken ließ. Mittlerweile sind es die historisch niedrigen Zinsen, die manch zuvor noch Zögerlichen ermutigen, sich das zu leisten, wovon angeblich jeder träumt: ein eigen Heim.

          Das sieht, glaubt man Analysen deutscher Wohnwünsche, so aus: ein frei stehendes Haus mit Garten, aber nicht ab vom Schuss, damit die Fahrt zum Arbeitsplatz, zur Schule und zum Einkaufen nicht jedes Mal zur Weltreise wird. In und mit ihm, so die Verheißung, wird der einstige Mieter zum Herr über ein eigenes Reich.

          Kein Vermieter, der Grenzen setzt. Keine Nachbarn, die mit ihrem Musikgeschmack nerven, dem im Treppenhaus zwischengelagerten Abfall und den Polkaeinlagen, wenn man selbst endlich zur Ruhe kommen will. Diese Aussicht lockt all jene, für die der Hauskauf oder -bau weniger Investment nach Renditegesichtspunkten ist, sondern die sich ein Stückchen Freiheit versprechen. Dafür sind sie sogar bereit, über Jahrzehnte hinweg aus Zins und Tilgung gestrickte Fesseln anzulegen.

          Das Faszinosum Eigenheim lässt sich auch an der Lust ablesen, mit welcher Leser und Zuschauer Bilderstrecken zu Wohnträumen aus Holz, Stein, Glas und Beton konsumieren und Hausbausendungen verfolgen. Wenn am letzten Juniwochenende im ganzen Land neue Bauten zum alljährlichen Tag der Architektur ihre Türen öffnen, werden die Einfamilienhäuser wieder die Stars sein.

          Man könnte meinen, bei all der Begeisterung und den derzeit günstigen Finanzierungsmöglichkeiten wüchsen neue Häuser wie Pilze aus dem Boden. Fehlanzeige! Mag der Wunsch auch noch so groß sein, gebaut wird in diesem Segment kaum. Schon gar nicht frei und individuell. Nur eine Minderheit wagt sich an der Seite eines Architekten oder einer Architektin ins Abenteuer Hausbau. Obwohl eine intensivere persönliche Betreuung seitens eines Bauträgers kaum zu erwarten ist. Im Gegenteil.

          Nimmt der Planer seinen Auftrag ernst, reichen seine Aufgaben bis zum sprichwörtlichen Händchenhalten der Bauherren - wofür es in der Honorarordnung übrigens keinen Posten gibt. Doch die Vorbehalte sind hoch: Was da alles schiefgehen kann! Das wird viel zu teuer! Die Furcht sitzt tief. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Architekten im (knappen) Budgetrahmen bleiben und zu ganz wunderbaren Lösungen kommen.

          Das setzt aber voraus, dass die Bauherren bereit sind, sich auf einen längeren Planungsprozess einzulassen. Den scheuen die meisten - und suchen sich lieber eine Bestandsimmobilie, zumal die im gewachsenen Quartier liegt. Kommen sie doch zum neuen Haus, dann meist mit Hilfe eines Bauträgers oder Systembauers. Die haben den Vorteil, dass sie Standardlösungen parat halten - und den Kunden die Illusion lassen, die Wahl zu haben: mit oder ohne Gaube? Darf’s vielleicht eine geschlossene Küche sein oder lieber eine offene?

          Gute individuelle Planung aber geht weit über solche Fragen hinaus. Sie findet auch Lösungen für kleinste Grundstücke und unmögliche Lagen. Zum Beispiel, indem es ihr gelingt, in ein Haus, dessen Südseite zur Straße hin liegt, so viel Licht in den nördlichen Teil zu führen, dass dort ein heller, großer, freundlicher Wohnraum zum Garten entsteht.

          Holzfertighäuser haben ihr Image als Billigheimer abgestreift

          Systembauer können das so nicht leisten. Tun sie es doch, ist der Preisvorteil dahin. Die Holzfertighausbranche ist dafür ein Beispiel. Sie hat hart daran gearbeitet, ihr Image als Billigheimer abzustreifen. Mit Erfolg. Viele Anbieter marschieren bei architektonischen wie technischen Trends vorneweg - und zeigen zum Beispiel teure Energieeffizienzhäuser, deren Preis oft bei 400 000 Euro anfängt.

          Wären also doch deutlich billigere, einfachere, vorgeplante Häuser die Lösung? Ikea ist mit seinem Fertighaus „Boklok“ am hiesigen Markt gescheitert, weil das Angebot den Bauherren zu wenig solide erschien. Das Unternehmen Town & Country kann sich mit seinem massivem Modellhaus „Flair 113“ zwar brüsten, Deutschlands meistverkauftes Haus im Programm zu haben, aber was sind schon nicht mal 7000 Häuser aufs ganze Land betrachtet?

          Und wo sollten diese Häuser in nennenswerter Zahl auch stehen? Draußen auf dem Land nehmen immer mehr Kommunen den Kampf gegen die Abwanderung auf und versuchen Käufer für Häuser in den Zentren zu finden, um diese wiederzubeleben. Es gibt Städte wie das hessische Wanfried, die sich darauf spezialisiert haben, Kaufwillige in historische Fachwerkhäuser zu locken und ihnen mit Rat und Tat bei der Sanierung beizustehen. Parzellen im Neubaugebiet bieten sie nur noch widerwillig an. Und in Städten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg und München und den sie umgebenden Ballungszentren können neue Einfamilienhäuser angesichts der steigenden Einwohnerzahlen nur ein Nischenprogramm sein. Dort helfen allein Geschosswohnungen. Kein Wunder, dass die immer gefragter sind - und sich der Traum vom Eigenheim immer öfter auf der Etage erfüllt.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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