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IVG : Ladenhüter „The Squaire“

„The Squaire“ sieht von weitem so aus wie ein Luxusdampfer auf Stelzen. Bild: Eilmes, Wolfgang

Das Immobilienunternehmen IVG will den riesigen Hotel- und Bürokomplex „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen eigentlich loswerden. Weil kein Käufer genügend Geld bietet, ist das Ganze nun abgeblasen.

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          Drei Interessenten waren zum Schluss noch im Rennen. Aber auch ihre nachgebesserten Angebote für „The Squaire“, den riesigen Hotel- und Bürokomplex am Frankfurter Flughafen, fielen so mager aus, dass der Immobilienkonzern IVG den geplanten Verkauf überraschend abgeblasen hat. Die Preisvorstellungen hätten „den Wert, den wir diesem Objekt zumessen, nicht widergespiegelt“, sagte Vorstandschef Ralf Jung.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Parallel zu den Verkaufsverhandlungen hatte sich der erst vor wenigen Monaten der Insolvenz entronnene Bonner Konzern bei den Zinskosten Luft verschafft: Ein neuer Kredit der Bank of America Merrill Lynch über rund 470 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren erleichtert es, das Prestige- und Problemobjekt im eigenen Bestand zu halten. Beim aktuellen Vermietungsstand – fast ein Fünftel des Gebäudes steht immer noch leer – kalkuliert die IVG dank der günstigeren Refinanzierung mit einem „Ergebnisbeitrag im zweistelligen Millionenbereich“. Damit liege die Rentabilität „klar oberhalb der unseres Restportfolios“, sagte Jung.

          Die völlig aus dem Ruder gelaufenen Baukosten von mehr als einer Milliarde Euro waren ein Grund dafür, dass die IVG im Jahr 2013 unter einem riesigen Schuldenberg zusammengebrochen war. Heute gehört das Unternehmen früheren Gläubigern, die Forderungen in Aktien umgetauscht haben. Im vorigen September hatten sie ein halbes Dutzend potentielle Investoren auf The Squaire angesprochen, darunter waren nach Branchenangaben der Finanzinvestor Blackstone, die Vermögensverwaltung Blackrock und der Immobilienentwickler Tishman Speyer sowie einige Fonds. Jeweils ein Fonds aus dem arabischen Raum und aus Asien soll unter den letzten drei Bietern gewesen sein, die kurz vor Weihnachten die Gelegenheit bekamen, ihre Angebote „nachzuarbeiten“.

          In ihrer Bilanz hatte die IVG den Frankfurter Bau mit zuletzt 807 Millionen Euro angesetzt. Nach Branchenschätzungen dürfte der Buchwert inzwischen eher 700 Millionen Euro betragen. Insgesamt hat der Konzern rund 180 Büroimmobilien im Wert von etwa 3,6 Milliarden Euro im eigenen Bestand. Das gesamte Portfolio wird auf weitere Verkaufsmöglichkeiten durchforstet. Frühere Pläne, auch das Geschäft mit Spezialfonds für institutionelle Anleger abzugeben, sind hingegen erst einmal hinfällig. Diese Sparte wird von den neuen Eigentümern zwar nicht mehr als „Kerngeschäft“ betrachtet. Angesichts sehr solider Margen aus der Verwaltung des rund 11 Milliarden Euro schweren Immobilienvermögens sei die Fortführung trotzdem die beste Variante, sagte ein Sprecher.

          Verkaufsdruck gebe es ohnehin nicht. Nach der Sanierung verfüge der Konzern über ausreichend Eigenkapital und sei gut durchfinanziert. Wenig einträglich ist im Augenblick die dritte Sparte: das Geschäft mit den unterirdischen Lagerstätten für Gas und Öl. Durch den Vormarsch erneuerbarer Energien sinkt der Bedarf an fossilen Brennstoffen und damit auch die Nachfrage nach den Kavernen.

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