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Akustik in Räumen : „Wir werden für Lärm immer empfindlicher“

Wenn ich das Gefühl habe, in einem Raum ist es einfach zu laut – was kann ich da tun?

Erst mal muss man sicher sein, dass wirklich die Raumakustik das Problem ist und nicht der Lärm von den Nachbarn. Dann muss man die Schallquellen definieren. Wenn es viele gibt, arbeitet man erst mal mit der Decke und der Wand, dann man hat den größten Effekt. Ein Objekt wie der Kaktus bringt sehr viel, wenn man ihn vor eine Ecke stellt, weil sich der Schall in einer Raumecke immer noch einmal verwirbelt.

Was kosten denn Ihre Objekte?

Die kleinen Elemente, die man zusammenstecken kann, beginnen schon ab etwa zehn Euro. Große, individuelle Installationen können aber auch mehrere Zehntausend Euro kosten, das hängt vor allem von der Handarbeit ab, die drinsteckt.

Sie haben Bauingenieurwesen und Architektur studiert, im Moment arbeiten Sie vor allem als Produktdesignerin. Wie kommt das?

Das Produktdesign kam mit dem Kind, weil ich dann nicht mehr so viel reisen konnte. Architektur mache ich nach wie vor, aber nicht mehr diese riesigen Aufträge. Für mich ist Produktdesign wie das geordnete Mittagessen und Architektur wie die große, unübersichtliche Party.

Zu Hause in der Villa Diesel: Marie Aigner mit der Kaktusskulptur
Zu Hause in der Villa Diesel: Marie Aigner mit der Kaktusskulptur : Bild: Andre Kirsch

Sie wohnen selbst in einem geschichtsträchtigen Haus in München: In der Diesel-Villa in Bogenhausen, die der Ingenieur Rudolf Diesel sich Ende des 19. Jahrhunderts bauen ließ. Wie lange leben Sie dort schon?

Seit fünf Jahren. Bevor wir einziehen konnten, mussten wir erst mal sehr viel renovieren. Vorher waren hier mehrere Büros drin, das Haus war komplett aufgeteilt. Irgendwann hat auch mal der Komponist Ralph Siegel in der Villa gewohnt und hatte hier im Keller auch sein Tonstudio.

Wie sind Sie darauf gekommen, als Familie in so ein expressives Haus zu ziehen?

Mein dreizehn Jahre alter Sohn und die jetzt achtzehnjährige Tochter meines Mannes, die hier auch wohnen, waren am Anfang nicht gerade begeistert. Sie fanden das Gebäude erst mal nur dunkel und furchtbar und haben gesagt: „Wir spielen in diesem alten Gemäuer jetzt nicht Harry Potter mit euch.“ Mein Mann und ich haben es trotzdem gemacht, weil man so ein Objekt einfach nicht mehr findet.

Allein die Eingangshalle ist sehr groß und repräsentativ, mit einer Wandvertäfelung und einer Kassettendecke aus dunklem Holz. Wie richtet man so ein Gebäude für eine Familie ein?

Ich habe versucht, die Schwere und Traurigkeit von dem Haus zu nehmen und Licht und Freude hineinzubringen. Wir haben zwar die alten Oberflächen und auch die Holzvertäfelung aufgearbeitet, aber beherzt mit unseren Sachen kombiniert. Ich habe meinen knallroten Schreibtisch hier reingestellt und unter den schrecklichen Kristalllüster in der Eingangshalle den „Wedding Cake“, einen Absorber aus meiner Kollektion, gehängt. Außerdem habe ich viel mit Farbe gearbeitet. Das ist kein Museum, man soll hier wohnen.

Was war die größte Herausforderung?

Die Eingangshalle. Wir haben uns immer gefragt, was wir mit diesem riesigen Raum machen sollen. So entstand die Idee, ihn als Showroom für meine Objekte zu nutzen. Dafür ist die Raumhöhe perfekt.

Ihr Esstisch ist schwarz-weiß gestreift, die Schreibtischplatte knallrot. Die meisten Menschen hätten Angst, dieser knalligen Oberflächen schnell überdrüssig zu werden.

Stimmt, viele haben mich für verrückt erklärt. Das sind eigene Entwürfe, und ich finde, mir gelingen Dinge immer am besten, wenn ich mutig bin. Ich habe schnell genug von Möbeln, die in jedem Wohnzimmer stehen. Diese Exoten haben eine besondere Stellung, die sehe ich mir nicht so schnell über.

Sie praktizieren ja schon länger, was viele von uns im vergangenen Jahr ausprobiert haben: im Homeoffice zu arbeiten. Wie schaffen Sie es, die Sphären zu trennen?

Entwürfe kann ich gut zu Hause machen, auch Verwaltung. Aber den Teil der Arbeit, der mit Stress und Sorgen zu tun hat, erledige ich außerhalb von München, wo ich auch ein Büro habe. Meine Arbeit konzentriert sich in diesem Haus auf ein Zimmer, und da verschwindet sie dann auch, wenn die Tür zu ist. Meistens zumindest.

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