https://www.faz.net/-gqe-9tf5h

Der Wohn-Knigge : Fremde im Schlafzimmer

  • -Aktualisiert am

Wer solch ein opulentes Schlafzimmer besitzt, will es auch herzeigen. Bild: D.BLACKMORE / Hypnos

Sollte man Besucher ins Schlafzimmer führen? Oder ist es eher peinlich, wenn Fremde auf einmal mit gebrauchten Taschentüchern auf dem Nachtisch und Hanteln unter dem Bett konfrontiert werden?

          4 Min.

          Neulich war ich bei Bekannten, die stolz ihre neue Wohnung präsentierten. Zu meiner Überraschung führten sie die Gäste auch ins Schlafzimmer. Ich fand es ausgesprochen peinlich, vor ihrem Doppelbett zu stehen, die Nachttische und den maßgeschneiderten Bettüberwurf bewundern zu müssen. Vielleicht bin ich etwas spießig. Aber ich finde, ein Schlafzimmer ist etwas Intimes und ein No-Go für Fremde. Die anderen hatten dieses Gefühl sichtbar nicht. Was meinen Sie?

          Ich käme nicht drauf, die Schlafzimmer anderer Menschen zu besuchen – es sei denn, es handelt sich um die Schlafhöhlen meiner engsten Familie. Oder die Nacht-Lounge meiner Studienfreundin Ali. Den dort Schlafenden würde ich im Notfall aber auch Infusionen legen oder ungeschminkt im Nachthemd Gutenachtgeschichten vorlesen. Bei allen anderen Menschen möchte ich weder entdecken, dass sie lilaseidene Bettwäsche gut finden, einen Spiegel über dem Bett aufgehängt haben, und schon gar nicht mag ich praktische Kleenex-Boxen auf fremden Nachttischen stehen sehen. Denn beim nächsten Treffen würde mir hundert Prozent die Frage durch den Kopf gehen, warum wohl jemand so tropft, dass er ständig einen Vorrat von 100 Papiertaschentüchern braucht.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. + F.A.S. – Adventsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          SPD-Parteitag beginnt : Was ist links?

          Das neue Führungsduo Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken wird die SPD weiter ins Abseits treiben – und die reine linke Lehre die Sozialdemokratie nicht retten. Eine Analyse.