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Studenten gegen Rentner : Der Kampf um die kleine Wohnung

Gesellig, aber nicht unbedingt günstig: die Studenten-WG. Bild: dpa

Ein Zimmer, zentral und günstig: In der typischen Studentenbude wollen nicht nur Studierende wohnen. Deswegen ist sie auch so teuer.

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          Es kommt nicht häufig vor, dass Studenten in direkter Konkurrenz mit Rentnern stehen. Um den besten Platz beim André-Rieu-Konzert? Oder an der Tür des Hipster-Clubs? Das sind eher getrennte Welten. Doch wenn es um kleine Wohnungen von zirka 30 Quadratmetern geht, zentral und nicht zu teuer, dann sind Rentner und Studenten Wettbewerber. Und nicht nur sie: Auch Pendler und junge Berufstätige suchen in den Großstädten nach Wohnungen, die sie sich leisten können - und das sind meistens kleine, denn Fläche ist ein maßgeblicher Kostentreiber.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So wundert es auch nicht, dass die Mieten für die typische Studentenwohnung, das Einzimmerappartement in der Nähe zur Universität, in fast allen Städten stärker gestiegen sind als die Durchschnittsmiete. Das hat eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergeben. „Die Zahl der Studenten wächst in den Universitätsstädten noch stärker als die der übrigen Wohnbevölkerung“, sagt Michael Voigtländer, einer der Autoren der Studie. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der Studierenden in Deutschland um 40 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks gibt es aber nur 5 Prozent mehr Wohnheimplätze. So suchen die Studenten auf dem freien Markt, was die dort ohnehin schon angespannte Lage noch weiter verschärft. „In Städten mit teuren Studentenwohnungen ist das Angebot staatlich geförderter Wohnheime verhältnismäßig gering - und umgekehrt“, heißt es in der Studie.

          Besonders in Berlin sind die Mieten für Studenten gestiegen

          Von den elf deutschen Groß- und Universitätsstädten, die die Forscher untersucht haben, sind die Mieten in Berlin besonders in die Höhe geschnellt: um fast 30 Prozent seit 2010. 391 Euro muss ein Student in der Hauptstadt mittlerweile für sein Appartement zahlen. Das ist zwar deutlich mehr als noch vor fünf Jahren, aber immer noch sehr viel weniger als in München, wo die gleiche Wohnung 580 Euro warm kostet. München führt natürlich auch diese Rangliste an, wie seit Jahren eigentlich jedes deutsche Immobilienpreisranking. Auch der zweite und dritte Platz sind mit Frankfurt (505 Euro) und Stuttgart (474 Euro) erwartbar. Am günstigsten wohnen die Studenten in Bochum, wo die klassischen Studentenbude nur 329 Euro kostet. Die Ruhr-Metropole verzeichnete seit 2010 auch die geringste Preissteigerung, nur um sieben Prozent.

          Wer glaubt, dass er den hohen Preisen entgehen kann, indem er in eine Wohngemeinschaft zieht, wird enttäuscht. Zwar kommen Studenten etwas günstiger weg, wenn sie sich mit anderen Bad, Küche und Putzplan teilen. Aber ein unmöbliertes WG-Zimmer kostet in München immer noch 530 Euro, in Frankfurt 447 und in Stuttgart 430 Euro. Am günstigsten wohnen Studenten in Chemnitz (216 Euro) und Wilhelmshaven (230 Euro) zusammen. Das hat eine Analyse des Beratungsinstituts Empirica von mehr als 120 Städten mit Hochschulen in Deutschland ergeben. In den Hochschulstandorten insgesamt liege der Standardpreis zum Semesterbeginn 2016 bei 340 Euro und damit etwa 20 Prozent höher als zum Sommersemester 2012, heißt es.

          Die Schwierigkeiten für Studenten, in den Ballungsräumen eine bezahlbare Unterkunft zu finden, werden nach Ansicht von IW-Ökonom Voigtländer in den kommenden Jahren eher noch zunehmen. „Der Druck auf dem Wohnungsmarkt und die Knappheit an bezahlbarem Mietraum werden sich weiter erhöhen“, sagt Voigtländer. Hinzu komme, dass es Studenten im Wettbewerb um Wohnraum besonders schwer haben. „Sowohl junge Erwerbstätige als auch Senioren verfügen durchschnittlich über höhere Einkommen und eine bessere Bonität.“ In der Gunst der Makler könnten Studenten mit den Rentnern einfach nicht mithalten. Da hilft nach Ansicht von Voigtländer nur eines: „Weil der Bedarf an kleinen Wohnungen überproportional steigt, sind Investoren und Entwickler gefordert, bezahlbare Lösungen für kleine Haushalte zu finden.“

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