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Wohnen gegen Hilfe : „Suche Bleibe, biete mich“

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In der Zeit, in der die historische Serie „Downton Abbey“ spielt, waren Dienstmädchen in wohlhabenden Familien noch gang und gäbe. Bild: Prisma Bildagentur

Ob Hausmeister, Dienstmagd oder Haushaltsmanagerin: Das Modell Wohnen gegen Hilfe hat Tradition. Ausbeutung oder auch Freundschaft zwischen Hausherren und Personal inklusive.

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          Die Annonce klang verlockend, und Peter Wodak erinnert sich noch genau an den Wortlaut: „Wir bieten Ihnen ein gehobenes Wohnumfeld in einem schlossähnlichen Gebäude – Sie schenken uns dafür Ihre Arbeitskraft!“

          Bei dem herrschaftlichen Anwesen handelte es sich um die Villa Mumm in Frankfurt, die 1902 vom Rheingauer „Champagnerbaron“ Hermann Mumm von Schwarzenstein erbaut und einem italienischen Palazzo der Hochrenaissance nachempfunden wurde. Sie war einmal als Sitz des Bundespräsidenten vorgesehen, und zum „Tag des offenen Denkmals“ lässt Wodak in seinen Führungen interessierte Besucher hinter die verschlossenen Türen des Kulturdenkmals blicken, das mittlerweile Sitz des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie ist. 29 Jahre war er Hausmeister in der Villa Mumm und führte ein strenges Regiment. Seine Tochter Angelika wuchs zwischen Stuck, Blattgold, Deckengemälden und Marmorböden auf.

          Dienstleistungen im Tausch gegen Wohnraum

          Wohnen gegen Hilfe. Ein vielschichtiges Spektrum mit zahlreichen Varianten und Modellen. Ein Geben und ein Nehmen. Im Idealfall eine Situation, in der beide Seiten einen Nutzen erzielen, Pflegeleistungen jeder Art jedoch ausgenommen sind.

          Im Internet häufen sich die Anzeigen, wie „Suche Zimmer, biete MICH als Hilfe“ und auch die entsprechenden Angebote. Zum Beispiel: eine Einliegerwohnung mit Mietnachlass gegen „Rundumbetreuung“ einer noblen Oldtimer-Sammlung oder ein kostenloses Zimmer in einem Souterrain, gegen Mitarbeit in Haus und Garten.

          Großbürgerliche Haushalte und hochherrschaftliches Ambiente als Wohn- und Wirkungsstätte sind heute meist nicht mehr im Angebot, eher Wünsche, wie die einer 78 Jahre alten alleinstehenden Dame. Sie lebt in einer Altbauwohnung von 160 Quadratmetern und hält Ausschau nach einer Gesellschafterin, mit der sie zusammen vor dem Fernseher sitzen oder über anspruchsvolle Themen plaudern kann und die mit ihr Spaziergänge unternimmt. Das Kochen sollte eine „vergnügte“ Gemeinschaftsarbeit sein, schreibt sie, und dass zwei kostenlose Zimmer schon bereitstünden.

          Mitunter auch unseriöse Angebote

          Oftmals sind die Anzeigen holprig abgefasst, aber manchmal auch originell und kurios. Da empfiehlt sich ein „fröhlicher Mann mit geringem Einkommen und fröhlichem Hund“ als Helfer bei der Pferdebetreuung und sucht als Gegenleistung eine bezahlbare Wohnung. Und eine Rentnerin, Katzenbesitzerin, Nichtraucherin, frei von Allüren und Allergien, stöbert im Netz nach einer kostenlosen Wohnmöglichkeit gegen Mithilfe im Haushalt einschließlich Babybetreuung.

          Natürlich gibt es auch unseriöse Vorschläge und unmoralische Angebote. Auch Konflikte, Probleme und Streitereien zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern, die zusammen unter einem Dach wohnen („So habe ich mir das nicht vorgestellt!“), und die zu überstürzten Fluchten führen. Aber es existieren ebenfalls offizielle Kooperationsverträge, welche die individuellen Absprachen zwischen den beiden Parteien regeln, und es gibt Muster, die hervorragend funktionieren. Das ist zum Beispiel bei dem Studenten Jan der Fall, der wegen seines Studiums in einer anderen Stadt händeringend nach einer Bleibe suchte und von einem Lehrerehepaar aufgenommen wurde. Fortan wohnt er bei ihnen im Gästekeller, kümmert sich um den Garten und diskutiert abends mit seinen Gasteltern bei einem Glas Wein über Gott und die Welt.

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