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Pandemie und Wohnungsmarkt : Und wer hilft dem Vermieter?

Viele Mieter haben wegen der Coronakrise Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Bild: dpa

Ein neues Gesetz schützt Mieter davor, wegen der Pandemie die Wohnung zu verlieren. Doch Ökonomen und Verbände fürchten einen Dominoeffekt – der am Ende die Banken in Schieflage bringen könnte.

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          In den sozialen Netzwerken, wo sonst vielfach ein Bild des Vermieters als kaltherzigem, renditehungrigem Egoisten gezeichnet wird, machen gerade Loblieder auf diese Spezies die Runde. „Als Freiberufler bin ich meinem Vermieter unfassbar dankbar“ schreibt zum Beispiel Jan Sahner aus Saarbrücken auf Twitter und postet auch gleich den Grund für seine Dankbarkeit: Ein Brief, in dem der Vermieter ihm und seinen Nachbarn ankündigt, die Miete für zwei Monate zu erlassen, sollten ihnen die Einnahmen durch den gegenwärtigen Stillstand der Wirtschaft wegbrechen. Er hoffe, dass sich mehr Vermieter so sozial und menschlich zeigten, kommentiert der glückliche Mieter noch.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zu den Sorgen um den Arbeitsplatz gesellt sich bei vielen Kurzarbeitern und Selbstständigen zuletzt auch die Angst um den Verlust der Wohnung. „Die Nachfragen bei unseren Vereinen rund um das Thema Corona und Miete steigen spürbar“, heißt es beim Deutschen Mieterbund. Die Politik hat darauf in dieser Woche reagiert. Um all die klammen Mieter zu schützen, die nicht so einen verständnisvollen Vermieter haben wie der Freiberufler aus dem Saarland, hat der Bundestag am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das der Bundesrat am Freitag gebilligt hat. Es soll diejenigen vor einer Kündigung bewahren, die wegen der Coronakrise ihre Miete nicht mehr zahlen können. Normalerweise darf ein Vermieter die Wohnung kündigen, wenn der Mieter zwei Monate die Zahlung schuldig bleibt. Das neue Gesetz untersagt jetzt eine Kündigung wegen Mietschulden zwischen dem 1. April und 30. Juni dieses Jahres – zumindest, wenn die Pandemie ursächlich für den Rückstand ist und der Mieter das glaubhaft machen kann. Nachweis kann eine Bescheinigung des Arbeitgebers über den Verdienstausfall sein, oder auch ein Beleg darüber, dass sich der Mieter um staatliche Leistungen bemüht hat. Die Verpflichtung, die Miete zu zahlen, bleibt jedoch bestehen: Spätestens bis zum 30. Juni 2022 muss der Mieter seine Schulden begleichen.

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