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Co-Living in der Pandemie : Unter Beobachtung

Das Coconat hat sich zu einem Treffpunkt für Digitalnomaden entwickelt, der weit über die Grenzen des 75-Seelen-Dorfs Klein Glien hinausstrahlt. Doch das eigentliche Konzept, urbanen Arbeitstouristen für ein paar Tage Unterschlupf in bukolischer Landschaft und enger Gemeinschaft mit Schlafen in Mehrbettzimmern anzubieten, ist nicht coronafähig.

„Die letzten Wochen waren eine echte Achterbahnfahrt“, sagt Julianne Becker, Mitgründerin des Coconat. Wie Hotels musste auch das Coconat den Betrieb einstellen, die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. Nur sieben gestrandete Gäste, unter anderem aus Brasilien, Island und Marokko, die wegen der Flugausfälle nicht mehr nach Hause kamen, haben während des Lockdowns auf dem alten Gutshof gemeinsam ausgeharrt.

„Wie baut man Gemeinschaft und bleibt trotzdem auf Distanz?“

Doch jetzt, wo die Gestrandeten wieder nach Hause fliegen und immer mehr Vorschriften gelockert werden, müssen Becker und ihre Mitstreiter das Konzept, das auf Nähe und Teilen beruht, der neuen Realität anpassen. „Wie baut man Gemeinschaft und bleibt trotzdem auf Distanz?“ ist die Frage, die sie in den kommenden Wochen beantworten wollen.

Künftig soll das Coconat vom kurzfristigen Co-Working auf mittelfristiges Co-Living umstellen: Eine feste Gruppe aus mindestens zwanzig Personen soll von Juni an für einen Monat in einer Land-WG auf Zeit auf dem Gutshof einziehen. Basis des Zusammenlebens in Corona-Zeiten bilden Vertrauen und feste Regeln: Masken tragen beim Kochen, Trips in die Stadt nur bei dringenden Angelegenheiten und möglichst wenig Kontakt zu Personen außerhalb des Coconat. Die Rückmeldung für Juni „war nicht überragend, aber okay“, sagt Becker. „Es wird ein echtes Experiment – für uns alle.“

Wie viel Vertrauen ist möglich, und wie viele Regeln sind nötig, um die Pandemie in enger Wohn-Gemeinschaft durchzustehen? Diese Frage stellt sich auch für die Bewohner der Alten Mühle Gömnigk. In der ehemaligen Wassermühle südwestlich von Potsdam leben zwanzig Erwachsene und elf Kinder in zwei Wohngemeinschaften zwar auf 18 Hektar Land, aber mit einer Küche im Erdgeschoss, durch die alle hindurchmüssen. Auch die Bäder werden geteilt.

„Einige von uns, die mehr Angst vor der Krankheit haben oder vorbelastet sind, kochen seit Corona in der Gästeküche“, sagt Armin Olunczek, der mit seinen beiden Kindern und Ex-Partnerin in der Mühle lebt. Versammlungen werden seit März nur noch draußen abgehalten, viele gehen auf Abstand. „Ich nehme die Situation als belastend wahr“, sagt Olunczek. Einerseits sind manche Bewohner viel mehr zu Hause als sonst, weil das Arbeiten auswärts wegfällt. Andererseits ist das gemeinschaftliche Leben mit vielen gemeinsamen Aktionen und Gästen, die regelmäßig vorbeikommen, eingefroren.

Auch in der Mühle haben die Bewohner versucht, gemeinsame Regeln für den Umgang mit dem Virus zu finden. „Wenn es einer bekommen hätte, hätten wir es alle gehabt“, glaubt Olunczek. Sie vereinbarten, dass jeder Bewohner nur noch einen Kontakt nach außen pflegen sollte – nicht ganz einfach für manche, die polyamore Beziehungen führen. Aber auch Olunczek sieht vor allem das Positive des gemeinschaftlichen Lebens auf dem Land: „Mit knapp 20 Hektar Land, Holz- und Metallwerkstatt, eigenen Gärten und Wald wird einem nie langweilig.“ Aktuell wird im Wohnprojekt darüber diskutiert, ab wann sie wieder Gästegruppen aufnehmen. Auch in der Alten Mühle will man sich wieder stärker nach außen öffnen – nur wie weit, darüber gehen die Meinungen noch auseinander.

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