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Co-Living in der Pandemie : Unter Beobachtung

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche gemeinschaftliche Wohnprojekte auf dem Land entstanden, vor allem rund um Berlin. Die steigenden Wohnungspreise und schwindenden Freiräume in der Hauptstadt trieben besonders Kreative und Leute aus der Berliner Start-up-Szene aufs Land. Im Gegensatz zur Hauptstadt gibt es im ländlichen Brandenburg oder Sachsen-Anhalt noch große und bezahlbare Immobilien, in denen sich eine Vision vom gemeinschaftlichen Wohnen verwirklichen lässt. Viele Projekte wollen zudem Wohnen und Arbeiten miteinander verbinden – sei es mit Co-Working-Spaces, Übernachtungsmöglichkeiten für zahlende Gäste oder Manufakturen und Cafés.

Corona stellt diese meist noch jungen Projekte vor ganz eigene Herausforderungen. „Viele dieser Orte finanzieren sich zum Teil durch Gastronomie oder die Vermietung von Räumen – Einnahmen, die ihnen jetzt weggebrochen sind“, sagt Julia Paaß vom Netzwerk Zukunftsorte. Das Netzwerk hat sich zur Aufgabe gemacht, leerstehende Gebäude auf dem Land in zukunftsfähige Orte zum Wohnen und Arbeiten zu verwandeln und dabei interessierte Städter, ländliche Kommunen und schon existierende Projekte zusammenzubringen. Noch bedrohe die Krise kaum Projekte in ihrer Existenz, sagt Paaß. Schließlich stecken in den meisten vor allem Eigenkapital und weniger Kredite, da die Banken solche Vorhaben ohnehin eher zögerlich finanzieren.

Das Coconat in Bad Belzig sucht nach einem neuen Geschäftsmodell für die Corona-Zeit.

„Die Mehrzahl ist flexibel aufgestellt und kümmert sich zum Beispiel erst mal um den weiteren Ausbau, wenn das andere nicht mehr läuft“, sagt die Netzwerkerin. Anstatt Gäste zu empfangen, werde dann eben renoviert oder der Garten umgegraben. Die Möglichkeit, jetzt, wo viele Freizeitmöglichkeiten versiegt sind, das eigene Umfeld selbst zu gestalten, sieht sie als einen großen Pluspunkt des Landlebens in Gemeinschaft. „Man kann für sich selbst etwas schaffen, was auch glücklich macht“, sagt Paaß, die selbst aus Berlin in ein kleines Dorf in Brandenburg gezogen ist.

Für die Menschen auf dem Land habe sich im Alltag viel weniger verändert als für die Stadtbewohner. Paaß beobachtet seit dem Lockdown ein steigendes Interesse, aufs Land zu ziehen. Viele Projekte bekämen jetzt deutlich mehr Anfragen als vorher. „Manche wollen nur ein Bett und einen Internetanschluss, Hauptsache, raus aus der Stadt!“ Die Entwicklung bestätigt auch Marius Haberland vom Uferwerk: „Wir führen gar keine Warteliste mehr, weil sich so viele Interessenten melden“, sagt er.

Aus dem Wunsch vieler Großstädter, die dichten Metropolen und ihre Wohnungen zu verlassen, die für die Kombination aus Wohnen und Arbeiten zu klein geworden sind, hat das Coconat ein Geschäftsmodell für die Corona-Zeit gemacht: Coconat steht seit drei Jahren für „Community and Concentrated Work in Nature“ und bietet Leuten aus der Stadt sowie Freiberuflern aus der Umgebung die Möglichkeit, auf einem ehemaligen Gutshof bei Bad Belzig gemeinsam und mit schnellem Internet zu arbeiten.

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