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China : Aus der Immobilienblase entweicht die Luft

Günstiger wohnen: Der Quadratmeterpreis in Peking ist um 2 Prozent gefallen Bild: dpa

Die Quadratmeterpreise in China fallen beständig - doch das ist nicht nur eine gute Nachricht: Immer mehr Bauträger gehen insolvent, dadurch könnten Kredite ausfallen. Potenzielle Käufer warten auf noch niedrigere Preise.

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          Zhao Fei hat großes Glück, und das gleich doppelt: In Kürze wird er die Frau seines Lebens heiraten. Und bald könnte er ihr auch ein Eigenheim bieten, denn die Preise für Immobilien fallen - und bislang konnte sich Zhao Fei keine eigenen vier Wände leisten.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          „In China muss der Mann die Wohnung mit in die Ehe bringen, die Frau die Möbel“, sagt Zhao. Noch vor einem Jahr reichte sein Geld vorn und hinten nicht dafür aus, dass er sich seinen Traum vom Apartment und damit von der eigenen Familie erfüllen konnte. Jetzt aber werden die Wohnungen immer billiger. „Gott sei Dank habe ich bisher keinen Vertrag unterschrieben.“ Zhao will zwei oder drei Zimmer innerhalb des dritten Pekinger Stadtrings kaufen, auf 60 bis 70 Quadratmetern. Sein Budget dafür sind 2 Millionen Yuan (240.000 Euro), also rund 3.700 Euro je Quadratmeter. Früher gab es dafür nichts Anständiges, seit einigen Monaten aber wird die Auswahl immer größer. „Ich bekomme auf alle Fälle etwas vor unserer Hochzeit“, sagt der Siebenundzwanzigjährige. „Ich warte noch, bis die Preise weiter zurückgehen.“

          Die finanzielle Belastung für junge Chinesen wie Zhao ist erheblich. Eine Million Yuan geben Zhaos Eltern dazu, 200.000 Yuan hat er selbst gespart. Die restlichen 800.000 Yuan nimmt er als Kredit über einen öffentlichen Hausbaufonds auf, in den Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen einzahlen. Das Darlehen muss er 30 Jahre lang abstottern, mit rund 4.000 Yuan im Monat. Das ist viel Geld für das junge Paar, fast die Hälfte ihres Monatseinkommens. Er arbeitet als stellvertretender Direktor eines Übersetzungsbüros, seine Frau als Sekretärin in einem Filmarchiv, zusammen verdienen sie nach Steuern weniger als 10.000 Yuan (1.200 Euro) im Monat.

          Chinas Immobilienmarkt
          Chinas Immobilienmarkt : Bild: F.A.Z.

          Der chinesische Wohnungsmarkt ist schwer zu durchschauen. Wie in kaum einem anderen Land treffen dort Belange und Eingriffe des Staates auf Interessen der Privatwirtschaft und der Banken. Auch innerhalb der Lager gibt es Differenzen. Auf Seiten der öffentlichen Hand etwa hängen die Kommunen finanziell vom Landverkauf ab und sind deshalb an hohen Preisen interessiert - auch deshalb, weil sie den Boden als Sicherheit für Kredite einsetzen, die ihre ausgelagerten Finanzgesellschaften (LGIV) bei den Banken aufgenommen haben. Mit dem Geld wurden riesige Infrastrukturvorhaben zur Konjunkturbelebung bezahlt, verordnet von der Zentralregierung.

          Dieselbe Regierung aber bekämpft vehement die hohen Boden- und Häuserpreise. In den vergangenen drei Jahren sind Eigentumswohnungen um real 50 Prozent teurer geworden. Zunächst war das eine Korrektur nach dem vorangegangenen Wertverfall. Der Anstieg hatte aber auch mit „echter“ Nachfrage wegen des wachsenden Wohlstands zu tun. Genauso sehr dürfte dazu aber die lockere Geldpolitik in der Krise beigetragen haben, als in Ermangelung anderer Anlagearten auf dem abgeschotteten Kapitalmarkt viel billiges Geld in die Bauwirtschaft floss. Die Investitionen hielten die Wirtschaft am Laufen, die Immobilienbranche steuerte ein Sechstel zum Bruttoinlandsprodukt bei.

          Zweifel am Wohlstandsversprechen der Führung

          Doch schon bald stellten sich negative Effekte ein. Der Leerstand wuchs, man sprach von Spekulationen am Häusermarkt und verglich die Gefahren mit den geplatzten Blasen in Japan und Amerika. Der Unmut der urbanen Mittelschicht nahm zu, weil sich die Leute keine Wohnungen mehr leisten konnten. Personen wie Zhao sahen ihren Lebenstraum gefährdet und begannen am Wohlstandsversprechen der Führung zu zweifeln. Es bestand somit die Gefahr, dass sich dieser Frust mit dem Ärger der Unterschichten über die hohe Lebensmittelinflation zu einem explosiven Gebräu vermischt hätte.

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