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Designobjekte aus Rinde : Birke wird zum Blickfang

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Weist Wasser ab und zieht Blicke an: Birkenrinde wird als Material für moderne Designobjekte gerade wiederentdeckt. Bild: Frieder Reuter/ Moya Birch Bark

Birkenrinde ist stabil wie Leder, wasserabweisend wie Kunststoff und fühlt sich so warm an wie Samt. Dank junger Gestalter kehrt das Naturmaterial nun zurück – für eine Inneneinrichtung auf der Höhe der Zeit.

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          Holz fasst sich gut an. Was für eine reizvolle Vorstellung, barfuß über ein warmes Holzdeck zu laufen. Aber wer würde sich ein gesamtes Badezimmer nur mit hölzernen Wänden und Böden ausstatten, die ganze Duschkabine womöglich? Wenige. Holzoberflächen und Wasser vertragen sich schließlich nur bedingt. Doch stimmt das nicht so ganz.

          Nimmt man die äußerste Haut eines Baumes, die Schicht also, die schon in der Natur eine Schutzfunktion hat, sieht die Sache anders aus. Rinde, zum Beispiel die von der Birke, ist zu hundert Prozent wasserabweisend und auch wasserbeständig. An ihr perlt einfach alles ab: Jedenfalls ist das so bei den neuartigen Paneelen und Furnieren aus Birkenrinde, wie sie ein junges Unternehmen aus Görlitz herstellt.

          Dabei wird die Baumrinde geschichtet, verpresst und im Anschluss so geschnitten, dass Platten entstehen. Deren Oberflächen haben feine Maserungen, sie zeigen Schicht für Schicht des Materials. Allein dadurch und durch die Farbe deutet man es eindeutig als Holz, am ehesten erinnert es an das Teakdeck einer Segelyacht, und so fühlt sich dieser Bodenbelag auch an, sehr warm und weich. Gerade für den Einsatz in Nassbereichen ist das Material gedacht, für eine Dusche komplett aus Holz zum Beispiel – das ist bisher ungewöhnlich.

          Für Tim Mergelsberg, den Gründer der Firma „Nevi“ in Görlitz, war es ein langer Weg des Experimentierens. Seit mehr als fünfzehn Jahren beschäftigt er sich mit dem Baustoff der Birkenrinde. Er hat im sibirischen Irkutsk einst Zivildienst geleistet und dort die Vorzüge der Borke kennengelernt. Dann wurde eine Mission daraus, sein persönliches Nächstes-Großes-Zukunfts-Ding: Er hat ein Herstellungsverfahren entwickelt und sich patentieren lassen, wie genau man die Lagen der Rinde verpressen muss und wie man sie zu einer Oberfläche macht. Auch einen Designschutz auf die Optik hält er. Gleichzeitig bringt er damit einen uralten biologischen Baustoff zurück, das passt nur zu gut in unsere Zeit, die ständig nach grünen Innovationen sucht.

          Hocker und Lampenschirme von Moya aus Birkenrinde.
          Hocker und Lampenschirme von Moya aus Birkenrinde. : Bild: Frieder Reuter/ Moya Birch Bark

          So funktioniert zeitgenössisches Design mit der Borke

          Ganz ähnlich wie Mergelsberg ist die Gestalterin Anastasiya Koshcheeva aus Berlin eine Vorreiterin für die Wiedererweckung des Materials. Sie entwirft Möbel und Accessoires mit dem Naturstoff und mit dem Handwerkswissen aus ihrer russischen Heimat. Früher einmal, sagen die beiden Jungunternehmer, hatte die Birkenrinde den Stellenwert, den später der Kunststoff bekam – und war allgegenwärtig. Heute machen Koshcheevas Unternehmen Moya und Mergelsbergs „Nevi“ einen Trend daraus, sie zeigen jeweils auf ihre Art, wie ein zeitgenössisches Design mit der Borke funktioniert.

          In Görlitz hat Mergelsberg mittlerweile ein großzügiges Firmengelände für seine Pionierarbeit bezogen, dorthin wird ihm der Rohstoff geliefert. Es sind große Streifen der Rinde von der nordischen Birke aus Sibirien. Die Bäume haben eine starke Borke, viel dicker als die weiß-gekräuselte, manchmal nur papierartige Rinde heimischer Exemplare. In Sibirien schneiden Fachleute die Schichten im Frühjahr aus den Bäumen. Einst wurden sie zum Möbel- und Bootsbau verwendet, um Schränke für Lebensmittel herzustellen und mancherorts sogar als Dachpappe. „Die Rinde ist antibakteriell und pilzhemmend“, erläutert Mergelsberg. Das sei jene Eigenschaft, die seine Bodenbeläge zur Verwendung in Bädern und Saunaräumen geradezu prädestiniere, fügt er hinzu. Eine ständig hohe Luftfeuchtigkeit mache gar nichts, sogar im nassen Zustand sei solch ein Bodenlaminat rutschfest, verspricht er. Überhaupt, die Griffigkeit: Bisher stellt die Firma vor allem Handgriffe aus dem Birken-Pressmaterial her, für Werkzeuge, Rasierpinsel, Türklinken oder auch Fahrradlenker.

          Der Baustoff ist teuer, das Publikum exklusiv

          Selbst wenn bis zu siebzig Lagen der Rinde mit reichlich Druck aufeinandergepresst werden, gingen die baubiologisch wertvollen Inhaltsstoffe, ihr Schutzschild sozusagen, nicht verloren, schwärmt der Unternehmer: „Das Material hat den PH-Wert von 5,5, das entspricht dem der menschlichen Haut.“ Daher fühle es sich auch „samtig“ an. Eher stattlich sind bisher die Preise für die neuartigen Böden „made in Görlitz“, die Pionierarbeit der Firma hat ihren Preis, und so wird das „Nevi veneer“-Material zunächst nur etwas für ein auf Exklusivität zielendes Publikum sein.

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