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Sensorik, Big Data, Robotik : Die Immobilienbranche lahmt bei der Digitalisierung

Was erstaunlich ist, denn gerade im Bereich des sogenannten Proptech formiert sich gerade eine junge Start-up-Generation, die sich anschickt, nach dem Finanzmarkt (Fintech) und der Juristerei (Legaltech) auch die Immobilienbranche wachzurütteln. Proptech setzt sich aus Property, für Grundstück, und Technology zusammen. Nicht nur in Berlin, sondern auch in München, Frankfurt oder Köln arbeiten vermehrt junge Gründer, laut einer Übersicht des Fachblogs Gewerbe-Quadrat gab es im April bereits 161 deutsche Proptech-Unternehmungen.

Nicht alles ist immer schwarz oder weiß

Im Mai wurde auch erstmals ein Proptech-Preis vergeben, von der Union Investment Real Estate gemeinsam mit dem German Tech Entrepreneurship Center, einem Berliner Privatcampus für Technologieunternehmen. „Wir haben den Proptech Innovation Award ins Leben gerufen, um potentiell disruptive Geschäftsmodelle für die Immobilienbranche zu identifizieren“, sagt Jörn Stobbe, Geschäftsführer von Union Investment Real Estate, zur Verleihung. Die Start-ups, die dort gewonnen haben, teilen sich 35.000 Euro Preisgeld. Darunter ist ein Jungunternehmen namens Architrave, das Software entwickelt, die Dokumente automatisiert einliest. Zu dessen Kunden gehört etwa der Immobilienbewirtschafter Beos, der nicht zu den Kleinsten der Branche gehört. Es gilt also auch, besonders in so einem weiten Feld wie der Digitalisierung: Nicht alles ist immer schwarz oder weiß.

Im Bundesverband Deutsche Start-ups etwa hat sich jüngst eine eigene Fachgruppe zu Proptech gebildet. Vorangetrieben wird sie auch von Dustin Figge, Mitgründer von Homelike, das Wohnungen an Geschäftsleute auf Zeit vermietet. Aber abkoppeln von den etablierten Spielern will sich Homelike nicht: „Als Start-up in der Immobilienindustrie brauchen wir die größeren Player, die in digitalen Modellen einen Mehrwert sehen und sich hier aktiv weiterentwickeln wollen“, sagt Figge. Der Immobilienmarkt sei aber einer der am wenigsten digitalisierten Märkte, was Interesse bei Start-ups wecke. Gleichzeitig lernen die Jungen auch fleißig von den Alten: „Der Immobilienmarkt ist gezeichnet von sehr aktiven, funktionierenden und über eine sehr lange Zeit herangewachsenen Netzwerken, die viel auf Vertrauen basieren“, sagt Figge. Das sei besonders in der Vermarktung von Immobilien der Fall. „Dieses Vertrauen kann man sich als Start-up nicht über Nacht erarbeiten.“ Das Jungunternehmen steht noch am Anfang und muss erst noch beweisen, dass es das Zeug hat, in einer Branche zu bestehen, die nicht grundlos jahrelang fern des Start-up-Radars war. Nicht jeder steigt so leicht ins Immobiliengeschäft ein.

Doch zeigt sich auch bei Homelike, dass gestandene Unternehmen sie zumindest im Blick haben. So gehört zu den Investoren neben klassischen Tech-Risikokapitalgebern auch die Turi Holding, das ist die Dachgesellschaft der Deutschen Reihenhaus AG, die sich auf den Bau von Reihenhäusern spezialisiert hat. Außerdem ist der Vorstand des Kölner Bauunternehmens Bauwens an Homelike beteiligt, in Person der Adenauer-Enkel Patrick und Paul Bauwens-Adenauer und dem dritten Geschäftsführer Alexander Jacobi. Das ergibt ein Blick auf die Gesellschafterliste. Denn Bauwens selbst möchte zu Investments keine Stellung nehmen, das Unternehmen kommuniziert das überhaupt nicht. In mindestens ein weiteres Start-up aus der Immobilienbranche ist Bauwens trotzdem investiert, Optionspace heißt ein Anbieter für flexible Büroflächen, auch das Jungunternehmen unterstützt der Vorstand.

Es zeigt sich also: Ein Problembewusstsein für die Herausforderung der Digitalisierung ist in der Branche vorhanden. Gleichzeitig tut sich auch etwas, wenngleich nicht alle darüber reden wollen. Erstaunlich ist trotzdem, wie viele Bereiche sich noch vollkommen unbeachtet vom Immobiliensektor entwickeln, obwohl dort zukünftig einiges an Potential liegt.

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