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Internetbetrug : Betrüger kapern Immobilienportale

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Höchste Vorsicht ist bei Immobilienanzeigen immer dann geboten, wenn die Miete für die angebotene Wohnung außerordentlich günstig erscheint. Bild: obs/ImmobilienScout 24

Immer häufiger werden Nutzer von Immobilienportalen im Internet Opfer von Betrügern. Die Täter folgen fast immer dem selben Schema: Gefälschte Annonce, Gebühr vorab – Geld futsch.

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          In Immobilienportalen im Internet finden sich immer mehr betrügerische Angebote. Betrüger versuchen mit gefälschten Haus- und Wohnungsanzeigen an persönliche Daten von Nutzern zu gelangen und deren Geld zu erbeuten. Oft inserieren sie Immobilien zu Spottpreisen, die es so nicht gibt, und verlangen von den Interessenten hohe Gebühren für die Besichtigung oder „Vorabkautionen“ für die Schlüsselübergabe – doch tatsächlich kommt es weder zum einen noch zum anderen. Derartige Attacken betreffen nach Angaben von Portalbetreibern inzwischen nicht mehr nur Mietangebote, sondern immer häufiger auch Kaufinserate für Häuser und Eigentumswohnungen. Außerdem ist die Welle von Betrugsannoncen von Deutschland auch nach Österreich und in die Schweiz geschwappt.

          Der Schaden kann im Einzelfall mehrere hundert bis einige tausend Euro betragen, warnen die Landeskriminalämter. Eindringlich mahnen Beamte des LKA Bayern und des LKA Nordrhein-Westfalen: „Es kommt immer wieder vor, dass die Täter mit dieser Masche Erfolg haben.“ Und zwar vor allem in Großstädten, in denen die Kauf- und Mietnachfrage größer ist als das Angebot. Das Ausmaß des Betrugs ist schwer zu ermessen, weil Immobilienfälle in der polizeilichen Kriminalstatistik nicht eigens ausgewiesen werden und es eine Sonderauswertung dazu bisher nicht gibt. Außerdem sind die Dunkelziffern hoch, weil viele Geprellte aus Scham nicht Anzeige erstatten. Zudem bleiben viele Falschangebote unentdeckt.

          Wird eine günstig angebotene Wohnung mit einem solchen Foto beworben, sollten die Nutzer von Immobilienportalen höchst misstrauisch sein: Oft stecken Betrüger hinter den Angeboten.
          Wird eine günstig angebotene Wohnung mit einem solchen Foto beworben, sollten die Nutzer von Immobilienportalen höchst misstrauisch sein: Oft stecken Betrüger hinter den Angeboten. : Bild: AFP

          Marktbeobachter sprechen aber von mehreren hundert Falschannoncen pro Woche. Der Warndienst Wohnungsbetrug.blogspot listet für 2014 bereits 3300 Einträge von Falschannoncen auf. Die Anbieter Immoscout, Immonet und Immowelt sind sich des Problems bewusst. „Bei uns gehen pro Tag etwa 250 Meldungen von Nutzern ein, denen Anzeigen merkwürdig vorkommen“, teilte Immoscout der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. mit. Oft bezögen sich mehrere Meldungen auf dasselbe Objekt. Das Unternehmen entfernt nach eigenen Angaben jede Woche 500 Objekte von seiner Internetseite. Ein Team mit Mitarbeitern kümmere sich darum. Der Anbieter Immowelt spricht von Betrugsanzeigen im „niedrigen Promillebereich“. Das sind bei 150.000 Anzeigen wöchentlich einige hundert Fälle.

          Erst einlullen, dann abzocken

          Die Täter gehen fast immer nach derselben Masche vor. Eine Wohnung in bester Lage wird zum Schnäppchenpreis angeboten. Daraufhin melden sich Kunden per E-Mail. Ihnen erklärt der vermeintliche Wohnungsbesitzer, er lebe im Ausland, habe die Immobilie beruflich genutzt oder für seine studierenden Kinder gekauft und bar bezahlt. Meist erzählt er detailreich aus seinem Leben und bittet auch den Kunden um Details. So baut er Nähe auf, bevor er Einkommensnachweise oder Schufa-Auskünfte verlangt, nach Bank- und anderen Daten fragt. Am Ende teilt der Verkäufer mit, der Interessent sei genau der Richtige für die Wohnung, nur könne er selbst wegen der Entfernung oder einer Krankheit nicht zur Besichtigung anreisen. Er sende aber den Schlüssel gegen eine Kaution oder einen Teil der Kaufsumme zu. Die geforderte Summe reicht von 500 oder 1000 Euro bis zu einem Prozent des Kaufpreises. Die Zahlung soll mit Transferdiensten wie Western Union oder Money Gram erfolgen, bei denen sich die Spur des Geldes nicht nachverfolgen lässt. „Wer darauf eingeht, sieht sein Geld garantiert nie wieder“, warnt ein Sprecher des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen.

          Die Masche ist offenbar so erfolgreich, weil sich Kunden bei Einkäufen im Internet an Vorauskasse gewöhnt haben. Zudem werden die Betrüger immer professioneller: Inzwischen kapern sie sogar die Identitäten von realen Personen, zu denen es in Suchmaschinen viele Einträge gibt. Oft nennen sie auch Maklernamen oder hacken Makleraccounts, um die Anzeigen einzustellen. Einige der Wohnungen gibt es sogar wirklich, nur sind sie längst vermietet oder verkauft. Die Täter kopieren einfach Texte und Bilder aus alten Annoncen und bieten die Objekte ein weiteres Mal an, in dreisten Fällen sogar unter der gleichen Adresse. Manche ahnungslose Vermieter sahen sich schon von Kaufinteressenten verfolgt.

          Die Polizei ruft dringend dazu auf, im Verdachtsfall Strafanzeige zu erstatten. Zwar werden die Opfer wohl nie ihr Geld wiedersehen, weil die Täter im Ausland leben und mit fiktiven E-Mail-Adressen und Prepaid-Telefonkarten ihre Identität erfolgreich verschleiern. „Aber für die Polizei ist wichtig zu wissen: Wo handeln die Täter derzeit? Nur so können wir die Bevölkerung warnen“, heißt es beim Landeskriminalamt NRW.

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