https://www.faz.net/-gqe-wgiz

Bauschäden : Pfusch macht Hausbau zum Risiko

Hier fehlt oft die unabhängige Aufsicht Bild: AP

Allen Warnungen zum Trotz: Die Zahl der Baumängel steigt. Betroffene Hausbesitzer kommt das im Zweifel teuer zu stehen. An ihren Nerven zerrt der Ärger allemal.

          3 Min.

          Wenn einer ein Haus baut, dann kann er was erzählen. Zum Beispiel über Risse im Putz, Wasser im Keller, vergessene Stromanschlüsse oder falsch gelieferte Baustoffe. Über kleine Mängel und große Schäden, über Schlamperei und groben Pfusch - die Fehlerkette reicht von den ersten Plänen bis zum letzten Pinselstrich.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Berichte über Bau- und Planungsfehler sind ein Dauerbrenner, seit Jahren. Beim Verband Privater Bauherren (VPB) kennt man die Klagen zur Genüge. Und trotz aller Aufklärung: „Es bessert sich nichts“, sagt Eva Reinhold-Postina vom VPB. Von Entwarnung könne keine Rede sein, stellt die Ingenieurin fest.

          Bauschäden nehmen zu

          Im Gegenteil. Die Zahl der Schadensfälle steigt, wie Pascal Klein von Dekra Real Estate Expertise GmbH berichtet. Das Prüfunternehmen hat gerade seinen jüngsten Bauschadensbericht abgeschlossen. Das Ergebnis: „Seit 2003 hat die Anzahl der durchschnittlichen Mängel um 34 Prozent zugenommen“, sagt Klein. Fünfzig der von ihnen in den vergangenen zwei Jahren betreuten Bauvorhaben haben die Prüfer ausgewertet. Im Schnitt stellte die Gesellschaft 32 Mängel je Projekt fest. „Pfusch am Bau ist kein Gespenst“, urteilt Klein mit Blick auf die hohe Zahl der Schäden.

          Besonders häufig treten sie nach Beobachtung der Experten beim Bau schlüsselfertiger Häuser und Eigentumswohnungen auf. Dabei erwarten die Käufer gerade bei diesen Angeboten, dass sie mit dem Bau möglichst wenig Ärger haben werden. Schließlich liefert der Bauträger ihnen ein komplettes Paket vom Architektenentwurf bis zum Innenausbau. In Neubaugebieten oft gleich in Serie erstellt, gelten die Bauträgerhäuser als einer der bequemsten Wege, zum Eigenheim zu gelangen.

          Es fehlt die Kontrolle

          Bauexpertin Reinhold-Postina sieht allerdings eine besondere Schwäche dieser Angebote: Die unabhängige Aufsicht fehlt. Zwar gibt es selbstverständlich auch bei den schlüsselfertigen Projekten eine Bauleitung. „Doch die wird vom Anbieter bezahlt, vertritt also nicht unbedingt die Interessen des Käufers“, beschreibt sie das Problem. „Im Verhältnis Bauherr-Generalunternehmer fehlt oft die Kontrollinstanz“, bestätigt auch Prüfer Klein.

          Noch verzichten viele Bauherren darauf, die Dienste eines unabhängigen Prüfers in Anspruch zu nehmen, wie sie Dekra, VPB, der Bauherren-Schutzbund, TÜV, aber auch selbständige Ingenieure und Architekten anbieten. „Die Leute wollen es möglichst billig und sparen auf diesem Gebiet“, hat die auf Baurecht spezialisierte Anwältin Gabriele Wenzelewski beobachtet. Ein Fehler, wie sie meint. Denn ohne Kontrolle häufen sich die Mängel dramatisch. Und für die Bauherren als Laien sind die zahlreichen Fehlerquellen kaum zu überblicken.

          Wie viel eine begleitende Baukontrolle am Ende kostet, bei der der Prüfer die Baustelle mehrmals besucht und die Einhaltung der Vertragsangaben kontrolliert, hängt vom Zeitaufwand des Gutachters ab. Der Betrag kann von ein paar hundert bis zu ein paar tausend Euro reichen. Die Investition lohne sich, denn die Schadenssumme, um die am Ende gestritten wird, ist oft deutlich höher, urteilt die Berliner Baurechtsexpertin.

          Teure Schäden

          Die hohe Zahl der Mängel geht ins Geld. Bis zu 31.000 Euro fallen laut Dekra am Ende durchschnittlich je Bauprojekt an. Allein für die Mängelbeseitigung veranschlagt das Prüfunternehmen im Schnitt 10.300 Euro. Hinzu kommen Kosten für Gutachter, Anwälte und Gericht sowie ein möglicher Wertverlust. „Das individuelle Risiko einer finanziellen Mehrbelastung ist für die Bauherren hoch“, sagt Dekra-Experte Klein. Er gibt zu bedenken, dass ein Großteil der Hauskäufer nur einmal im Leben in eine Immobilie investiert und das finanzielle Budget für viele Erwerber vor allem in den ersten Jahren kaum Raum für Extra-Ausgaben bietet. Nicht messen lässt sich der Ärger und die Zeit, die die Betroffenen für Telefonate und Briefwechsel mit dem Anbieter, Anwälten und Gutachtern benötigen.

          Grundsätzlich verteilen sich die Mängel nach Angaben der Dekra über den gesamten Bau, das heißt vom Dach bis zum Keller. „Einen Fehlerschwerpunkt gibt es nicht“, sagt Prüfer Klein. Der Verband Privater Bauherren sieht eine der Hauptquellen für den Ärger der Bauherren in den Verträgen. „Wenn wir fragen, was wirklich schiefgegangen ist, stoßen wir immer wieder auf die Baubeschreibung“, erzählt VPB-Sprecherin Reinhold-Postina. Drei Viertel aller Baubeschreibungen sind ihrer Einschätzung nach „frei gestaltbar“. Das heißt, die Leistungen sind nur allgemein formuliert.

          Vage Angaben sorgen für Ärger

          Ein Beispiel: Den Bewohnern eines Neubaus mit Südausrichtung wird im Vertrag ein „hochwertiges Verschattungssystem“ versprochen. Doch an den ersten heißen Tagen nach dem Einzug erweisen sich die schicken weißen Außenrollos als untauglich. Denn sie sind so wenig robust, dass schon ein leichter Wind sie abzureißen droht. Die Folge: Die Bewohner können ihre Wohn- und Schlafräume an schönen Tagen nicht dauerhaft abdunkeln. Unter „hochwertig“ hatten sie sich etwas anderes vorgestellt als der Bauträger, der bei der Beschreibung offenbar mehr Material und Design im Blick hatte als die Funktionstüchtigkeit. Für Ingenieurin Reinhold-Postina ein typischer Fall, in dem vage Angaben Ärger - und Kosten durch eine notwendige Umrüstung - verursachen.

          Doch auch wenn die Baubeschreibung exakte Angaben enthält, drohen Mängel. Da produziert die Fußbodenheizung scharfe Metallgeräusche, weil die Ventile falsch sind, was erst ein Gutachter feststellt. Oder es wird ein Zementsack entsorgt - der das Abwasserrohr abreißt, was erst Monate später festgestellt wird. Oder der Keller steht bei starkem Regen unter Wasser, weil die Isolation der Außenmauer fehlt. „Der Hausbau ist ein fehleranfälliger Prozess“, gibt Dekra-Baufachmann Klein zu bedenken. Was vereinbart wurde, wird auf der Baustelle nicht immer eingehalten. Und bei der Wärmedämmung wird berechnet, was oft gar nicht gemacht wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.