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Ob Fassade oder Interieur : Warum wird so wenig mit Holz gebaut?

Gerade jetzt, wo Wohnraum in den Städten schnell, kostengünstig und mit guter Ökobilanz geschaffen werden soll, könnte Holz seinen großen Auftritt haben. „Wenn es darum geht, Gebäude aufzustocken, ist der Baustoff konkurrenzlos“, sagt auch Roth. Das liegt im Fall der Dachaufbauten an der Leichtigkeit des Materials wie an der Möglichkeit, mit weitgehend vorgefertigten Modulen zu arbeiten. „Der Holzbau steht erst vor seiner wirklichen Rückkehr in die Städte“, sagt Tom Kaden, der sich ausdrücklich gegen eine „Holzbauideologie“ verwahrt, sondern vielmehr je nach Bauaufgabe auch die Kombination mit anderen Baustoffen für sinnvoll hält. „Nur geschäumtes Erdöl, das geht gar nicht.“

Steht der Holzbau vor seiner Rückkehr?

Zusätzlichen Auftrieb hat das Thema ausgerechnet durch die Flüchtlinge bekommen, durch die sich in vielen Städten die Lage am Wohnungsmarkt noch verschärft hat. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit seriellen Notunterkünften ist der Holzbau ins Spiel gekommen. Ein Blick zurück nach Schweden zeigt einen anderen Ansatz: Dort sucht die Gemeinde Knivsta im Großraum Stockholm-Uppsala eine langfristige Lösung. Mit der Königlichen Technischen Hochschule (KTH) in Stockholm und dem Kunst- und Raumlabor Färgfabriken als Initiator arbeitet die Stadt gerade an einem Prototyp von Mehrfamilienhaus. Das aus Holzmodulen errichtete Gebäude soll inklusive ausgebautem Dach vier Stockwerke hoch sein und sieben Mietwohnungen beherbergen. Als Standort hat die Kommune ein neues Wohngebiet vorgesehen. Damit das Haus dort optisch kein Fremdkörper wird, muss der Holzbau ein ortstypisches Satteldach haben, betont Hans-Petter Rognes, Geschäftsführer der örtlichen Wohnungsgesellschaft.

Vorzeigeprojekt C13: So kann urbaner Holzbau auch aussehen.

Anders als Folkhem mit seinen Eigentumswohnungen aus Vollholz verfolgt man in Knivsta keine Öko-Mission. Rein pragmatisch ist der Plan jedoch auch nicht. Vielmehr geht es um die sozialen Aspekte „demokratischer Architektur“: Integration und Teilhabe. Das günstige, selbstgebaute Eigenheim aus Holz habe ja eine lange Tradition in Schweden, sagt Jan Rydén von Färgfabriken. „Daran wollen wir anknüpfen.“ Die Idee für Knivsta heißt: „Self Build City“ – Flüchtlinge mit Kenntnissen in Architektur und Bauhandwerk sollen beim Bau des Prototyps mitanpacken. In der Entwurfsphase ist etwa ein aus Afghanistan stammender Planer beteiligt. Was die zukünftigen Bewohner angeht, wünsche man sich aber einen sozialökonomischen Mix, stellen die Macher klar – und hoffen, dass sich der Prototyp bewährt und das Beispiel Schule macht.

Arne Olssons Folkhem hat mit Strandparken die erste Bewährungsprobe hinter sich. Mittlerweile informierten sich auch Kommunen und Bauexperten aus China über das „Leuchtturmprojekt“ in Sundbyberg. „Das Interesse ist riesig“, sagt er – und wartet darauf, endlich in Serie zu gehen.

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