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Neue Häuser : In diesem Loft ist Rost erwünscht

Behält den Durchblick: Beim Kochen reißt das Gespräch nicht ab. Doch was in der Küche genau passiert, bleibt dem Gast verborgen. Bild: Daniel Pilar

Wo einst Hannovers Maschinenbauer malochten, sind Wohnungen entstanden - komfortabel und gut gedämmt. Bauherr Ulf Schröder wollte in seinem Loft den ruppigen Charme der Halle bewahren. Das war eine Herausforderung.

          5 Min.

          Die Sache begann mit einer Zeichnung zu vorgerückter Stunde, rasch hingeworfen auf einer Serviette. Man saß zusammen am Küchentisch bei einem Glas Rotwein, und Ulf Schröder erzählte von diesem interessanten Bauvorhaben, das es da in Hannover-Linden geben solle. Loftwohnen in einem alten Industriedenkmal. Ein Entwickler wolle die einstige Werkshalle in 23 Einheiten für eine Baugemeinschaft aufteilen. Schröder hatte das verwaiste Gebäude schon gesehen: außen Klinker mit gigantischen Sprossenfensterfronten, innen ein riesiger Raum. Einzig die gewaltigen Stahlträger rasterten die Leere der mehr als hundert Jahre alten Halle.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Gedanke, in diesem Umfeld zu leben, faszinierte den Arzt. Besonders die Idee, ein Loft im Erdgeschoss zu beziehen, hatte es ihm angetan. Mehr als sechs Meter sollten die Decken dort hoch sein. Was für Möglichkeiten sich da auftaten. Deshalb war er an diesem Abend mit den Unterlagen zum Projekt nach Gelsenkirchen zu einem befreundeten Architekten gefahren. „Was meinst du dazu?“, fragte er Mark Altgassen. Der begann zu zeichnen: einen tiefen, rechteckigen Raum, in dessen Mitte ein eingeschobener, zweigeschossiger Block zu erkennen ist. Ganz deutlich sieht man eine massive Trennwand, durch die ein Ausschnitt Einblick in das Innenleben des Blocks gewährt.

          Gut vier Jahre ist das jetzt her. Die Skizze gibt es noch heute. Kopiert und gedruckt ist sie Teil einer mehr als vierzig Seiten starke Mappe voller detaillierter Bauzeichnungen und Pläne zum Vorhaben. Altgassen hat sie mitgebracht, und nun liegt sie auf dem Küchentresen von Schröders Loft in Hannover. „Verrückt“, sagt der, „aber es ist doch alles ziemlich genau so gekommen, wie wir uns das damals gedacht haben.“

          Mehr als sechs Meter hohe Decken

          Dabei waren die Chancen zunächst nicht besonders hoch, dass sein Loft nach Altgassens Plänen gebaut würde. Die beiden hatten sich ein paar Jahre zuvor über ein anderes Bauvorhaben kennengelernt. Damals ging es um ein Ärztehaus. Sie wurden Freunde, und für Schröder war es keine Frage, mit wem er das Loft-Projekt am liebsten verwirklichen wollte. Doch hinter dem Umbau einer der alten Werkshallen der im ausgehenden 19. Jahrhundert gegründeten Hannoverschen Maschinenbau AG (Hanomag) stand mit Agsta Architekten und Ingenieure ein ortsansässiges Architekturbüro. Das war individuellen Bauherrenwünschen gegenüber prinzipiell aufgeschlossen. Was aber Schröder den Planern vorlegte, nachdem sein Freund Altgassen innerhalb weniger Tage den hingekritzelten Entwurf in deutlich detailliertere Pläne verwandelt hatte, war Agsta für eine eigene Ausführung zu aufwendig.

          Das Loft sollte so aussehen: In der Mitte des 18 Meter langen, mehr als 7 Meter breiten Raums bilden zwei Wandscheiben aus Sichtbeton einen Kern, der neben der Küche auch ein Gästebad und Wandschränke beherbergt und auf einer zweiten Ebene ein Schlaf-, zwei Arbeits- und ein Badezimmer. Diesen Kern kann man umrunden, an seinen Stirnseiten liegt Richtung Garten das Wohnzimmer, zur Straße hin der Essplatz. Wie schon im ersten Entwurf vorgesehen, hat die Trennwand zum Esstisch hin eine Öffnung, so dass das Gespräch nicht stockt, wenn Hausherr Ulf Schröder oder seine Frau Andrea Hauser in der Küche verschwinden, um das Essen vorzubereiten oder Nachschub zu holen. Die Kommunikation reißt nicht ab, doch was sich in der „Kochwerkstatt tut, sieht keiner“, wie Schröder es formuliert.

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