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Neue Häuser : In diesem Loft ist Rost erwünscht

Tatsächlich mussten die Arbeiter eine Wand zweimal gießen, weil das Ergebnis zu schlecht war. Kopfzerbrechen bereitete Planer und Bauherren auch die Idee mit dem Durchguck zwischen Küche und Essplatz. Wie soll man eine so große Aussparung hinbekommen? Am Ende blieb nur die Möglichkeit, erst zu gießen und dann zu sägen.

Viel Getüftel

Auch der Bau der Treppe hatte es in sich. Die erste Idee sah noch vor, die Stahlstufen über die Betonwand laufen zu lassen. Doch das war Altgassen zu heikel, weil er einen starken Trittschall befürchtete. Er stellte sich als Kontrast zur massigen Betonwand und der ruppigen Anmutung des Stahls eine leichter wirkende Konstruktion vor. Zunächst mit Papier begann er, am Modell eines Falttragwerks zu basteln. Seine Idee: Die einzelnen Stufen aus dünnem Stahlblech sollten so geschnitten und gekantet werden, dass sie allein durch ihre Formgebung tragen. Der Planer ließ eine Musterstufe anfertigen, die dann gemeinsam mit einem Schlosser optimiert wurde. Obwohl aus schwerem Material, hat die Treppe etwas Schwebendes. Ihre Stufen sind breit genug, um sich darauf niederzulassen und von dort ins Wohnzimmer zu blicken.

Noch an einer anderen Stelle des Lofts hat Stahl einen besonderen, unerwarteten Auftritt. Im Gästebad im Erdgeschoss hat Altgassen das Waschbecken auf ungewöhnliche Weise in Szene gesetzt: Vor der Wand sitzt - 60 Zentimeter breit und 2,20 Meter hoch - eine Platte aus Cortenstahl. Diese wurde so aufgeschlitzt, dass sich das rostbraune Blech nach oben und nach unten biegen ließ. So entstand eine Halteplattform, auf der das Waschbecken sitzt. Anders als sonst üblich, liegen Siphon und die Wasserleitungen samt Absperrhähnen frei - und holen ausgerechnet an diesem Ort etwas vom ehemaligen Werkstattcharakter des Gebäudes zurück. Fünf Gewerke waren an der Inszenierung dieses robusten Waschtischs beteiligt: Trockenbauer, Elektriker, Sanitärfachmann, Tischler und Schlosser. Als besondere Zutat hat sich Ulf Schröder eine das Stahlblech rahmende Lampe gewünscht, die LED-Licht in wechselnden Farben in den Raum wirft. Gästebad und WCs sind für gewöhnlich eher in der Planung vernachlässigte Räume. Im Loft von Andrea Hauser und Ulf Schröder jedoch überrascht dieser Raum.

Seit zwei Jahren wohnen die beiden mittlerweile in der alten Hanomag-Halle. Von der Skizze auf der Papierserviette bis zum Einzug gingen mehr als zwei Jahre ins Land. Denn auch wenn der Entwurf rasch stand, die vielen Details brauchten Zeit. Anstrengend war es, aber auch schön, sagt Ulf Schröder, und dass er noch mal bauen würde. „Wenn sich wieder etwas Spannendes ergibt.“

Das Haus kurz und knapp

  • Baujahr 1917/2013
  • Bauweise Industriedenkmal „Eisenskelettbau“ und Mauerwerk
  • Wohnfläche 200 Quadratmeter
  • Baukosten 300.000 Euro
  • Standort Hannover

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