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Neue Häuser : In diesem Loft ist Rost erwünscht

Betonwände bilden Kern

Der Projektentwickler schlug vor, dass Altgassen im Fall Schröder den Ausbau des Lofts übernehmen sollte. Das Büro aus Hannover kümmerte sich um die übrigen 22 Einheiten und um die Gebäudehülle, deren Vorderseite erhalten wurde, während die Rückseite zum Hof hin neu ist, außerdem um den Bau des Treppenhauses samt Wohnungstüren - all dies sollte einheitlich sein. Altgassen war einverstanden. Da er allerdings nicht ständig von Gelsenkirchen zur Baustelle nach Hannover reisen konnte, wurde ein Bauleiter engagiert.

Wie erhält man etwas von der Atmosphäre der alten Hanomag-Halle? Das war die Frage, die ihn die ganze Zeit über umgetrieben habe, erzählt Altgassen. Denn eines war ihm von Anfang an klar: Durch Ausbau und Sanierung würde sich der Innenraum völlig verändern. Auf ein Baudenkmal kann man schließlich keine Außendämmung kleben. Doch in der alten Hülle sollten hochwertige Wohnungen entstehen, die den heutigen Standards und Ansprüchen an Energiebedarf und Wohnkomfort genügen. Dazu musste das rohe Mauerwerk hinter einer Innendämmung verschwinden und die Stahlträger in eine Verkleidung gepackt werden. Mit all diesen Aufwertungs- und Sicherheitsmaßnahmen aber würde der Innenraum sich radikal verwandeln. „Der rotzige Charme ist dann erst mal weg, aber genau den wollten wir hier wieder reinholen“, sagt Altgassen.

Eine neue Mauer aus alten Ziegeln lehnte er ab. „Klar, das ist eine Möglichkeit, an die Vergangenheit anzuknüpfen, aber die Backsteinwände sind nun mal hinter der Dämmung verschwunden“, erläutert er, was ihm an dieser Idee nicht gefällt. Er entschied sich dafür, gerade für die markanten neuen Einbauten auf Materialien mit Industriecharakter zu setzen. Die Wahl für die beiden Trennwände fiel auf Sichtbeton und für die Treppe, die hinauf in die oberen Räume führt, auf mit Flugrost überzogenen Stahl.

„Rotzigen Charme reinholen“

Diese Einbauten sollten zur besonderen Herausforderung werden. Altgassen, der vor dem Architekturstudium das Tischlerhandwerk gelernt hat, legt Wert darauf, dass sämtliche Einbauten gemeinsam mit den Handwerkern entwickelt wurden. „Die Idee kam von uns, aber dafür, wie man etwas Neues umsetzt, braucht man den Austausch“, sagt er.

Ulf Schröder ist ein anspruchsvoller Bauherr, das merkt man im Gespräch. Dem fünfzig Jahre alten Mediziner ist eine perfekte Ausführung wichtig. Weil er sich aber andererseits auch ein Loft wünschte, das nicht nur bauliche Standards bietet, waren seine Geduld und auch Fehlertoleranz gefordert. Zu den schwierigsten Aufgaben gehörten die beiden Wände aus Sichtbeton, die vor Ort an einem Stück gegossen werden sollten.

Bei einer Raumhöhe von mehr als sechs Metern ist das ein ziemlich waghalsiges Unterfangen. Allein die Gerätschaften in die Halle zu bringen, um die Masse von oben durch eine Decke in die Schalung füllen zu können, war keine leichte Aufgabe. Einmal drohte die Schalung sogar unter dem Druck des einfließenden Baustoffs zu platzen. Immerhin 12 Tonnen wiegt eine einzelne Scheibe. „Das war ein ganz schöner Ritt“, erinnert sich Altgassen. Allein beim Gedanken kehrt etwas von der damaligen Anspannung zurück.

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