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Neue Häuser : Eine Familiensache

Das Dach des einstigen Ziegenstalls bot den perfekten Übergang zwischen Haus und Garten. Das Satteldach kam weg. Dafür erhielt der Anbau eine Carportkonstruktion, deren Dach nun nicht nur die darunterliegenden Räume schützt, sondern zugleich Platz für die Terrasse bietet.

Die Terrassentür zählt zu den neuen Öffnungen, die zusätzlich Licht in den Raum bringen. Die alten Fenster waren mit Maßen von 1,40 mal 1,20 Metern klein. Entsprechend düster hätten die Räume gewirkt, erzählen die Bewohner. Daher entschieden sie sich, das eine und das andere Fenster zu verlegen beziehungsweise zu vergrößern. Um tiefe Fensterbänke zu gewinnen, sitzen die Fenster bündig in der Fassade. Wetterichs entschieden sich für Fenster des dänischen Herstellers Velfac, die sich nach außen öffnen lassen - nicht nur weil sie den skandinavischen Stil lieben, sondern auch weil diese Variante platzsparend ist. Das geöffnete Fenster ragt dann nicht in den Raum hinein.

Terrasse dank Carportkonstruktion

Die neuen Fenster mit ihren anthrazitfarbenen Rahmen springen ins Auge, geben sie dem Haus doch eine völlig andere Ausstrahlung als die hellen Holzrahmenfenster im Erdgeschoss. Wetterichs wissen, dass das ein ziemlicher Bruch ist. „Aber Oma wollten wir nicht mit einem ganz neuen Fenstersystem kommen“, begründet die Enkelin die inkonsequente Fassadengestaltung. So allerdings sieht man dem Haus auch von außen an, dass es im Innern nur in den beiden oberen Etagen saniert und umgebaut wurde und von zwei sehr unterschiedlichen Parteien bewohnt wird. Und das ist dann doch auf sympathische Art pragmatisch.

Wenn Wetterichs an die lange und anstrengende Bauzeit denken, wundern sie sich heute noch, wie gut die alte Dame den Dreck und Lärm verkraftet hat. Während der Bauzeit krachte einmal an einer Stelle die Decke zum Erdgeschoss durch. Ein anderes Mal gab es einen Wasserrohrbruch. Wie ihre hochbetagte Großmutter da so klaglos wie entschlossen die Gummistiefel angezogen und Wasser zu schippen begonnen habe, habe sie sehr beeindruckt, erzählt Martina Wetterich.

Herausforderung für alle

Auch sie selbst haben die Zähne zusammengebissen. Nachdem die erste Etage halbwegs fertig war und es an den Ausbau des Dachgeschosses und Bads ging, lebten sie eine ganze Weile mit einem Küchen-Bad-Provisorium. Seit Sommer 2014 allerdings ist das Haus so weit erst einmal fertig. Unterm Dach sind neben dem Bad das Elternschlafzimmer und das Kinderzimmer für die kleine Tochter entstanden. Außerdem gibt es ein Arbeitszimmer, das Ole Wetterich für sein Architekturbüro nutzt.

Besonders markant ist die Gaube des Dachgeschosses. Zwar gab es die Erweiterung schon zuvor, doch war diese kleiner. Außerdem fehlte ihr das schlanke, durchgängige Fensterband. Zur Straße hin fällt das Haus mit dem hellgrauen Putz nicht nur der neuen Fensteröffnungen und der in der Sonne rötlich schimmernden Cortenstahlwand wegen auf, die den Treppenaufgang ein wenig abschirmt. Immer wieder werden die Bewohner auf die Fuge im Putz angesprochen, die den Übergang zwischen Kellergeschoss aus Naturstein und dem Wohnhaus in Fachwerkbauweise markiert. „Das Haus fällt auf, aber es regt nicht auf“, sagt Ole Wetterich und nimmt das als gutes Zeichen.

Fit für die vierte Generation der Familie sollte der Bau werden. Das ist gelungen. Das älteste Haus im Viertel macht derzeit jedenfalls den frischsten Eindruck.

Bauherren vor

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