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Neue Häuser : Mach mehr aus deinem Typ!

Die Begeisterung ist ihm anzumerken, wenn er den einerseits schlichten, aber in seinen Details doch interessanten Anbau präsentiert. Er freut sich über die großen weißen Flächen, die der Raum bietet, denn sie sind der ideale Platz um Kunstwerke aufzuhängen. Doch ist der Anbau keineswegs nur Ausstellungsraum, an dem ausschließlich die erwachsenen Bewohner ihre Freude haben. Vor allem dient er den drei Kindern der Familie und ihren Freunden als großes Spielzimmer. Auch sie profitieren von der stattlichen Höhe des Raums, von dessen Decke Ringe und Taue hängen. Dieser Tage haben die Eltern außerdem Matten, Bock und Kasten aufgestellt. Auch eine Bank wie aus der Turnhalle steht zum Ausruhen oder Balancieren bereit. „Manchmal verwandelt sich hier alles in eine große Baustelle, wenn Bausteine ausgeräumt werden, oder in einen Festsaal, wenn wir feiern“, erzählt der Hausherr.

Hoher Aufwand für energetische Sanierung

Doch der neue Teil des Hauses beherbergt mehr als nur die „Mehrzweckhalle“. Auf Gartenniveau gibt es überdies ein offenes kleines Kaminzimmer, auf Erdgeschossniveau einen verglasten Arbeitsplatz, von dem aus man den Trubel in der Halle beobachten kann und von dem aus man eine Loggia erreicht. Diese ist in einer der Ecken des Anbaus plaziert und verhindert so, dass dieser zu wuchtig auftritt. Überhaupt stellen die gezielten Öffnungen Bezüge zwischen Alt- und Neubau wie Innen- und Außenraum her.

Die vorhandenen Fensteröffnungen sind im Prinzip nicht verändert worden. Im Zuge der energetischen Sanierung erhielt der Bau Holz-Alu-Fenster mit einer Drei-Scheiben-Isolierverglasung. Überhaupt die Gebäudehülle. Bei Bauaufgaben wie diesen steht sie für Bauherren und Architekten im Mittelpunkt der Überlegungen. Wie viel soll, will und muss man unternehmen? Ehepaar Bieber hatte den Anspruch, dass sein neues Zuhause energetisch möglichst optimal und komfortabel sein sollte. Mit 05 Architekten wählten die Bauherren ein Büro, das sich mit dem Thema energetische Sanierung schon intensiv auseinandergesetzt hatte. Das Haus wurde mit einer raumlufttechnischen Anlage mit hohem Wärmerückgewinnungsgrad ausgestattet. Der voluminöse Pufferspeicher für Heizung und Warmwasseraufbereitung wird von einem Gasbrennwertgerät mit Solarthermieunterstützung gespeist. Das Ziegelmauerwerk des Siedlungshäuschens sowie der neue Massivbau erhielten eine Dämmung aus Mineralwollplatten, der Dachstuhl des Altbaus eine Zwischen- und Aufsparrendämmung. Durch diese Mittel ist es gelungen, die Vorgaben der Energieeinsparverordnung um 30 Prozent zu unterschreiten, sagt Architekt Lang.

Sympathisch ist, dass dieser erhebliche Aufwand gestalterisch nicht ins Auge fällt. Zur Straße hin ist das Haus immer noch als das zu erkennen, was es war: ein Siedlungshäuschen aus den Fünfzigern. Zudem wurde es von einigen baulichen Auswüchsen und Übertreibungen befreit, die über die Jahre die vorherigen Besitzer dem Bau hatten angedeihen lassen. Zurückhaltend reiht es sich heute in die Nachbarschaft ein und zeigt, wie man Eindruck machen kann, ohne zu protzen. Die Fassade erhielt, typisch für das Wohngebiet, einem weißen Putz. Das Dach decken anthrazitfarbene Betonsteine. Als Zitat an die bauliche Tradition hat der Architekt die Dachrinne - anders als derzeit in Mode - nicht versteckt, sondern ihr einen minimalen Überstand gegönnt. All das macht das Haus der Familie Bieber zu einem gelungen Beispiel, wie man einen solchen Bau sanieren und für heutige Ansprüche weiterentwickeln kann.

Das Haus kurz und knapp

Baujahr 1953/2012

Bauweise Altbau in Ziegelbauweise, Neubau Massivbauweise

Energiekonzept Gasbrennwertgerät mit Pufferspeicher, raumlufttechnische Anlage, Solarthermie für Heizungs- und Warmwasserunterstützung

Wohnfläche 210 Quadratmeter

Baukosten (ohne Grundstück) 460 000 Euro

Standort Bad Homburg

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