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Neue Häuser : Die Hightech-Wohnskulptur

Ambitioniert: Bauherr Christian Malorny wollte keine neo-klassizistische Villa. Bild: Pein, Andreas

Muss eine Villa gediegen aussehen? Nein, findet Familie Malorny aus Berlin – und lässt sich beim Hausbau auf Neues ein. Vom Leben in einer architektonischen Herausforderung, die technisch auf höchstem Niveau ist.

          Berlin-Grunewald. Links und rechts stehen alte Villen. Hier und da versuchen Neubauten deren Pracht zu imitieren. Und dann inmitten all der satten Gediegenheit und Liebe zum Vergangenen das: ein Wohnhaus - optisch etwas verschroben und bis ins Detail ausgeklügelt. Eine klare Linie sucht man an ihm ebenso vergeblich wie ein Säulenportal. Zur Straße hin ist der Bau eher Klotz, zum Garten hin eine überraschend offene Wohnskulptur.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Die sechzigste Villa im Stil des preußischen Baumeisters Schinkel zu bauen, wäre langweilig gewesen“, sagt Christian Malorny. Der Bauherr ist Direktor eines Beratungsunternehmens, Maschinenbauingenieur, technikbegeistert, Liebhaber alter und neuer Automobile, Kunstsammler - und experimentierfreudig. Als er und seine Frau Weihnachten vor acht Jahren beschlossen, ihr Grundstück in Grunewald zu bebauen, stand für ihn fest: Das Haus sollte architektonisch eine Herausforderung sein und technisch auf höchstem Niveau.

          Keine langweilige Kiste

          Hightech-Eigenheime sind ja, was das Raumerlebnis angeht, bisweilen ziemlich langweilige Kisten. Bewohner wie Planer der smart homes neigen dazu, Gestalt und Raumwirkung für eine Nebensache zu halten. Ihnen geht es vielmehr um niedrigste Kennziffern zum Energieverbrauch und maximale Gebäudeintellingenz. Das Haus wird zu einer Art Maschine. Seine Wohnlichkeit bemisst sich danach, wie unkompliziert es sich per Smartphone oder per Tabloid bedienen lässt - gleich ob man zu Hause ist oder nicht. Aufregende Architektur wiederum hält sich oftmals nicht mit technischen Finessen auf. Im Gegenteil lehnen viele Architekten diese ausdrücklich ab, singen ein Loblied auf das Einfache und konzentrieren sich auf Blickachsen, Lichteinfall und das möglichst perfekte räumliche Wechselspiel zwischen Rückzug und Offenheit.

          Christian Malorny wollte kein Entweder-oder. Drei Jahre haben er, seine Frau und der Architekt Harald Schindele sich für die Planung Zeit gelassen. Da war zunächst die alles andere als ideale Ausrichtung des Baufelds, denn das Grundstück grenzt im Süden an die Straße. „Ein normaler Baukörper hätte daher den Garten verschattet“, erläutert Schindele. Das aber wollten er und die Malornys unbedingt vermeiden - und so viel Tageslicht wie möglich in Haus und Garten führen. Mit Hilfe eines 3-D-Simulationsprogramms entwarf der Architekt ein Gebäude, das seine eigenwillige Form samt Dachfaltwerk dem Lauf der Sonne verdankt. „So wie das Haus jetzt dasteht, hat es letztlich die Natur geformt“, erklärt Schindele die skulpturale Gestalt. Die hat etwas von dem, was vielen Luxusvillen fehlt, gleich ob sie neoklassizistisch daherkommen oder Epigone der klassischen Moderne sind: das gewisse Etwas.

          Auf die Gartenlandschaft wollte man sich auch bei der Fassadengestaltung beziehen. Die Bauherren hatten keine Scheu, dabei Neues auszuprobieren. So ließen sie das Haus mit einer Fliese verkleiden, zu deren pyramidenförmigen Struktur sie Tannenzapfen inspiriert hatten. Das wirkt freilich ein bisschen bemüht. Der Aufwand für die Fassade war jedenfalls enorm: Insgesamt 15.276 Fliesen kleben auf den Außenwänden. Sie wurden eigens in einer Manufaktur in Brandenburg gefertigt.

          Die bauliche Genehmigung zu bekommen, war nicht selbstverständlich. Denn die Fliese hatte keine Zulassung. Die zuständige Behörde musste von ihrer Fassadentauglichkeit erst überzeugt werden. Ein netter Effekt ergibt sich durch ihre unebene Form und weil die Plättchen asymmetrisch angebracht sind: Je nach Lichteinfall wirkt die Fassade anders.

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