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Neue Häuser : Refugium gesucht, Zuhause gefunden

Bild: Roeder, Jan

Ein Mann will nicht fort aus der Stadt. Er sucht nur einen Rückzugsort fürs Wochenende. Doch dann ist da dieses alte Bauernhaus. Und plötzlich ist alles anders.

          Die große Stadt ist mit dem Auto nur eine gute halbe Stunde entfernt, doch spätestens am Ortseingang von Ummendorf weiß Andreas Thoma: Jetzt beginnt eine andere Welt. Dort schüttelt man nur den Kopf über München mit seinen 1,4 Millionen Menschen, dem Gedränge, der Hektik und einem Wohnungsmarkt, der den Heerscharen der Suchenden so wenig bietet, zugleich aber so absurd viel von ihnen verlangt. Die Welt im Dorf westlich des Ammersees dagegen ist überschaubar: ruhige Straßen, 470 Ummendorfer und eine ganze Reihe alter Höfe.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einer davon gehört Thoma, seit der im Juli des Sommers 2011 kurzentschlossen den Kaufvertrag unterschrieb. Ein paar Jahre schon hatten er und sein Mann Eyüp Konak nach einem Refugium auf dem Land gesucht, um an den Wochenenden eine Auszeit von der Stadt nehmen zu können. Durchzuatmen. Irgendwann sahen sie im Internet eine Anzeige mit kurzem Text und später in Ummendorf ein bald 600 Jahre altes denkmalgeschütztes Bauernhaus mit kaputtem Dach, niedrigen Decken, buckeligen Wänden und einer Ausstattung von vorvorgestern. Dazu gehörte ein unmittelbar an das Haus anschließender Schweinestall jüngeren Datums.

          Zwei Typen können die Leute auf dem Land nicht leiden

          Außerdem trafen sie auf eine Erbengemeinschaft, die sich nur schweren Herzens von ihrem Familiensitz trennte und die den Fremden mit Misstrauen begegnete. Zwei Käufertypen kommen hier draußen auf dem Land gar nicht gut an, das hat Thoma gelernt: Städter, die mit ihrem Porsche vorfahren und die Leute auf dem Land mit ihrem großspurigen Auftreten vor den Kopf stoßen, und jene, die auf die meist üppigen Grundstücke der Höfe ein Dreifamilienhaus setzen wollen, damit sich ihre Investition auch ja rechnet. Thoma war weder das eine noch das andere. Er sprach von behutsamer Sanierung und begeisterte sich für die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner - und erhielt schließlich ein Angebot.

          „Ich hab’s in dem Moment einfach aus dem Bauch heraus entschieden“, erzählt er. Das alte Gehöft war charmant, der Preis nicht hoch - und großen Aufwand wollte er für seinen Wochenendsitz ja nicht betreiben. So richtig wusste der 36 Jahre alte Marketingfachmann in diesem Moment nicht, auf was er sich eingelassen hatte. „Und das war vielleicht besser so“, sagt der Architekt Klaus Heidenreich. „Denn wenn ich das Baudenkmal vorher gesehen hätte - womöglich hätte ich ihm abgeraten.“

          Das Vorhaben war zu aufwendig

          Heidenreich, der schon die Sanierung einiger Baudenkmäler geleitet hat, erkannte ziemlich schnell, wie es um den historischen Bauernhof bestellt war, der ohne Bodenplatte auf dem Erdreich stand. Nicht nur, dass es durch das Dach regnete und der obere Teil des Hauses in einem so schlechten Zustand war, dass dringend gehandelt werden musste, um größeren Schaden zu verhindern. Von unten kroch auch noch die Feuchtigkeit die Wände hoch. „Und dann sind bei einem solchen Projekt immer die Unwägbarkeiten, die noch drohen und die man erst sieht, wenn das ganze Traggerippe frei liegt“, sagt der Architekt.

          Nach wenigen Wochen Bauzeit wurde Thoma denn auch klar, dass der Aufwand für ein Wochenendhaus zu groß war. So beschlossen er und Eyüp Konak: „Wir probieren es und ziehen aufs Land.“ Das zuvor deutlich niedriger angesetzte Budget wurde auf 2000 Euro je Quadratmeter erhöht. Und von dieser Entscheidung an lief das Vorhaben mit einer ganz anderen Entschlossenheit.

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