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Neue Häuser : Ein Hauch von Richard Neutra

Holz, Porenbeton, Glas, Aluminium und Ziegel - der kluge Einsatz der Materialien, sorgt für ein unverwechselbares Äußeres. Bild: Andreas Pein

Es muss nicht immer das Vier-Wände-plus-Dach-Schema sein. Das beweist eine Villa bei Berlin mit ihrem eigenwilligen, aber alles andere als unpassenden Auftritt.

          Im Anfang war das Bild. Genauer war da ein Buch voller Ausschnitte aus Architektur- und Bauzeitschriften, die Häuser, Dächer und Fassaden zeigten. Gut anderthalb Jahre haben Christian von Weschpfennig und seine Frau gesammelt. Alles, was den beiden an Gebautem gefiel, landete als Bildmaterial in der Mappe. Alte Häuser, neue Häuser. Häuser wie Würfel und Toskana-Villen. Häuser aus Holz, aus Stein und mit viel Glas. In ihren Köpfen baute das junge Ehepaar aus all den Abbildungen Traumhäuser. Dann fand von Weschpfennig ein Grundstück, nur 500 Meter Luftlinie von seinem Elternhaus entfernt, umgeben von schönen hohen Bäumen - und das Träumen hatte ein Ende.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          David Steiner und Karl Weißenberger erinnern sich noch gut an das erste Treffen mit den Weschpfennigs und ihren Bildkatalog. Die beiden Berliner Architekten hatten zuvor schon für ein anderes Mitglied der Familie gebaut. Im Gespräch mit dem 35 Jahre alten Bauunternehmer und seiner Frau kristallisierten sich folgende Wünsche heraus: Das Haus sollte nach innen und außen Offenheit ausstrahlen, ohne die Bewohner und ihr Leben zur Schau zu stellen. „Bei aller Offenheit, Rückzug ist uns wichtig“, sagt Weschpfennig. Als Schüler hatte er ein Jahr bei einer Gastfamilie in den Vereinigten Staaten gelebt und von dort zwei Ideen mitgebracht, die er in seinem eigenen Haus nun gerne umsetzen wollte: einen großen Kamin als prägendes Element und eine Veranda vor dem Haus. Als Muss kam für die Bauherren eine besonders große Garage hinzu, die nicht nur Platz für das Auto der Familie, sondern auch für einen Firmentransporter bietet.

          Tüftelarbeit am Hang

          Zu den Eigenheiten des Grundstücks, das im ruhigen Wohngebiet einer brandenburgischen Kleinstadt liegt, gehört seine Hanglage. Immerhin vier Meter liegen zwischen der höchsten Erhebung des Geländes und dem tiefsten Punkt. Das Haus sitzt daher auf einem dem Geländeverlauf entsprechend abgestuften steinernen Sockel. Auch die Räume im Erdgeschoss, wo Küche, Ess- und Wohnzimmer sowie ein Gäste-WC und -Schlafzimmer angesiedelt sind, passen sich dem unterschiedlichen Höhenniveau an. Über eine große, gerade Treppe gelangt man ins Obergeschoss, wo auf der einen Seite zwei Kinderzimmer mit einem Bad in der Mitte liegen, auf der anderen Elternschlafzimmer und Bad, die wiederum den begehbaren Kleiderschrank rahmen.

          „Der ganze Bau war Tüftelarbeit“, sagt Christian von Weschpfennig, der als Mann vom Fach mit bautechnischen Fragen vertraut ist. Aber im Fall seines eigenen Neubaus war doch auch für ihn einiges neu. Denn die Architekten Steiner und Weißenberger entwarfen für die Familie ein Haus, das nicht dem üblichen Vier-Wände-Dach-Schema folgt. Die Planer haben sich an den von Richard Neutra in den fünfziger und sechziger Jahren in Amerika entwickelten Raumideen orientiert und mittels großer, die Fassade unterbrechender Glasflächen Außen- und Innenraum miteinander verschmelzen lassen.

          Außen- und Innenraum sollen verschmelzen

          Seinen eigenwilligen, aber alles andere als unpassenden Auftritt in der von Villen gesäumten Wohnstraße verdankt der Neubau allerdings der raumbildenden Konstruktion von vertikalen Wand- und horizontalen Deckenscheiben. Zur Straßenseite zeigen die weißen Wandscheiben Breitseite. Diese tragenden Elemente sitzen jedoch nicht nur an den Außenwänden. Sie ziehen sich vielmehr durchs Gebäudeinnere (siehe Grundrisszeichnungen) und kommen schließlich im rückwärtig gelegen Garten mit ihrer schmalen Stirnseite an - wodurch sich das Haus öffnet. Zusammen mit eingestellten Holzwänden bilden die Wandscheiben die Räume des Hauses. Die Deckenscheiben schließen mal bündig ab, mal stehen sie über, was dem Bau Dynamik verleiht. Auch der Materialmix aus Porenbeton, Holz und Ziegel trägt dazu bei.

          Er habe ein Haus gewollt, das etwas darstellt, aber auf keinen Fall schwer und klotzig wirkt, sagt Weschpfennig. Fotos von Häusern sammelt er nicht mehr. Gut möglich aber, dass eine Abbildung seines Hauses nun im Ideenbuch anderer Bauinteressenten landet.

          Das Haus kurz und knapp

          • Baujahr 2014
          • Bauweise Massivbau mit Stahlbetondecken und eingestellten Holzwänden
          • Energiekonzept Versorgung über eine Erdwärmepumpe
          • Wohnfläche 180 Quadratmeter
          • Grundstück 1073 Quadratmeter

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