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Neue Häuser : Das Wohnmöbel von Wandlitz

Was ist Komfort? Die Bauherren dieses Hauses in Wandlitz haben die Frage auf ihre Weise beantwortet. Bild: 2Dplus

Wer ein Haus vor den Toren der Stadt baut, will meistens mehr Platz. Dass es auch anders geht, zeigt ein Paar aus Berlin. Herausgekommen ist dabei viel Komfort auf wenig Fläche.

          Wer rauszieht, will mehr: mehr Grün, mehr Ruhe und vor allem mehr Platz. Die Aussicht auf Raumgewinn ist gemeinhin das Bonbon, das den Abschied von der Stadt versüßt. Ja, ihn manchmal überhaupt erst schmackhaft macht. Gebe es dieses Versprechen nicht, ein Großteil derer, die der Stadt den Rücken kehren, würde bleiben. Jede Wette. Draußen auf dem Land aber kann man sich ausbreiten und zugleich auch Abstand zu den Nachbarn gewinnen (was diese häufig mit erhöhter Neugier und sozialer Kontrolle kontern). Weil Fläche nicht knapp ist, dürfen es im Neubau gerne zehn, zwanzig oder auch mal dreißig Quadratmeter mehr sein. Auf die Idee, den Wohnort Stadt gegen das Land einzutauschen, neu zu bauen und sich mit weniger Wohnfläche als zuvor zu bescheiden, kommt freiwillig kaum jemand. Falko Drews schon.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Wobei bescheiden vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist“, findet er. Drews, Anfang 40, großflächige Tattoos auf den Oberarmen und silberne Tunnelstecker in den Ohrläppchen, steht auf der Veranda seines Hauses in Wandlitz. An die 17 Meter misst der Freisitz, der sich vor der kompletten Front des Hauses erstreckt. Überdacht und geschützt, tief und geräumig und mit dem gleichen grauen Lärchenholz verschalt wie der übrige Bau, bringt diese Veranda genau das mit, was man sich von einem Landhaus erhofft: Freiraum. Den nutzen Drews und seine Frau Anja - als Eingang, Esszimmer, Ruheplatz und manchmal auch als Ablagefläche. Auch Hund Adash lässt sich hier gern nieder.

          Als Ort kam nur Wandlitz in Frage

          Seit gut einem Jahr lebt das Paar in dem Holzrahmenbau am Ortsrand von Wandlitz, in zwei Zimmern auf 80 Quadratmeter Wohnfläche. In ihrer früheren Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg waren es deutlich mehr. „Hey, ich hatte allein sechzig Paar Schuhe, die mussten ja irgendwohin“, sagt Drews und grinst. Er sieht aus, als komme ihm das mittlerweile selbst ungehörig viel vor. Und dann erzählt er, wie es kam, dass er und seine Frau, zwei gebürtige Ost-Berliner, nach mehr als vierzig Jahren ihrer Heimatstadt den Rücken kehrten und jetzt mit weniger Platz und viel weniger Schuhen auskommen. Und dass das gelingt, weil sie in einer Art Wohnmöbel leben, in dem einfach alles passgenau sitzt. Da ahnt man schon, warum Falko Drews sein neues Lebensumfeld mit „bescheiden“ nicht wirklich treffend beschrieben sieht. Denn diese 80 Quadratmeter haben es in sich. Die Terrasse bietet nur einen Vorgeschmack.

          Eigentlich wollte der Vierundvierzigjährig nur ein richtig schönes Ferienhaus - damals, vor mehr als zwei Jahren, als er gerade seinen Anteil an einer Model-Agentur verkauft hatte. Zeit und ein bisschen Geld für ein solches Vorhaben waren vorhanden. Drews hatte Lust auf ein architektonisches Projekt, und er wusste auch schon, wo. In Wandlitz gab es ein Grundstück, auf dem seine Familie viele Jahre lang ihre Ferien verbracht hatte. In den siebziger Jahren war dort eine Bungalowsiedlung entstanden. „Alles Pankower Familien aus dem Dunstkreis rund ums Rathaus“, erzählt Drews. „Ganz normale Leute.“ Die bauten sich auf dem ehemaligen Kiesgrubengebiet nahe des Wandlitzer Sees ihre Wochenendhäuschen. Kleine Holzfertigbaubutzen mit zwei Schlafzimmern, Wohn-Essküche und Mini-Bad. „Modell B34 war hier Standard“, erinnert sich Drews an das gängigste Modell, dessen Name sich von der Wohnfläche herleitete. „Ich kenne diesen Flecken hier, seit ich denken kann“, sagt er. Und nein, ein anderer Ort sei für ihn als Bauplatz nicht in Frage gekommen. „Woanders, da biste der Neue, und da kann das komisch rüberkommen, wenn du anders baust.“

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          Wenig Fläche mit viel Luxus

          Über einen Bekannten lernten er und seine Frau das Architekturbüro 2D+ kennen, das in ihrer alten Nachbarschaft in Prenzlauer Berg seinen Sitz hat. Nach dem ersten Gespräch war klar: Es passt. „Ich wurde euer Bauherr Nummer eins“, witzelt Drews, was Architekt Markus Bonauer mit dem Scherz kommentiert, Drews habe mit seinem Bauvorhaben so viel Raum in der Arbeit des Büros eingenommen, da sei für andere Projekte schlicht kein Platz mehr gewesen.

          Passgenau: Die Einbauschränke des Hauses sind unverzichtbar. Bilderstrecke

          Darin klingt ein grundsätzliches Problem kleiner, anspruchsvoller Neubauten an: Entwurf und Ausführung verschlingen sehr viel Zeit. Bauvolumen und Aufwand stehen in der Regel für die Architekten in keinem günstigen Verhältnis. Auch wenn der Quadratmeterpreis wie in diesem Fall auf den ersten Blick ungewöhnlich hoch erscheint. Auf die reine Wohnfläche umgerechnet, kostet der Quadratmeter 3180 Euro. Inklusive Schuppen und Terrasse halbiert sich der Betrag. Doch was wirklich alles darin steckt, lässt sich über die Zahl allein nicht erfassen.

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