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Neue Häuser (7) : Dunkle Schale, heller Kern

Satteldach, Haupthaus, Nebenhaus: Der Neubau M/H greift die ortsübliche Architektur auf, interpretiert sie aber neu Bild: Hannes Jung

Haus M/H in Ettlingen protzt nicht. Der Neubau tritt zur Straße hin zurückhaltend auf, gibt sich aber dennoch selbstbewusst. Für seine Bewohner ist er maßgeschneidert und bietet viel Platz für das gemeinsame Familienleben aber auch den eigenen Freiraum.

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          Es gibt Bauten, die sorgen in ihrer Umgebung für Wirbel, obwohl sie nicht aus der Reihe tanzen. Miriam Mann, Axel Heyd und ihre beiden Kinder bewohnen so ein Haus. Schlank steht es zwischen seinen Nachbarn und trägt wie sie ein symmetrisches Giebeldach. Und weil der Bau in einem Stadtteil von Ettlingen steht, tut er es den älteren Häusern in dieser Region gleich, deren flachere Nebengebäude sich in den rückwärtigen Teil des Grundstücks erstrecken.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein, der Neubau protzt nicht mit Maßlosigkeit. Weder provoziert er mit exotischer Gestalt wie etwa der eines Ufos, das zufällig am Fuße des Schwarzwalds gelandet ist, noch hat Architekt Ulrich Langensteiner ihm unkonventionelle Baustoffe verordnet. Es sind wie eigentlich so oft in solchen Fällen die Details, die den Qualitätsunterschied zur gebauten Umwelt aus- und überhaupt erst sichtbar machen; jenseits von Fragen des Geschmacks.

          Geradlinigkeit durch den richtigen Ton

          Womit das Haus vor allem anderen zunächst die Aufmerksamkeit des Betrachters weckt, ist seine dunkle Farbe. Die erscheint in einem bestimmten Licht gänzlich schwarz, ist eigentlich aber ein warmes Braun-Schwarz. Der Ton unterstreicht die architektonischen Eigenheiten des Neubaus, der ohne den üblichen Dachüberstand und Fensterbänke auskommt, was ihn viel geradliniger als seine Nachbarn wirken lässt.

          Extravagant aber unauffällig: Trotz der Bauweise tanzt das Haus zur Straßenseite hin nicht aus der Reihe
          Extravagant aber unauffällig: Trotz der Bauweise tanzt das Haus zur Straßenseite hin nicht aus der Reihe : Bild: Hannes Jung

          Wie sehr er sich von diesen jedoch in Wahrheit unterscheidet, wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich: Auf der Westseite, von wo aus man das Haus betritt, verändern sich die Proportionen schlagartig. Dort bestimmt ein flaches, unsymmetrisches und um 90 Grad gedrehtes Satteldach die Form des eingeschossigen Anbaus. Von vorn wirkt das Haus streng kompakt. Im uneinsehbaren Teil des Grundstücks erlaubt es sich mehr Freiheit – und hier und da den Verzicht auf rechtwinklige Räume.

          „Ein Neubau soll modern interpretieren“

          Die Reaktionen der Betrachter reichen von begeisterter Zustimmung bis hin zur (nicht erfolgreichen) Beschwerde eines Mitbürgers bei der örtlichen Baubehörde. Die Hausbesitzer erzählen das mit einer Mischung aus Amüsement und Verwunderung. Schließlich fügt sich ihr Haus mit der Silhouette des Vorderhauses, die fast exakt der des Vorgängerbaus gleicht, nahtlos in die Umgebung ein.

          „Ein Neubau sollte den Stil allerdings modern interpretieren dürfen“, sagen Miriam Mann und Axel Heyd. Die beiden sind in das Vorhaben einst als Laien ohne jede Vorkenntnisse gestartet. Gut vier Jahre ist das jetzt her. In dieser Zeit haben sie einiges gelernt, über sich, über Qualitätsunterschiede in der Architektur und einzelner Architekten. Die Tatsache, dass ihr Haus binnen eines Dreivierteljahres nach Baubeginn fertig geworden ist, täuscht darüber hinweg, wie weit und schwierig der Weg für die Familie vom Wunsch nach einem Eigenheim mit Garten bis zu dessen Erfüllung war. Sie verrät auch nichts darüber, dass Zeit und Geld verschwendet wurden, Nerven blank lagen und das Vorhaben im Debakel hätte enden können.

          Ärger mit der Baubehörde

          Nachdem die Kinder auf der Welt waren, ging es Miriam Mann und Axel Heyd wie vielen anderen jungen Eltern: Die Altbauwohnung im Stadtzentrum bot für sie nicht mehr den gewünschten Freiraum. Zukünftig wollten sie in einer eher ländlichen Lage wohnen, die aber gut angeschlossen ist. Ein Umzug in eines der Höhendörfer der Umgebung kam daher nicht in Frage. Die Suche erwies sich als schwierig, weil entsprechende Objekte in der badischen Kreisstadt begehrt und rar sind. Durch Zufall wurden sie auf ein altes, leerstehendes Wohnhaus in einem abseits des Zentrums gelegenen Stadtteil aufmerksam. Doch erst ein Jahr später war der Eigentümer zum Verkauf bereit.

          Ursprünglich wollten Mann und Heyd den Altbau samt Anbau erhalten und sanieren. Ein Architekt, der ihnen von Bekannten empfohlen worden war, zeichnete ihnen einen entsprechenden Entwurf, und Axel Heyd machte sich über Wochen daran, dass Haus zu entkernen. Doch die Sache stockte alsbald. Die Baubehörde lehnt wieder und wieder die Pläne ab. Der Architekt klagte, die Behördenvertreter hätten etwas gegen ihn, diese wiederum nannten die eingereichten Entwürfe fehlerhaft. Es ging hin und her nur nicht voran. Die Bauherren schalteten einen Anwalt ein. Schließlich legte das Amt die Gründe für seine Ablehnung dar: Rechenfehler. „Das war ein Schock, wir waren von unserem Architekt ja überzeugt, aber nun war für uns nachvollziehbar, dass die Berechnungen nicht stimmen konnten, da musste man nur ein Lineal anlegen“, erinnert sich Miriam Mann. „Nicht auszudenken, wenn das gebaut worden wäre.“

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