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Neue Häuser (5) : Ein Wohnhaus für zwei

Blickdichter Blickfang: Die Sichtbetonmauer schirmt den dahinter liegenden Hof und die Räume im Erdgeschoss ab Bild: Jan Roeder

Endlich Raum für die Kunst: Das war der Wunsch der Bauherren Gerlinde und Klaus Villwock. Dass dann trotzdem nur ein Teil der Sammlung in ihrem Neubau Platz fand, trübt die Freude der beiden sicher nicht.

          5 Min.

          Auch Kleinstädte haben ihre guten wie auch weniger guten Lagen. Die Gegend im Nordwesten Biberachs zählt zweifelsohne zu den besseren Adressen. Von den Hanglagen aus geht der Blick an Föhn-Tagen bis zu den Alpen. Ruhig ist es hier. Die Vorgärten sind groß und grün. „Das ist eine der begehrtesten Lagen der Stadt, und dass wir das Grundstück bekommen haben, ein echter Glücksfall“, stellt Gerlinde Villwock fest. Seit gut 20 Jahren leben die pensionierte Lehrerin und ihr Mann in der Stadt in Oberschwaben. Mehrfach sind die beiden in ihrem Leben umgezogen: im Ausland, im Inland, in Biberach. „Unser neues Haus ist jedoch das schönste, das wir je bewohnt haben“, sagt Gerlinde Villwock. Zuletzt hatten sie in der Nachbarschaft zur Miete gewohnt. Die fünf Kinder waren alle fortgezogen. Für die Villwocks war die Zeit reif für einen neuen Lebensabschnitt – und das Abenteuer Hausbau.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als sie das 900 Quadratmeter große Grundstück entdeckten, zauderten die beiden nicht: Diese Lage mit diesem Ausblick sollte es sein. Für den Architekten hätten sie sich im Grunde nicht entscheiden müssen, erzählen sie. Einer ihrer Schwiegersöhne ist schließlich vom Fach. „Obwohl er noch jung ist, waren wir uns sicher in der Wahl. Er kennt uns, unseren Geschmack, unsere Vorstellungen“, sagt Klaus Villwock über seinen Schwiegersohn Stephan Kohlrausch, der für den Auftrag noch seinen Kollegen Peter von der Osten hinzuzog.

          Endlich Platz

          Die Villwocks hatten weder konkrete Vorstellungen, was die äußere Gestalt ihres eigenen Hauses anging, noch stand zunächst die Anzahl der Räume fest, die sie benötigen würden. So viel allerdings war klar: Im Inneren wollten die beiden endlich ausreichend Platz für ihre im Laufe der Jahre gesammelten Kunstwerke. Klaus Villwock hatte sich schon während seines Studiums der Betriebswirtschaft nicht nur für moderne Kunst begeistert, sondern auch zu sammeln begonnen. Im neuen Haus sollten die Bilder endlich alle ausgepackt werden und zur Geltung kommen. Was die Architektur anbelangt, wünschten sich die Bauherren eine Außenwirkung, die sie folgendermaßen beschreiben: „Wir wollten ein Haus, das Persönlichkeit zeigt, aber nicht modisch ist; das Selbstbewusstsein ausstrahlt, aber sich nicht aufdrängt.“ Lang und intensiv sei die Planungsphase gewesen, erzählt das Ehepaar. Viele Varianten wurden durchgespielt. Eine Weile habe er von einem Kreuzgang geträumt, gesteht Klaus Villwock. Die Idee wurde aber wieder verworfen. „Das wäre viel zu aufwendig geworden.“

          Viel Raum und Platz
          Viel Raum und Platz : Bild: Jan Roeder

          Die Architekten Kohlrausch und von der Osten entwarfen ihnen schließlich einen zweigeschossigen Massivbau, der quer zum Hang steht. Es ist ein kompakter Baukörper mit Satteldach, was die Bauordnung vorschreibt. Das Erdgeschoss des in Grau verputzten Hauses ist L-förmig; darüber liegt das rechteckige Obergeschoss mit großer Terrasse. Sowohl dieser Freisitz mit seiner hohen Einfassung als auch die zur Straße hin liegenden Räume im Erdgeschoss entziehen sich den Blicken der Passanten – der dem Haus vorgelagerte Hof wird von einer Mauer aus Sichtbeton abgeschirmt. Der Hof, an dessen Ostseite das Wasser eines in die Betonwand eingelassenen Brunnens plätschert, ist so etwas wie das grüne Zimmer des Hauses. Er verlängert sowohl Gerlinde Villwocks Zimmer im Erdgeschoss nach außen als auch das Arbeitszimmer ihres Mannes.

          Einst Geschäftsführer eines größeren Unternehmens, ist Klaus Villwock inzwischen zwar im Ruhestand, als mehrfaches Aufsichtsratsmitglied und als Berater aber noch aktiv. Wenn er an seinem Schreibtisch arbeitet, blickt er auf das satte Grün des Rasens, die je nach Licht und Feuchtigkeit stets anders wirkende Sichtbetonmauer, vor der sich ein imposanter Stahlmann von mehr als zwei Meter Größe erhebt – und auf „sehr viel Himmel“

          Die perfekte Ergänzung

          Überhaupt der Ausblick: Für die geschützt liegenden beiden Zimmer im Erdgeschoss, wo sich zudem noch Gästezimmer, Bad, Teeküche und der Haustechnikraum befinden, haben Kohlrausch und von der Osten raumhohe Panoramafenster gewählt. Im Obergeschoss, wo Wohn- und Schlafzimmer, die Küche und ein weiteres Bad liegen, haben sie dagegen auf eine gläserne Fensterfront verzichtet. Die Bewohner sind dafür dankbar. „Ein dauerndes Panorama ermüdet, so ist es viel differenzierter“, weiß der Kunstsammler.

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