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Neue Häuser 2013 : Ein Haus mit zwei Gesichtern

Wie ein Hexenhaus: Um dem Baurecht zu entsprechen, bekam der Neubau ein steiles Satteldach Bild: Roeder, Jan

Wenn das Baurecht enge Grenzen steckt, ist Findigkeit gefragt. In Münchens Gartenstadt Hartmannshofen hat Familie von Wichert ein Siedlungshaus aus den zwanziger Jahren erweitert.

          Die von Wicherts sind echte Überzeugungstäter. Das Ehepaar aus München gehört nicht zu jener Gruppe von Hausbesitzern, die eigentlich mit einer ausreichend großen Wohnung oder einer halbwegs passablen Bestandsimmobilie vorliebgenommen hätten, dann aber mangels Angebot das Abenteuer Hausbau wagten. Auch hat sie nicht die Furcht vor einer möglichen Inflation ins Betongold getrieben. „Nein, es war unser Traum, selbst zu bauen“, stellt Georg von Wichert klar, und so wie er blickt, glaubt man ihm sofort, wenn er sagt, dass die Bauaufgabe aus seiner Sicht ruhig noch ein bisschen umfangreicher hätte ausfallen können.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der 46 Jahre alte Ingenieur sitzt im Garten, den neuen und schönen Anbau mit der Lärchenholzfassade und dem steilen Satteldach im Rücken, der das schlichte Wohnhaus aus den zwanziger Jahren aus der Reihe der anderen Siedlungsbauten hervorhebt. Während es zur Straße hin mit seiner Putzfassade und dem ausladenden Walmdach eine behäbige Gemütlichkeit ausstrahlt, zeigt der vorgefertigte Holzrahmenbau dem Betrachter im Garten sein zweites Gesicht: offen, modern, pfiffig.

          München-Hartmannshofen: Wohnen in der Gartenstadt

          Das Wohngebäude liegt am Rande der Gartenstadt in Hartmannshofen, das heute zum Münchener Stadtteil Moosach gehört. 1717 hatte Kurfürst Max Emanuel auf dem Terrain im Nordwesten des Parks von Schloss Nymphenburg eine Fasanerie anlegen lassen. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts dann entstand in dem Eichen- und Hainbuchenwald eine Gartenstadt - mit so schlichten wie schmucken Siedlungshäusern und riesigen Grundstücken von teilweise mehr als 3000 Quadratmeter. Die Bewohner hatten die Grundstücke in Erbpacht erhalten. Vor einigen Jahren aber begann das Land, jene Anwesen zu versteigern, deren Verträge ausliefen. Um den Charakter der Siedlung jedoch nicht zu zerstören, gelten strenge Bauvorschriften, und die lassen nicht zu, dass die Grundstücke wie sonst überall in der Stadt dicht bebaut werden.

          Das hält die Bauträger fern. „Damit ist Hartmannshofen immer noch so etwas wie ein Geheimtipp für private Bauherren wie uns“, sagt Dorothea von Wichert-Nick. Die Managerin und ihr Mann hatten durch Freunde, die schon in der Nachbarschaft zum Zuge gekommen waren, von den großen Gartengrundstücken in Stadtlage erfahren - und geboten. Die Lage war für die Familie ideal, umgeben von viel Grün, doch gut angebunden an den öffentlichen Nahverkehr und die Innenstadt, die Grundschule um die Ecke, Sport- und Tennisplatz vor dem Haus und gute Freunde nur einen Garten weiter. „Perfekt“, kommentiert die Bauherrin die Vorteile der Lage.

          Nach zwei vergeblichen Anläufen erhielten sie schließlich für 750 Euro den Quadratmeter Boden den Zuschlag. In München, wo teilweise Preise von an die 3000 Euro bezahlt werden, ist das ein echtes Schnäppchen.

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          „Allerdings hat man hier dann die eigentlich absurde Situation, dass das Grundstück fast doppelt so teuer ist wie das Haus selbst“, schränkt Matthias Bjørnsen ein. Die Familie des Architekten und die Bauherren sind schon seit längerem befreundet. Irgendwann kam sogar die Idee auf, gemeinsam zu bauen, doch das klappte nicht. Doch in den fünf Jahren, in denen die Wichert-Nicks auf der Suche nach einem passenden Objekt Bestandsimmobilien und Grundstücke abgeklappert hatten, war Bjørnsen immer mit dabei.

          Zudem hatte er für eine Remise des Nymphenburger Schlosses, die die beiden aufgetan hatten, die Sanierungs- und Umbaupläne ausgearbeitet. „Wir haben ihn schon getestet“, witzelt Georg von Wichert. Daher war es für ihn und seine Frau keine Frage, dass Bjørnsen den Entwurf für Umbau und Erweiterung des neuen Eigenheims der Familie beisteuern würde.

          Zwei Vorgaben machten die Bauherren dem Planer: Zum einen sollte die Raumaufteilung den Wünschen der fünfköpfigen Familie und ihrem Au-pair entsprechen. Zum anderen war da die Begeisterung für moderne Architektur. Seit Jahren lesen die beiden entsprechende Magazine, bevorzugt solche, die eine klare, schnörkellose Baukultur vorstellen, wie man sie vor allem in der Schweiz findet. Aber da liefen sie bei Bjørnsen offene Türen ein.

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