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Neue Häuser 2013 : Ein ganz schön neuer Altbau

Das Fachwerkhaus in Weil der Stadt Bild: Kretzer, Michael

Ein junges Ehepaar aus Weil der Stadt verguckt sich in ein mehr als 600 Jahre altes Fachwerkhaus. Das ist völlig marode und mit normalen Mitteln nicht zu retten. Die beiden kaufen es trotzdem, um es erst ab- und dann möglichst originalgetreu wieder aufzubauen.

          Manche können es immer noch nicht verstehen. „Auf der grünen Wiese hättet ihr euch doch für das gleiche Geld etwas viel Größeres bauen können“, hat Günter Holzhäuser erst neulich wieder zu hören bekommen. Stimmt. Nur, in eines der Neubaugebiete im westlichen Speckgürtel Stuttgarts haben der Elektroingenieur und seine Frau Andrea Kapahnke nicht gewollt. Die beiden träumten von einem Haus mit Geschichte, am liebsten im Zentrum von Weil der Stadt, Holzhäusers Heimatort, von einem Fachwerkhaus mit urigem Charme und echter Patina. „Flair eben“, wie Holzhäuser sagt. Ein Neubau im Countrylook kam da nicht in Frage.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So waren sie zur Stelle, als man in der schwäbischen Kleinstadt Investoren für einige der alten Fachwerkhäuser suchte, um das historische Ensemble mit seinen Kleinoden zu schützen und zu erhalten. Was das Ehepaar da noch nicht ahnte, war, dass sein durch und durch gewöhnlicher Wunsch alsbald zum Stadtgespräch werden, den Denkmalschutz erst herausfordern und später wieder besänftigen sollte. Vor allem aber, dass sie während der Planungs- und Bauzeit eine Art Zeitreise unternehmen würden. Denn das Haus an der Stuttgarter Straße, auf das die beiden einen Blick geworfen hatten, war nicht irgendein Haus, sondern das älteste bekannte Haus im ganzen Landkreis Böblingen.

          Vermutlich lebten in dem zweigeschossigen Gebäude aus dem Jahr 1351 zunächst Bauern. Doch Weil der Stadt wuchs, dehnte seine Stadtmauern aus. Das Haus wuchs mit und erhielt 1430 zwei Stockwerke mehr. Die neuen Besitzer ließen zudem den Giebel um 90 Grad zur Straße hin drehen und zogen, wie es sich gehörte, in den ersten Stock.

          Der Holzwurm hatte ganze Arbeit geleistet

          Als Andrea Kapahnke 580 Jahre später das schon lange leerstehende Gebäude zum ersten Mal betrat, war es für sie nichts weiter als ein sehr altes, kaputtes und völlig ungemütliches Haus. Die Informatikerin erinnert sich noch gut an den modrigen Geruch und die Kälte, die ihr im Erdgeschoss entgegenschlugen. Sie sah die Salpeterblüten auf dem Mauerwerk, das faule Holz, die vielen Stützen, die verhinderten, dass der Bau in sich zusammenfiel. Im zweiten Stock hatte sich das innere Tragwerk schon bis zu 30 Zentimeter geneigt. Was sie und ihr Mann zunächst nicht sahen, waren die vom Holzwurm völlig zerfressenen Balken an der Südseite, Dachbalken, die unter der eigenen Last zu zerbröseln drohten, und der morastige Untergrund, der das Haus einsacken ließ.

          Von Flair also keine Spur, eher eine abschreckende alte Kiste, von der man tunlichst die Finger lässt, wenn man allein Wirtschaftlichkeitsrechnungen anstellt oder ein Haus will, mit dem man seine Individualität zur Schau stellen kann. So hatten denn frühere Interessenten nach näherer Betrachtung stets Abstand genommen. Auf Andrea Kapahnke und Günter Holzhäuser aber übte das alte Gebäude zunehmend einen Reiz aus, und daran war nicht zuletzt auch der Rottweiler Architekt Alfons Bürk beteiligt, der schon mehrere alte Gebäude saniert hat.

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