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Neue Häuser 2013 : Ein ganz schön neuer Altbau

Die beiden waren durch eine Empfehlung auf ihn aufmerksam geworden. Und wie Bürk durch das Gebäude ging, es in seinen Eigenheiten erklärte, da habe sie eine zuvor ungeahnte Faszination befallen, sagen Kapahnke und Holzhäuser. Bürks Urteil nach der Schadensaufnahme war klar: Eine Sanierung kam für ihn nicht in Frage, der Verfall sei zu weit fortgeschritten, einen Teil des Hauses werde man nie wirklich nutzen können. Er schlug vor, das Haus Stein für Stein, Balken für Balken abzutragen, zu sanieren, was sich sanieren lässt, und dann wieder aufzubauen. Die zuständige Denkmalbehörde lehnte das ab. Nicht ohne Grund: Denn der Wiederaufbau macht aus dem Haus aus dem 14. Jahrhundert einen Neubau. Für den aber gelten andere Anforderungen.

Eine Nummer für jeden Balken - dann wurde das Haus Stück für Stück zerlegt

Die Bauherren sahen sich in der Zwickmühle. „Dann drohte auch noch die Bank, die Finanzierungszusage zurückzuziehen, da hätten wir nicht weitergemacht“, erzählt Holzhäuser. Schließlich schaltete sich der Bürgermeister ein, dem Ab- und Wiederaufbau wurde zugestimmt, die Bauherren verpflichteten sich, das Projekt in enger Abstimmung mit der Stadt umzusetzen. Die wiederum genehmigte einen Anbau an der Rückseite des Gebäudes, Balkone und einen Carport, dessen Dach sich als Terrasse nutzen lässt.

Die Rückseite des Hauses ist, das soll nicht verschwiegen werden, weniger gelungen. Der Anbau selbst ist dabei nicht so sehr das Problem. Er knüpft an einen Vorgängerbau an. Für die Bauherren war er zwingend, um mehr Wohnfläche zu schaffen. Denn um das Vorhaben überhaupt finanzieren zu können, planten Kapahnke und Holzhäuser, das Erdgeschoss als Ladenlokal oder Büro, die erste und die zweite Etage als Wohnungen zu vermieten. Den dritten Stock nebst Dachgeschoss wollten sie selbst belegen. Der Carport allerdings könnte in seinen Proportionen und seiner Gestalt bescheidener sein.

Nachdem man sich schließlich einig war, traten die Zimmerleute auf den Plan. Jeder Balken wurde numeriert und das Haus Stück für Stück abgebaut. Architekt Bürk lagerte die Teile in einer Halle in Rottweil und ließ sie aufarbeiten. Um dem neuen Haus auf dem weichen Untergrund einen festen Halt zu geben, wurden 25 Betonpfähle sieben Meter tief in der Erde versenkt. Dann begann der Wiederaufbau. „Wie ein Puzzle“, sagt Andrea Kapahnke. Im April 2011 hatten sie und ihr Mann das Haus gekauft. Knapp 20 Monate später sind die ersten Mieter eingezogen. Seit Januar dieses Jahres lebt das Ehepaar selbst in der Maisonettewohnung.

Ursprüngliches wieder sichtbar machen

Es ist ein neues Haus, weitgehend ohne Barrieren, mit Platz für einen Aufzug, mit WLan und was sonst heute Standard ist, in dem das alte fortbesteht. Nach dem Wiederaufbau zeigt es nun zum Beispiel zur Straße hin wieder jenen ursprünglichen Rundbogen am Eingang im Erdgeschoss, der bei seinem Vorgänger unter Putz versteckt war. Auch die ursprünglich angelegten Fenstererker in der ersten Etage kommen nun wieder zur Geltung. „Da haben wir ganz schön um das Ergebnis gerungen“, erzählt Holzhäuser. Einerseits wollte man die Fenster so originalgetreu wie möglich halten, andererseits mussten sie den heutigen Anforderungen genügen.

Die Bauherren bestanden darauf, dass sich die neue der historischen Statik unterordnen sollte. Keine leichte Aufgabe für den Fachmann, denn dort, wo sich ein historischer Holzträger befand, konnte im Zweifelsfall kein statisch tragendes Teil positioniert werden.

Am Ende ist auch das gelungen. Heute zieht das neue-alte Fachwerkhaus die Blicke auf sich. Fünf Bewohner hat es, im Erdgeschoss eröffnet dieser Tage ein Kaminbauer sein Geschäft. „Wir sind froh, dass wir das gewagt haben“, sagen die Besitzer.

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