https://www.faz.net/-ij5-6vpr9

Neue Häuser (10) : Alles - nur kein Lückenbüßer

Offenes Wohnen im Erdgeschoss: Von der Küche aus haben die Bewohner den Durchblick – auch in die obere Etage. Der Platz unter der Treppe wird als Garderobe genutzt Bild: Henning Bode

Für ein Stadthaus ist ein schmales Grundstück kein Hindernis: Eingekeilt zwischen den Nachbarn, kann es erst recht zeigen, was es zu bieten hat - wie der Neubau von Majbritt Paul und Lars Olaf Brüning in Lübeck.

          5 Min.

          Das Haus passt wie angegossen: zu seinen Bewohnern wie auch auf das Stückchen Bauland im Lübecker Stadtteil St. Jürgen. Auf einem nicht einmal 9 Meter breiten Restgrundstück schließt der schlanke Neubau der vierköpfigen Familie Paul-Brüning die Lücke zwischen seinen beiden schon reichlich betagten Nachbarn. Schmale Stadthäuser haben in Hansestädten durchaus Tradition. In der Riege der mehr als hundert Jahre alten Villen von St. Jürgen allerdings ist Gedrängel eher selten. Hier wahrt man Abstand, dafür sorgen schon die Gärten.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der eingekeilte Neuling macht dennoch eine gute Figur, obwohl es keine ganz leichte Übung ist, sich in einem solchen Umfeld vorteilhaft auszunehmen. Die historischen Fassaden schmeicheln nun mal dem Auge. Während das Haus zur Linken die gelassene Eleganz einer frühen Gründerzeit verbreitet, gibt sich der Bau zur Rechten so großbürgerlich wie verspielt.

          Weder anbiedernd, noch auf Distanz

          Das Einfamilienhaus von Majbritt Paul und Lars Olaf Brüning biedert sich diesem Umfeld weder mittels einer historisierenden Fassade kratzfüßig an, noch hält es die Umgebung durch eine verstörende Architektursprache auf Distanz. Der Bau nach einem Entwurf des Büros MM Architekten aus Hannover tritt mit seiner klaren Form und dem Flachdach zeitgemäß auf. Er sucht zugleich aber unübersehbar in Höhe und Proportionen sowie über die Putz-Klinkerfassade den Bezug zur Nachbarschaft.

          Wäre er von Anfang an in das Vorhaben eingebunden gewesen, hätte er ob des schmalen Restgrundstücks womöglich abgeraten, gesteht Martin A. Müller. Der Architekt wurde mit den Plänen von Majbritt Paul und Lars Olaf Brüning erst betraut, als die beiden das 259 Quadratmeter kleine Grundstück in der Lübecker Innenstadt längst zum Standort für ihr neues Zuhause auserkoren hatten.

          Eingepasst: Der Neubau greift Elemente der Nachbarn auf Bilderstrecke

          Der Makler und die Kindermoden-Designerin mit zwei kleinen Kindern waren zuvor schon eine ganze Weile in ihrem Viertel auf der Suche nach einer neuen Bleibe mit Garten gewesen. Majbritt Paul erinnert sich, dass sie im Internet auf die Anzeige stieß und diese immer wieder angeklickt habe. Aber da der Grundstücksverkauf an ein Bauträgerangebot gekoppelt sein sollte, schenkte sie der Sache zunächst keine große Beachtung.

          Irgendwann sei sie dann aber doch an der Annonce hängengeblieben, erzählt sie. Die Ehepartner haben Architektur studiert, verspürten aber keinerlei Neigung, selbst zu planen, sondern ließen sich vom Bauträger einen Entwurf anfertigen und den Kostenrahmen berechnen. Was der Bauunternehmer übersah: Für das Wohngebiet besteht eine Gestaltungssatzung; das heißt, es gelten präzise baurechtliche Vorschriften.

          Ein halber Meter trennt die Gebäude

          Die fielen erst Martin A. Müller auf. Er und die Bauherren kennen sich aus der Studienzeit. Paul und Brüning hatten ihn gebeten, sich ihr Vorhaben einmal genauer anzusehen. Das Ergebnis: Der ursprüngliche Plan hätte sich baurechtlich gar nicht durchsetzen lassen und überdies den Kostenrahmen gesprengt. Von da an übernahm Müller den Auftrag und fing mit dem Entwurf ganz von vorne an.

          „Letztlich muss man problematische Grundstückszuschnitte als Chance sehen“, sagt der Architekt, der aber auch berichtet, dass Lage und Größe des Bauplatzes dem Entwurf des Gebäudes als Niedrigenergiehaus Grenzen setzten. Das betrifft nicht allein die Gebäudehülle. Auch Solarkollektoren konnten nicht effizient eingesetzt werden, da sowohl das Nachbargebäude im Süden als auch der Baubestand für Schatten sorgen. Müller und seine Auftraggeber hatten insofern Glück, dass sich die zuständige Baubehörde gesprächsbereit und offen für das Nachverdichtungsvorhaben zeigte und den Wunsch genehmigte, mit dem Baukörper dicht an die seitlichen Grundstücksgrenzen zu rücken. Weil auch das nördliche Nachbargebäude fast auf der Grenze sitzt, trennt die beiden Häuser gerade mal ein halber Meter. Dadurch gelang es aber, für den Neubau wenigstens eine Breite von knapp 7 Metern zu verwirklichen.

          Als offene Wohnlandschaft konzipiert

          Der Wohnraum des Hauses erstreckt sich über zwei Etagen und ein kleines, zurückversetztes Dachgeschoss, an dessen Ost- und Westseite jeweils eine Terrasse anschließt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Geduld der Amerikaner werde getestet, sagte Präsident Donald Trump.

          Corona-Krise : Trump schwört Amerika auf Tragödie ein

          Wie bereits in China baut nun das Militär in den Vereinigten Staaten temporäre Coronavirus-Spitäler auf. Die Regierungsprognosen für die Anzahl an Virustoten ist niederschmetternd.
          Auf sich allein gestellt: Migranten im spanischen Lepe

          Asylbewerber ohne Hilfe : Nach Spanien kommen kaum noch Migranten

          Vor der Corona-Krise landeten zeitweilig nirgendwo in Europa so viel Migranten wie in Spanien. Jetzt kommen nur sehr wenige. Die 120.000 Asylbewerber, die sich bereits im Land befinden, sind nun auf sich allein gestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.