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Neue Häuser (1) : Architekten gesucht, Nachbarn gefunden

Baufamilie Karin Thiele und Alf Poetzsch-Heffter (rechts) mit ihren Töchtern Philippa und Zoe und den Nachbarn Maria Clarke und Roland Kuhn mit Tochter Mathilda (links) Bild: Jens Gyarmaty

Normalerweise erfahren die Architekten Kuhn und Clarke nicht, wie es sich in ihren Häusern lebt. Doch bei ihrem Projekt „L2“wurden die Planer erst Mit-Bauherren ihrer Auftraggeber - und dann Nachbarn.

          „Trutzburg“ - das ist einer der vielen Kommentare, die Karin Thiele im Lauf der vergangenen neun Monate zu hören bekam. Seit September wohnen sie und Alf Poetzsch-Heffter mit den drei Kindern Jannis, Zoe und Philippa in dem markanten weißen Haus in einer ruhigen Straße in Berlin-Steglitz. In der näheren Umgebung stehen die steinernen Zeugen des 20. Jahrhunderts: großzügige Villen und Mietshäuser aus den Vorkriegsjahren, Zeilenbauten aus der Nachkriegszeit, dazwischen viel Grün. Inmitten dieser Nachbarschaft sticht der Neubau heraus - schon allein deshalb, weil er es an Höhe fast mit einem vierstöckigen Mehrfamilienhaus aufnehmen kann. Zur Straßenseite hin zeigt er sich mit nur wenigen Fenster eher verschlossen. „Trutzburg - das gefällt mir eigentlich“, sagt Karin Thiele.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass das Gebäude Passanten zu Reaktionen animiert, weiß auch Roland Kuhn. Manche äußern sich begeistert, manche verwundert, manche ablehnend. Die einen sprechen ihn direkt an, wenn er gerade im Vorgarten werkelt, die anderen werfen ihre Bemerkungen im Vorbeigehen hin. Normalerweise bekommt er die Wirkung seiner Häuser auf die Menschen im Umfeld persönlich gar nicht mit. Im Fall von „L2“, wie das Bauvorhaben in Steglitz im Büro Clarke und Kuhn heißt, ist das anders. Denn die von Thiele und Poetzsch-Heffter beauftragten Planer haben im Verlauf dieser Baugeschichte noch weitere Rollen übernommen: Maria Clarke und Roland Kuhn wurden erst Mit-Bauherren des Juristenehepaars, dann dessen Nachbarn.

          Sie fährt nach Mitte, er nach Charlottenburg

          Neun Monate nach dem Einzug in die „Trutzburg“ ist beiden Parteien immer noch eine leichte Verwunderung darüber anzumerken, dass das, was als Geschäftsbeziehung begann, nun ein auf Dauer angelegtes Verhältnis geworden ist - womöglich sogar eines auf Lebenszeit. Als Jurist dachte Alf Poetzsch-Heffter zu Beginn des Bauvorhabens professionell gleich an Rechtsstreitigkeiten, schließlich sind Zerwürfnisse zwischen Bauherren und Architekten keine Seltenheit. Daher entschieden er und seine Frau sich auch dagegen, einen der Architekten aus ihrem Freundeskreis mit dem Vorhaben zu beauftragen.

          Flügeltür auf: Schon gehört der Flur zum Kinderzimmer

          Auf das Büro Clarke und Kuhn waren sie schon vorher durch ein kleines Townhouse-Projekt in der Nähe aufmerksam geworden, welches sich aber zerschlug. Ihnen hätten der Baustil und die Herangehensweise der Planer gleich zugesagt, erzählt Karin Thiele. Sie lebten da noch in ihrer Altbau-Eigentumswohnung im benachbarten Bezirk Friedenau. Doch für die fünfköpfige Familie mit den zwei quirligen Töchtern und dem Teenager-Sohn wurde es zu eng. So suchte man ein Haus, das mehr Platz als die Wohnung bieten sollte, aber möglichst im vertrauten Kiez liegt. „Wir wollten hier bleiben“, nennt der 47-Jährige ein wesentliches Kriterium für die Suche. Die Familie ist durch die Kinder in diesem Teil Berlins sozial gut vernetzt. Zudem schätzt sie das urbane Umfeld, den guten Anschluss an den Nahverkehr. Und: Der Standort befindet sich zwischen den Arbeitsplätzen der Erwachsenen. Sie fährt nach Mitte, er nach Charlottenburg.

          Eine Lebensentscheidung, kein Geschäftsmodell

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