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Neue Häuser : Großes muss nicht protzig sein

Grit und Alexander Schorcht wollten ein Haus mit klaren Linien, das aber auch Wärme ausstrahlt. Bild: Andreas Pein

Klare Linien, schlichte Form und dabei dem Auge schmeicheln – ein Haus in Magdeburg zeigt, wie das geht.

          4 Min.

          Wer anfängt zu bauen, hat meist viele Ideen im Kopf. In der Phantasie ist das eigene Haus schon unzählige Male gebaut, noch bevor der Architekt den ersten Strich gezeichnet hat. Im Kopf setzen die zukünftigen Bauherren zusammen, was ihnen gefällt und keiner statischen Prüfung genügen muss. So war es auch bei Grit und Alexander Schorcht.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die beiden Ärzte zogen 2012 nach einigen Jahren in Lübeck zurück nach Magdeburg, wo Grit Schorcht in die Praxis ihrer Mutter mit einsteigen wollte. Mit Glück fanden sie ganz in der Nähe ein passendes Grundstück. Es ist eine ruhige Vorstadtsiedlung mit Einfamilienhäusern aus den fünfziger Jahren. Grit Schorcht ist hier aufgewachsen. Einige ihrer Schulkameraden wohnten in der Straße, in der heute das Haus der Arztfamilie steht. Das Zentrum der Stadt ist fern, dafür liegen Felder fast vor der Haustür.

          Mancher Eigentümer hat sich hier in den vergangenen Jahren von einem Teil seines großen Gartens getrennt und ihn als Bauland verkauft. Auf diese Weise kam auch die junge Familie an ihr Grundstück. Zur Hochzeit hatten die beiden bereits einen Bildband über Einfamilienhäuser geschenkt bekommen.

          Bloß nicht auf die „grüne Wiese“

          Als Anregung, wenn sie denn mal selbst eines Tages bauen würden. „Doch das stand für uns lange Zeit gar nicht fest“, erzählt die Medizinerin. Sie hätten sich auch vorstellen können, ein Haus zu übernehmen. Nur auf die „grüne Wiese“ – das wollten sie auf gar keinen Fall, sagt ihr Mann.

          Als die beiden sich das erste Mal mit den Architekten von Meta Architektur trafen, hatten sie eine Menge Ideen, wie ihr zukünftiges Haus aussehen sollte. Er wollte ein Haus von klarer Gestalt, sie eines, das eine gewisse Wärme ausstrahlt. Er fand, dass sich der Bau in das Umfeld aus Häusern mit Satteldach einfügen sollte, sie begeisterte sich besonders für Holz, im Innenraum wie außen, etwa als Holzverschalung.

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          Die Idee hatten sie aus einem Urlaub in Südtirol mitgebracht. „Modern und zugleich lebendig wirkt das“, schwärmt Grit Schorcht. Doch weil sie damals noch im Norden lebten und vom dortigen Baustil geprägt waren, fand sie grundsätzlich auch eine Fassade aus Klinker nicht schlecht. Zumal man den auch in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts häufiger sieht. Was beide aber auf gar keinen Fall wollten: ein Haus in Form einer Kiste.

          Für die Architekten indes war schnell klar, dass es angesichts der Raumvorstellungen der Bauherren mit einer traditionellen Dachform schwierig werden würde, wie Andreas Müller von Meta Architektur es formuliert. Für die Bauherren sollten Küche und Essplatz im Zentrum des Erdgeschosses stehen, auch weil Alexander Schorcht in seiner Freizeit gerne kocht. Zudem wünschten sie sich, dass das Schlaf- und die Kinderzimmer in der oberen Etage angesiedelt würden. „Das ist ja die klassische Aufteilung“, sagt Architekt Müller.

          Er und sein Kollege Sebastian Schulze entwarfen einen zweigeschossigen, massiven Bau, wobei sie die bebaubaren Grenzen des Grundstücks maximal ausreizten. Damit das Haus aber nicht zu wuchtig wirkt, setzten sie die Außenwände des Obergeschosses ein Stück zurück. Auch die Höhe variierten sie leicht, so dass das Gebäude zwar geradlinig, jedoch nicht langweilig ist. Wie ein Weichzeichner wirkt die zum Eingang hin gerundete Fassade. Sie formt außen ein geschütztes Entree, das ein vorspringendes Vordach unnötig macht, und birgt nach innen die Treppe, die sich in den Keller hinab- und auf die Galerie hinaufwendelt.

          Klassische Aufteilung

          Eine Lärchenholzverschalung, wie in Südtirol gesehen, haben die Schorchts nicht bekommen. Mit Holz haben die Planer gleichwohl gearbeitet – auch als warmem Kontrast zur weißen Fassade. Die Fenster stecken in Holzrahmen. Zudem erhielt das Garagentor eine Holzverkleidung. Für den Zimmerer sei es eine Herausforderung gewesen, bis die einzelnen Latten passgenau auf dem breiten Rolltor der Doppelgarage saßen, erzählt das Ehepaar.

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