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Mehrgenerationenwohnen : Eine Familienangelegenheit

Die einstige Scheune hat Familie Grün in ein Wohnhaus mit Büro verwandelt. Bild: Michael Kretzer

Können wir nicht wieder zusammenwohnen? Es kommt selten vor, dass eine erwachsene Tochter ihren Vater das fragt – und dann gleich ein Projekt für mehrere Generationen daraus wird.

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          Hartmut Grün steht vor seinem Haus und blinzelt in die Sonne. Vorne auf der Durchgangsstraße lärmt der Verkehr, wie er in kleinen Städten immer lärmt. Kein gleichmäßiges Rauschen, aus dem der Klangteppich der Großstadt gewebt ist, sondern einzelnes Brummen, Dröhnen, Knattern – immer zu laut, immer störend in einer an sich verschlafenen Umgebung. Doch in Grüns Kopfsteinpflasterhof in der zweiten Reihe hört man davon schon fast nichts mehr und hinter der großen, zum Wohnhaus um- und ausgebauten Scheune, wo der Blick über Wiese und Obstbäume hinweg über den angrenzenden großen Kirchgarten reicht, schon gar nichts.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Atmosphäre, Platz, Ruhe. „Ja, ein Glücksgriff war das“, sagt Grün, der an diesem Vormittag gemeinsam mit seinem Schwiegersohn zu Hause die Stellung hält. Für einen Tag wie diesen, wenn er im Home Office arbeitet, hat Matthias Körbitzer einen eigenen Schreibtisch in Grüns Kommunikationsbüro in der einstigen Scheune. „Sehr praktisch“, grinst der junge Mann. Nur ein paar Schritte über den Hof – und schon steht er im Wohnzimmer des Fachwerkhäuschens, das er zusammen mit seiner Frau Sara und ihren beiden kleinen Töchtern bewohnt. In der Scheune selbst haben Grün, seine Frau Christiane mit den Kindern Leonie und Linus sowie Katze Winnie ihr Zuhause.

          „Wollen wir nicht zusammenwohnen, so wie früher?“

          Seit gut zwei Jahren wohnt die Großfamilie aus Bad Soden im Taunus nun etwa in dieser Konstellation. Familien sind flexible Gebilde. Sie wachsen, spalten sich auf, schrumpfen, verändern sich. Ein Enkelkind Grüns wurde seit dem Einzug geboren, einen Sohn hat es zum Studieren fortgezogen. Bald wird ihm Schwester Leonie folgen. „So ist das“, sagt Grün, der selbst in zweiter Ehe verheiratet ist und im Laufe seines Lebens schon mehrere Häuser und Wohnungen bezogen und umgebaut hat.

          Wiederbelebt: Im Fachwerkhaus wohnt Tochter Sara mit ihrer Familie. Bilderstrecke

          Das Mehrgenerationenwohnen, das er und ein Teil seiner Familie nun proben, ist weniger Ergebnis eines langen Selbstfindungsprozesses und intensiver Auseinandersetzung mit den eigenen Wohnwünschen, vielmehr kam, so wie der Endsechziger es erzählt, eins zum anderen.

          Vor etwa fünf Jahren drängte es Christiane und Hartmut Grün, noch einmal selbst zu bauen. Als seine Tochter Sara, die mit Matthias Körbitzer in Frankfurt lebte, davon erfuhr, fragte sie den Vater: „Wollen wir nicht zusammenwohnen, so wie früher?“. Früher, das war in den Siebzigern. Damals lebte Grün mit seiner ersten Frau und drei Töchtern in einem kleinen bäuerlichen Anwesen, zu dem mehrere Gebäude gehörten. Ein solches Ensemble hatte die junge Frau im Sinn – und die Großfamilie machte sich auf die Suche. „Denn warum eigentlich soll jeder sein eigenes Projekt machen?“, fragt Matthias Körbitzer.

          Fast täglich selbst mit angepackt

          Doch statt eines Grundstücks mit zwei Baufeldern stießen sie in einem Ortsteil von Bad Soden auf einen schon seit Jahren leerstehenden Hof eines Obstbauern. Zu diesem gehörten zum einen ein kleines, unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus aus dem Jahr 1686 und zum anderen eine Scheune nebst anschließender ehemaliger Stallungen.

          „Komplett neu bauen ging also nicht, aber ansonsten haben wir erst mal alle Optionen durchgespielt“, erzählt Grün. Das schmale Fachwerkhäuschen war zu klein, um eine Familie zu beherbergen. Damit es heutigen Wohnansprüchen genügt, musste ein Anbau möglich sein. Die zuständige Denkmalbehörde stimmte zu. Die Scheune stand nicht unter Schutz und war auch nicht „so wahnsinnig hübsch, dass man sie unbedingt hätte erhalten müssen“, beschreibt der Bauherr die Situation. Doch hätte Grün an ihre Stelle einen Neubau gesetzt, wäre das baurechtliche Korsett für diesen erheblich enger ausgefallen. Somit war schnell klar: Die Scheune bleibt.

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