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Neue Häuser : Der Charme des Einfachen

Sehr bayerisch – und doch anders. Das liegt auch an dem eigenwilligen Vorbau im ersten Stock. Bild: Jan Roeder

Ein Holzhaus im Tölzer Land zeigt, wie man mit einem Minimum an Haustechnik auskommt: Im Gebäude steckt kein Nagel und kein Tropfen Leim. Geheizt wird nach dem Kachelofenprinzip.

          5 Min.

          Manchmal sind Baugeschichten auch Liebesgeschichten. Bei Uta Reinhardt und Jens Gadischke war das so. Die beiden haben sich verliebt, als sie sich noch gar nicht kannten - ins Tölzer Land. Später, da hatten sie sich längst gefunden und geheiratet, beschlossen sie, auch dieser Liebe nachzugeben und aus München fortzuziehen, um irgendwo nahe dem Tegernsee zu leben. Am liebsten gemeinsam mit Johanna Barthel, Utas Mutter, in einem Haus aus Holz. Das ist nun an sich noch nicht so ungewöhnlich, dass man darüber schreiben müsste. Schon weil man dem Baustoff Holz in Nieder- wie in Oberbayern auf Schritt und Tritt begegnet: als üppig verzierter Balkon der Bauernhäuser, als Fassadenschale der Obergeschosse, als über die Jahre schwarz gewordene Scheunen und verwitterte Bänke. Das Haus von Uta Reinhardt und Jens Gadischke ist dann aber doch anders als das meiste, was sonst so an Gebäuden im Bayernland steht und was man heute für gewöhnlich baut. Es fällt sofort auf, und dies, obwohl es sehr bayerisch aussieht.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Neubau ist das letzte Haus des Orts oben neben dem Friedhof bei der Kirche. Warm leuchtet die Fassade aus Holzblöcken an der Westseite des Hauses in der spätnachmittäglichen Sonne, während es nach Osten ruhige Kühle ausstrahlt. Hier befindet sich der Eingang. Den beschirmt ein eigenwilliger, weil ziemlich verschlossen wirkender Balkon im Obergeschoss, der sich als Zugang zur Dachwohnung entpuppt.

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          Das Haus fällt auf - und passt doch zur Umgebung

          Drinnen im Erdgeschoss ist es trotz des heißen Tages angenehm. Die Haustür wie die Terrassentür am anderen Ende des Hauses stehen offen, und so weht ein Lufthauch durch den großen Raum, der für seine Bewohner Ruheort, Leseecke, Gästezimmer, Esszimmer und Küche in einem ist. Der gewachste Betonboden fühlt sich am nackten Fuß an wie kühler Samt. Die hohen Räume duften so, wie sie aussehen: nach neuem, hellem Holz. Im ganzen Haus ist es unverkleidet.

          Jens Gadischke, der von Berlin erst nach München gezogen ist und nun in einem Ort lebt, dessen Bewohnerinnen nicht nur zum Oktoberfest Dirndl tragen, war unsicher, ob das nicht alles zu rustikal wirken könnte und zu sehr nach Hüttenromantik aussehen würde. Das tut es nicht, was auch daran liegt, dass seine Frau, als Malerin mit sicherem Gespür für Farben und ihre Wirkungen in Licht und Schatten, innen das Holz gekalkt hat.

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          „Ich habe mir schon lange gewünscht, so zu wohnen“, erzählt Uta Reinhardt. Die große schlanke Frau hat an diesem heißen Tag ihren Blaumann gegen einen weißen Overall getauscht, dem man ansieht, dass sie heute schon einige Zeit in ihrem Atelier gearbeitet hat. Der Raum mit den großen Fenstern nach Norden nimmt fasst die Hälfte des Erdgeschosses ein. Mehr als drei Meter sind hier die Wände hoch, denn das Gelände flacht an dieser Stelle ein klein wenig ab und das Haus passt sich dem Verlauf des Untergrunds an. Ein idealer Ort zum Arbeiten. Mit Licht und Luft und Raum - auch für die großformatigen Bilder der 49 Jahre alten Künstlerin. Hier auf dem Land vergehe die Zeit für sie einfach langsamer, sagt Uta Reinhardt: „Ich weiß, das ist eine Illusion, aber es fühlt sich tatsächlich so an“. Diese Gefühl hat sie nach dem Leben in verschiedenen Großstädten gesucht und lange gehofft, dass auch ihre Mutter mit ihnen unter einem Dach leben könnte. „Zehn Jahre habe ich sie bearbeitet“, erzählt sie lachend.

          Keine Hüttenromantik und doch behaglich

          Durch Glück und Zufall kamen sie dann an das Grundstück in der Nähe von Bad Tölz. Uta Reinhardts Mutter hatte zuvor bereits in der Gegend gelebt. Im Wirtshaus an ihrem heutigen Wohnort waren die drei nach Ausflügen schon häufiger eingekehrt. Dort hörten sie erst von einem Haus, das zum Verkauf stand, und dann von dem Grundstück am Kirchberg, oben am Ortsrand. Ein idealer Flecken Land: Der Blick nach Süden auf die Alpen ist unverbaut. Im Westen sieht man das Schloss, das zur Gemeinde gehört, im Osten die Kirche, und im Norden saust werktags alle Stunde die „BOB“, die Bayerische Oberlandbahn durch die voralpenländische Szenerie. Mit ihr pendelt auch Jens Gadischke zwischen seinem Arbeitsplatz in München und dem neuen Zuhause.

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