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Kandidaten gesucht : Diese Häuser können sich sehen lassen

Bild: Frank Röth

Um im Einerlei des Neubaus zu bestehen, braucht es nicht Größenwahn, sondern Ambition und Können. Für unsere FAZ.NET-Reihe „Neue Häuser“ suchen wir gelungene Beispiele – auch im Bestand.

          Erinnern Sie sich? Vor einigen Jahren sorgte ein Unternehmer mit einem kühnen Plan für Schlagzeilen. Der Mann wollte ein Schloss bauen. Der Prachtbau, gehalten in einem Stilmix aus ein bisschen Renaissance und sehr viel Barock, und mit einer von Kaiserlinden gesäumten Allee, sollte für 20 Millionen Euro im kleinen Diez an der Lahn entstehen. Die einen nannten das Vorhaben kühn, die anderen verrückt und beim Denkmalschutz jammerte man über eine vergebene Chance. Schließlich ist das Land voll von Kulturdenkmälern und Herrenhäusern, die auf einen Retter warten. Der Investor freilich dachte nicht daran, sich mit maroder Bausubstanz zu beschäftigen. Er hatte andere Ambitionen. Statt ein altes Gemäuer zu retten und zu neuem Leben zu erwecken, wollte er etwas Eigenes schaffen, selbst gestalten – ganz nach seinem persönlichen Geschmack und mit der erklärten Absicht, zu beeindrucken.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Man mag die Idee, aus der bisher nichts wurde, als spinnert belächeln. Im Kern jedoch ist der Wunsch des Mannes alles andere als ungewöhnlich. Auch wenn der Maßstab eines Schlosses mit rund 7000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche ein anderer ist als der eines Eigenheims, und sei es noch so groß, sind Antrieb und Motiv der Bauherren doch die gleichen. Denn wer sich nicht für ein Haus aus dem Katalog eines Fertigbauunternehmens entscheidet oder in ein Bestandsobjekt einzieht, träumt in der Regel nicht nur von einem Haus, das ihm passt wie ein Maßanzug. Er will zudem ein Zeichen setzen. Ein architektonisches Ausrufezeichen, um genau zu sein. Seht her, so geht Bauen!

          Um im Einerlei des Neubaus zu bestehen, braucht es zweifelsohne Mut. Doch nicht immer geht so viel selbstbewusster Anspruch gut. Das Ergebnis sind im schlimmsten Fall verstörende Bauten, deren viel beschworener Bezug zur Umgebung beim besten Willen nicht zu erkennen ist. Das Verhältnis zum Umfeld aber ist ein, und für die Nachbarschaft wohl der wesentliche Vorzug gelungener Architektur: Das neue Haus muss sich dafür nicht anbiedern, klein machen oder gefällig sein. Es kann durchaus herausfordern, so lange es zum Ort in Bezug steht. Was das bedeutet, offenbart manchmal erst der zweite oder dritte Blick.

          Für die Bewohner noch wichtiger als die Darstellung nach außen, ist das Raumgefühl im Innern. Hall und ein unangenehmes Klima, fehlendes Tageslicht oder zu viel davon zur falschen Zeit, all das trübt das Wohlbefinden. Nicht zu unterschätzten sind auch die Wege, die ein Haus seinen Bewohnern aufzwingt. Ein Wohnturm in Hanglage mag perfekt zum Ort passen. Doch Bewohner, die das ständige Treppauf, Treppab nicht als Zumutung empfinden, muss man erstmal finden. Gute Planung also greift die Bedürfnisse der Bauherren auf und berücksichtigt idealerweise, dass die sich im Laufe der Zeit wandeln.

          Anders steht es mit Altbauten, Gebäuden, die eigentlich nicht zum Wohnen vorgesehen waren, oder Baudenkmälern. Das Land ist voll davon. Viele stehen in zentraler Lage, ein nicht zu unterschätzender Vorzug. Hier kann die Herausforderung lauten, das alte Haus zeitgemäßen Ansprüchen anzupassen, ihm eine neue Bestimmung überhaupt erst abzuringen. Je beeindruckender die Geschichte, je wertvoller das Denkmal, umso mehr müssen Bauherren und Architekten eigene Gestaltungsansprüche zurückhalten. Wer sich maximal als Bauherr verwirklichen will, für den ist das nichts. Wer Freude hat, im Rahmen des Alten Neues zu entwickeln und Geschichte fortzuschreiben, ist bestens bedient.

          Genau solche Beispiele aus Neubau und Bestand suchen wir nun wieder für unsere Reihe „Neue Häuser“, die in diesem Sommer in die neunte Runde geht. Sie haben allein gebaut, für ihre Familie, mit Freunden oder gleich mit mehreren zusammen? Dann bewerben Sie sich mit Ihrer Baugeschichte bis zum 9. Juli.

          Nähere Informationen unter: https://faz.net/haeuser

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