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Neue Häuser : Schwarzwaldromantik ohne Kitsch

Schwarz wie der Stamm der Tanne, grün wie die Zweige: Fassade und Dach greifen die Farben des umliegenden Waldes auf. Bild: Michael Kretzer

Was soll man mit einem mehr als 50 Jahre alten Pferdestall anfangen? Man kann ihn zum Beispiel zum Wohn- und Bürohaus umbauen wie das Freiburger Architektenehepaar Wolfgang Stocker und Silke Stocker-Dewes.

          5 Min.

          Von Freiburg aus schlängelt sich die Straße Richtung Osten, hinaus in einen Vorort und weiter tief hinein in ein immer enger werdendes Tal. Der Ort franst aus, nur noch hier und da steht ein Haus. Schon beginnt man sich zu fragen, was jetzt noch kommen soll außer Tannen, Farn und Moos, da taucht er auf - ein blickbannender, anziehender Bau.

          Birgit Ochs
          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der für ein Wohnhaus auffällig lange Körper streckt sich oberhalb des Fahrwegs aus. Im gleißenden Licht der Nachmittagssonne wirkt die dunkle Holzfassade mit den flimmernd hellen Sprengseln ein wenig unwirklich. Fast scheint es, als würden die Konturen des Hauses verschwimmen. Doch die Fenster geben Halt. Streng aufgereiht ziehen sie sich über die Längsseiten. Gleich ob sie in tiefen Laibungen sitzen oder bündig mit der Holzschale abschließen, sind sie weiß gerahmt. Ein hübscher Kontrast zu den Gräsern und Kräutern, die auf dem dezenten Satteldach blühen. Ein aufgeschütteter Weg aus feinem Kiesel führt an der Garage vorbei hinauf zum Eingang. „Willkommen“, sagen Silke Stocker-Dewes und Wolfgang Dewes. Dass es sie einmal hierher verschlagen würde, hätten sich die beiden nicht träumen lassen.

          Unvorstellbar – das war der erste Eindruck der Architektin, als sie den Stall sah

          Fünf Jahre liegt ihr erster Besuch in diesem abgelegenen Freiburger Tal zurück. Damals folgte das Architektenehepaar einer Immobilienanzeige. Schon seit längerem suchten die beiden nach einem Ort, an dem sich Arbeit und Wohnen unter einem Dach vereinen lassen würden. Doch Grundstücke waren und sind in Freiburg kaum zu bekommen. Auch passende Bestandsimmobilien gab es nicht, allenfalls teure, teilsanierte Objekte, die in nichts den Vorstellungen der beiden Architekten entsprachen. Doch dann war da eines Tages eine Zeitungsannonce, in der ein ehemaliger Pferdestall mit immerhin 120 Quadratmeter Grundfläche zum Kauf angeboten wurde.

          „Unvorstellbar“, erinnert sich Silke Stocker-Dewes an ihren ersten Eindruck. Sie und ihr Mann wohnten zu diesem Zeitpunkt noch in der Wiehre, einem Stadtteil, der wegen seiner Altbauten und Villen zu Freiburgs schönsten und gefragtesten Wohngegenden zählt. So weit nach draußen zu ziehen, hatten sie bis dahin keinen Moment lang in Erwägung gezogen. Das Gebäude selbst gefiel ihnen spontan gar nicht so schlecht. „Dass sich darin Büro und Wohnraum gut unterbringen lassen würden, war klar“, sagt Wolfgang Stocker. Dennoch flammte anfangs keine Begeisterung auf. Das Planerehepaar brauchte eine Weile, bis es sich für das Angebot erwärmte, das auch ansonsten niemand wollte.

          Wie geht man mit so einem Gebäude um?

          Doch dann sahen sie die Möglichkeiten und die Herausforderung, die in dem mittlerweile mehr als 50 Jahre alten Stall steckten. Wer sich einer Bestandsimmobilie annimmt, steht immer vor der Frage, wie sehr er sich auf das einlässt, was das alte Gebäude an Ressourcen bereithält. Ressourcen meint mehr als nur verbautes Material. Es geht dabei auch um vorhandene Räume, Wege, Öffnungen in der Fassade und den schon gebauten Entwurf. Auch wenn der von keinem Meister stammt, vor dem man sich verneigen muss. Und es geht um die Frage, ob man als Bauherr immer seine Träume und Wünsche einem Haus überstülpen muss oder ob man sich von dem Vorhandenen leiten lassen kann. Im besten Fall legen gute Architekten das Potential eines alten Hauses frei, indem sie aufgreifen, was schon längst da ist. So haben es Silke Stocker-Dewes und Wolfgang Dewes gemacht - und dass die Bauordnung ihnen enge Grenzen steckte, hat sich nicht als Nachteil erwiesen.

          Um den alten Stall von außen optisch weniger gedrungen wirken zu lassen und innen etwas an Raumhöhe zu gewinnen, setzten sie die Traufe etwas höher an. Den First aber haben sie in seiner alten Höhe belassen, so dass das Gebäude nicht wirklich gewachsen ist. Wie gut proportioniert die Boxenöffnungen in der Fassade waren, entging den Architekten nicht. Sie beschlossen daher, sie als Fenster zu erhalten. Allerdings sind die ursprünglichen Öffnungen klein und die Sonnenstunden im Tal begrenzt. Um nicht im Dunkeln zu sitzen, entschied sich das Architektenehepaar, nach Westen hin die vorhandenen Fenster im Erdgeschoss bodentief zu verlängern. Zudem erhielt jede Seite ein zusätzliches großes, quadratisches Fenster, und auch über das Dach fällt Licht ins Innere.

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